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Zellfertigung: Bosch lässt Batteriebau bleiben

Europas größter Automobilzulieferer sieht auf absehbare Zeit keine Chance, die Fernost-Konkurrenz bei Lithium-Ionen-Speichern einzuholen und gibt das Engagement in dem Bereich auf. Conti sieht noch Chancen, allerdings bei Festkörper-Akkus.

Antrieb ja, Akkus nein: Bosch zieht sich aus der Entwicklung von Batteriezellen zurück, will dennoch gehörig profitieren von der Elektrifizierung der Mobilität. | Foto: Bosch.
Antrieb ja, Akkus nein: Bosch zieht sich aus der Entwicklung von Batteriezellen zurück, will dennoch gehörig profitieren von der Elektrifizierung der Mobilität. | Foto: Bosch.
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Johannes Reichel

Der führende europäische Automobilzulieferer Bosch gibt seine Investitionen in die Entwicklung und Fertigung von Batteriezellen auf. Darüber berichtet die Süddeutsche Zeitung. Bosch-Geschäftsführer Rolf Bulander habe das Ende des Engagements verkündet, auch das 2015 akquirierte US-Start-Up Seeo soll verkauft werden. In den vergangenen Jahren hatte der Zulieferer einen dem Vernehmen nach dreistelligen Millionenbetrag investiert, um vor allem auch in der Lithium-Ionen-Folgetechnologie der Festkörperbatterien mitspielen zu können. Jetzt werden beide Felder aufgegeben. Damit steht für die Schlüsseltechnologie zugleich eine europäische Fertigung und Bündelung von Akkukompetenz in Frage - und eine Abhängigkeit von fernöstlichen Herstellern wie Panasonic, LG Chem, Samsung oder chinesischen Anbietern wie BYD im Raum. Der Grund für den Ausstieg liege vor allem in den hohen Investitionen von laut Bosch-Chef mindestens 20 Milliarden Euro, die notwendig gewesen wären, um die Technologielücke zu den asiatischen Anbietern zu schließen. Diese hätten "signifikante Wettbewerbsvorteile", zitiert die SZ Bulander. Bosch will sich stattdessen auf Elektromotoren und Komponenten konzentrieren. "Nicht nur größere Akkus, sondern auch eine intelligentere Vernetzung des Elektroautos können die Reichweite vergrößern. Hierzu zählt beispielsweise ein intelligentes Lademanagement", heißt es etwa in einer Produktbeschreibung des Zulieferers.

Fast zeitgleich äußerte sich allerdings der Bosch-Wettbewerber Continental hoffnungsvoll im Hinblick auf eine eigene Batteriefertigung. Deren Chef Elmar Degenhart liebäugelt durchaus noch mit dem Einstieg in die Produktion innovativer Batterien, wie er gegenüber der Automobilwoche vor kurzem erklärte. Auch in Hannover setzt man dabei auf Festkörperzellen, nicht mehr auf Lithium-Ionen. Zeitlich könnte ein solches Projekt ab 2024 starten. Auch die Renditechancen hält Degenhart mit langfristig 20 Prozent für attraktiv. Die Chancen auf eine Fertigung in Deutschland dagegen für verschwindend: Schon allein die Stromkosten für die energieintensive Herstellung seien zu hoch.

Die deutschen Autohersteller betreiben keine eigene Fertigung von Batteriezellen, sondern nur Forschungsprojekte. Bisher werden die Zellen allerdings "paketiert", mit eigener Steuerungssoftware versehen und auf die jeweiligen Modelle adaptiert. Zuletzt hatte BMW erklärt, eine eigene Fertigung "hochziehen" zu können und eine Investition von 200 Millionen Euro in ein Batteriekompetenzzentrum angekündigt, in dem man sich bis 2021 die Option einer eigenen Zellfertigung erschließen wolle. Diese hält man aus heutiger Sicht allerdings nicht für notwendig. BMW bezieht die Akkus für den Elektrokompaktwagen i3 von Samsung aus Südkorea.

Was bedeutet das?

Es ist ein herber Schlag für die Pläne der Europäischen Kommission, beim Thema Batterien doch noch ein weltweites Wörtchen mitzureden und ein heimisches Konsortium verschiedenster Beteiligter aufzusetzen, Vorbild Airbus. Der Motor von morgen ist die Batterie, hört man allerorten von Experten. Insofern ist es mehr als bedauerlich, dass der größte Autozulieferer Bosch sich nun aus der Entwicklung zurückzieht. Eigentlich ist es ein Offenbarungseid für die hiesige Industrie insgesamt, erst recht, wenn man bedenkt, welche Kompetenz deutsche Hersteller wie Varta einst auf dem Gebiet hatten - Varta rüstete einst sogar die Mondmission von Armstrong mit Batterien aus. So groß hätte man die Lücke zu Panasonic&Co nie werden lassen dürfen. Vielleicht hat man mit der wie es aussieht vergeblichen Perfektionierung des Diesel-Motors auf das falsche Pferd gesetzt. Jetzt fehlt, so ehrlich ist Bosch-Chef Bulander immerhin, schlicht das Geld für ein enormes Investment. Betriebswirtschaftlich mag das stimmen, marktstrategisch ist es verhängnisvoll, von externen Anbietern abhängig zu sein bei einer Schlüsseltechnologie. Der Umkehrschluss macht klar, was Bosch entgeht: Komplette E-Antriebsstränge inklusive Batterietechnologie, damit hätte man zweifellos eine extrem starke Marktposititon innegehalten. Vorbei, zumindest bei Bosch. Mal sehen, ob die Europäer mit der Festkörpertechnologie doch noch einen Fuß in die Tür der Batterieproduktion bekommen. 

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