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Zukunft Fahrrad Politikforum: Potenziale für die Verkehrswende ausschöpfen

Die Fahrradwirtschaft als zentrales Element und Garant für Transformation von Mobilität, so sieht sich die Branche, wie ein Politik-Forum verdeutlichte. Die Akteure wollen beweisen, dass sich ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließen.

Treiber der Transformation: Das Fahrrad bietet als Verkehrswendemittel große Potenziale, die längst nicht ausgeschöpft würden, wie die Akteure der Branche und Zukunft-Fahrrad-Geschäftsführer Wasilis von Rauch beim Politikforum in Berlin monierten. | Foto: Zukunft Fahrrad
Treiber der Transformation: Das Fahrrad bietet als Verkehrswendemittel große Potenziale, die längst nicht ausgeschöpft würden, wie die Akteure der Branche und Zukunft-Fahrrad-Geschäftsführer Wasilis von Rauch beim Politikforum in Berlin monierten. | Foto: Zukunft Fahrrad
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Johannes Reichel

Mehr als hundert Vertreter*innen aus Politik und Wirtschaft diskutierten beim Politik-Forum des Verbands Zukunft Fahrrad die Herausforderungen und Chancen der Transformation der deutschen Mobilitätswirtschaft. Dort sprachen neben Uta Pfeiffer vom BDI und JobRad-Gründer Ulrich Prediger auch Sarah Holczer vom deutschen SHIMANO-Importeur Paul Lange sowie Raymond Gense aus dem Vorstand von Cycling Industries Europe, dem europäischen Partnerverband von Zukunft Fahrrad. Der Wissenschaftsjournalist und Kabarettist Eckart von Hirschhausen steuerte eine digitale Keynote bei. Man verwies darauf, dass in den drei Kernbereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen rund 63.000 Menschen in der Fahrradwirtschaft beschäftigt seien, die einen Jahresumsatz von 28 Mrd. Euro erwirtschafteten. Vor allem die Wachstumsraten in den vergangenen drei Jahren seien beeindruckend: 30 Prozent mehr Arbeitsplätze und 70 Prozent mehr Wertschöpfung bilanziert man und sieht das Potenzial längst nicht ausgeschöpft.

Standort mit transformationstreibender Tradition

Das Fahrrad wurde vor über 200 Jahren in Deutschland erfunden und noch heute sei die deutsche Fahrradwirtschaft globaler Vorreiter bei Innovationen und europäischer Leitmarkt für Elektromobilität. Gleichzeitig ist die Branche mittelständisch geprägt, mit regional verwurzelten Unternehmen, die vor Ort investieren, Arbeitsplätze schaffen und Wertschöpfung generieren. Nach Jahren kräftigen Wachstums stehe die Branche aktuell allerdings vor großen Herausforderungen, so die Verantwortlichen.

„Die Fahrradwirtschaft ist Zukunftsbranche und für die Transformation der Mobilitätswirtschaft in Deutschland ebenso unerlässlich wie das moderne Fahrrad für eine nachhaltige Verkehrswende. Was es jetzt dringend braucht, ist eine gemeinsam mit der Branche entwickelte und vorausschauende Strategie der Bundesregierung für die Entwicklung und Stärkung der Fahrradwirtschaft in Deutschland und der EU", erklärte Ulrich Prediger, Vorstandsvorsitzender von Zukunft Fahrrad.

So gebe es zum Beispiel große Potenziale für sogenanntes „Re- und Nearshoring“, also die Verlagerung von Produktionsstätten von Fahrrädern und Komponenten nach Europa, was Arbeitsplätze schafft und Deutschland und Europa unabhängiger macht, wie man argumentiert. Die EU und andere europäische Staaten wie Frankreich oder die Niederlande hätten sich hier bereits auf den Weg gemacht und breit angelegte Förderprogramme ins Leben gerufen.

Fachkräftemangel auch in der Bike-Branche

Stichwort Arbeitsplätze: vom Fachkräftemangel sieht sich auch die Fahrradbranche auf allen Ebenen und in allen Bereichen betroffen. Eine umfassende Strategie zur Fachkräftesicherung sei deshalb dringend geboten, so die Verantwortlichen. Dazu gehöre die Stärkung des dualen Ausbildungssystems, die Förderung von Umschulungen aus anderen Branchen und der Abbau bürokratischer Hürden bei der Zuwanderung und Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Das Fahrrad müsse in allen relevanten Politikfeldern konsequent mitgedacht werden – von der Förderung der Elektromobilität über das Steuerrecht und die Transformation des Vergaberechts bis zum betrieblichen Mobilitätsmanagement. Mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) setzt sich Zukunft Fahrrad für vereinfachte steuerliche Regelungen für ein Mobilitätsbudget ein.

„Um die umweltfreundliche Mobilität der Belegschaft zu fördern, bietet sich ein Mobilitätsbudget als freiwillige Leistung neben dem Dienstwagen an, was auch die Attraktivität eines Arbeitsgebers steigert. Es gibt noch einigen Handlungsspielraum für die Politik, die Rahmenbedingungen für solche Angebote zu verbessern", erklärte BDI-Abteilungsleiterin Uta Pfeiffer.

Das moderne Fahrrad sei in all seinen innovativen Formen vom kompakten Faltrad bis zum E-Lastenrad, als geleastes Dienstrad, im Abonnement oder im Sharing-System, in der privaten wie gewerblichen Nutzung unerlässlich für eine umfassende und zukunftsweisende Transformation der Mobilität, meinen die Branchenakteure. Sie monieren, dass bisher das große wirtschaftliche Potenzial des Fahrrads wenig Entsprechung in der deutschen Wirtschaftspolitik finde. Die Aufnahme der Fahrradwirtschaft in die Industriestrategie des BMWK analog zum „Mobility Transition Pathway“ der EU-Kommission sähe man hier als ein gutes Zeichen und notwendiger nächster Schritt.

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