ZDF-Magazin: EEG-Regeln für PV-Anlagen gefährden Verkehrswende

Wieder ein Beispiel, wie eng die Sektoren Energie und Mobilität zusammenhängen: Frontal21 beleuchtet die hohen Hürden, die etwa Besitzer von E-Autos bei Installation einer PV-Anlage künftig haben.

Den Stecker gezogen: Die geplante Neuregelung für das EEG erschwert den Betrieb einer eigenen PV-Anlage, etwa um ein E-Auto zu versorgen, massiv. | Foto: Screenshot
Den Stecker gezogen: Die geplante Neuregelung für das EEG erschwert den Betrieb einer eigenen PV-Anlage, etwa um ein E-Auto zu versorgen, massiv. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Das ZDF-Magazin Frontal21 hat in einem Beitrag zur geplanten EEG-Neuregelung auf die hohen Hürden aufmerksam gemacht, die etwa auch Besitzer von Elektrofahrzeugen künftig zu gewärtigen haben, wenn sie sich mit eigenem Solarstrom versorgen wollen. Die geplante EEG-Reform torpediere den Klimaschutz, so der massive Vorwurf. Mit der Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) will die Bundesregierung eigentlich sicherstellen, dass der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis zum Jahr 2030 bei mindestens 65 Prozent liegt, schildern die Autoren. Doch an dem von der schwarz-roten Koalition vorgelegten Gesetzentwurf gebe es sehr viel Kritik von Energie- und Umweltverbänden sowie aus der Solarbranche. Die Bundesregierung würge die Energiewende mit ihren Plänen ab, etwa durch neue Belastungen für kleine Solaranlagen, werfen die Autoren der Politik vor. Allerdings gebe es jetzt sogar Widerstand innerhalb der Regierungsparteien. Zurzeit wird die EEG-Novelle im Bundestag beraten. Sie soll noch im November beschlossen werden.

Absurdistan: Die Neuregelung verlangt teure Nachrüstung

Im Beitrag wird exemplarisch der Fall eines Hausbesitzers geschildert, der sein Elektro-Auto mit dem Strom von der seit langem installierten PV-Anlage auf dem Dach versorgen will. Mit der EEG-Neuregelung werde jetzt der Einbau eines Smart-Meters notwendig, um die alten Zähler zu ersetzen. Zudem sei ein eigener Zähler für den selbst produzierten Auto-Strom notwendig, auf den der Nutzer dann EEG-Umlage bezahlen müsste. Im Rechenbeispiel beläuft sich das auf 40 Euro EEG-Umlage. Hinzu kommt die Zählermiete mit 120 Euro sowie 90 Euro für die Versicherung der PV-Anlage, 250 Euro jährlich. Darüber hinaus wird ein neuer Zählerschrank vorgeschrieben, der mit weiteren 1.000 bis 2.000 Euro zu Buche schläge. Damit sei die Anlage für den Nutzer nicht mehr rentabel. Die Autoren warnen, dass dies den hundertausenden von PV-Besitzern in Deutschland drohe.

"Wie eine Apfelsteuer auf die eigenen Äpfel"

Im Beitrag kritisiert der selbst betroffene Prof. Volker Quaschnig von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, damit würde eine Steuer auf selbst produzierten Strom erhoben. Das sei so, als verlange der Staat eine "Apfelsteuer für die Äpfel vom eigenen Baum". Er hält die Regelungen für kleine Anlagen in Deutschland für deutlich zu kompliziert. Ohne Anwalt und Steuerberater sei das kaum noch zu machen. Das schrecke viele Leute ab. Der Prozess müsse so simpel sein wie in anderen Ländern.

Niederlande: Nur ein Formular - und es läuft

Hier führen die Autoren das Beispiel der Niederlande an, wo man mit dem Ausfüllen eines einzigen Online-Formulars den kompletten Prozess der Installation einer PV-Anlage auf seinem Eigentum in Gang setzt. Ein Smart-Meter, bezahlt vom Energieunternehmen, läuft hier schlicht vorwärts und rückwärts, je nachdem, ob die Anlage gerade Strom produziert oder nicht. Im Beispielfall landet der Nutzer bei einer neutralen Stromrechnung. Durch den einfachen Prozess würden in den Niederlanden derzeit fünf Mal so viele PV-Anlagen auf Privatdächern errichtet wie in Deutschland.

Keine Chance, die Klimaziele zu erreichen

Die von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier (CDU) vorgelegte Neuregelung sieht nun komplizierte Verfahren vor, die den Zubau nicht beschleunigen dürfte. Dieser verläuft schleppend und liegt bei unter fünf Gigawatt jährlich. Für die Erfüllung der EU-Klimaziele bis 2050 wären jährlich mindestens 10 GW nötig, so die Autoren. Die Bundesregierung preise nicht ein, dass man für die Energie, Wärme- und Verkehrswende zusätzlichen Strom benötige, moniert Quaschnig. Er sieht auf dem derzeitigen Pfade keine Chance, dass Deutschland seine Klimaziele erreiche.

Was bedeutet das?

Und wieder ein Kapitel aus der Tragödie "Klima-Wende - sie wollen es nicht wirklich". Diesmal "featured by" Peter Altmeier, Bundeswirtschaftsminister von der CDU. Nicht wirklich tröstlich, dass ausnahmsweise mal nicht Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den Protagonisten gibt und sich als Bremser betätigt. In dem Falle, weil es einfach nicht sein Ressort ist. Doch sollte die Neuregelung des EEG so kommen, dann schaut es düster aus mit der Energie- und damit auch der Verkehrswende in Deutschland. Warum wird einem eigentlich hierzulande nicht ein roter Teppich ausgerollt, wenn man sich für den Klimaschutz einsetzt und schon selbsttätig die Sektoren "koppelt", etwa sein E-Auto mit eigenem Strom laden will. Was für ein absurder Quatsch, EEG-Umlage auf den eigenen Strom. Man fühlt sich fast wie bei den Schildbürgern. Wie das besser geht? Man muss nur mal über die Grenze in die Niederlande schauen. So macht man das - für den Nutzer möglich einfach. Dann klappt's auch mit der Klimawende.

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