Yamaha launcht E-Roller - und setzt auf Pedelecs

Mit der Vorstellung der nächsten Generation von Elektro-Rollern auch fürs Sharing geht eine Langzeit-Partnerschaft zwischen Yamaha und Troopy für ein Angebot verschiedener vollelektrischer Fahrzeuge einher. Der Neo's soll den Auftakt bilden für eine E-Offensive, vom Pedelec über E-Mofa bis zum 125er-Roller.

Zwei zum Teilen: Gleichzeitig mit der Vorstellung der Sharing-Kooperation mit Troopy in Frankreich präsentierte Yamaha seine E-Scooter E01 und NEO's. | Foto: Yamaha
Zwei zum Teilen: Gleichzeitig mit der Vorstellung der Sharing-Kooperation mit Troopy in Frankreich präsentierte Yamaha seine E-Scooter E01 und NEO's. | Foto: Yamaha
Johannes Reichel

Der Roller-Hersteller und Technologiekonzern Yamaha hat als erster japanischer Anbieter den Einstieg in den E-Scooter-Markt vollzogen und stellt zum Start gleich zwei neue Modelle vor und zudem eine Kooperation mit Sharing-Spezialist Troopy. Die Roller sollen den Beginn einer breit angelegten Leicht-Elektro-Offensive bilden, die vom E-Bike und Pedelec über Leicht-E-Roller und 125-Scooter reicht. Nach Ansicht von Clément Villet, Leiter des europäischen Zweiradgeschäfts der Japaner, würden die Grenzen der Genres in Zukunft verschwimmen. Der Kooperationspartner ist ein Self-Service Leihroller-Dienst, der 2018 in Paris von Groupe Chapat, einem Spezialisten in Sachen Mobilität, gegründet wurde. Nach mehreren Jahren der Entwicklung eines hochwertigen Roller-Verleihservices wolle man jetzt mit der langfristigen Partnerschaft mit Yamaha den Wechsel zu einer 100 % elektrischen Rollerflotte bekanntgeben, hieß es von den Franzosen. Man sieht darin nicht weniger als den Übergang zu einer "vernünftigeren und partnerschaftlichen Art der Mobilität", um den urbanen Herausforderungen gerecht zu werden.

„Als Yamahas Partner des Vertrauens begann Troopy 2018 seinen Roller-Verleihservice in Paris mit dem Tricity 125. Seitdem brachte Troopy zehntausenden Fahrern Yamahas Leaning Multi Wheel Technologie näher und bot gleichzeitig ein einfaches und sicheres Fahrerlebnis für Pendler in Städten und Vororten. Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Sachen Mobilität in Europa, wird die Fahrzeugflotte von Troopy sehr bald aus zwei Yamaha Elektroroller Modellen bestehen, deren fortschrittliche, emissionsfreie Technologie die Bedürfnisse von Pendlern in Großstädten erfüllt", erklärte Eric de Seynes, President Yamaha Europe bei der Präsentation auf der AUTONOMY Paris.

Die beiden eingesetzten Yamaha Modelle sind der neue NEO's in einer Leihversion und der E01, ein Roller, der speziell für groß angelegte Pilotprojekte wie das von Troopy entwickelt worden sei, so de Seynes weiter. Die Kooperation werde es den Nutzern von Leihrollern ermöglichen, von dem Service von Troopy zu profitieren, kombiniert mit der Qualität der Yamaha-Roller, wirbt der Yamaha-Chef. Beide Modelle werden im Spätsommer verfügbar sein und mit spezifischen und exklusiven Funktionen ausgestattet sein, die für Leihroller in Paris erforderlich sind.

E01: Elektroroller für eine neue Zeit

Der Yamaha E01 ist mit allen Funktionen ausgestattet, die man von einem Roller der 125 cm³ Klasse erwartet. Mit seiner Leistung soll er für kurze bis mittlere Strecken geeignet sein. Technisch soll das Motorrad-Know-How von Yamaha zum Tragen kommen. Der Antrieb besteht aus einem Permanentmagnet-Synchronmotor, der eine maximale Leistung von 8,1 kW bietet und von einem Lithium-Ionen-Akku mit 4,9 kWh gespeist wird. Diese Kombination soll für ein sanftes, leises und vibrationsarmes Fahrverhalten sorgen, das sich schon bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten durch eine hervorragende Leistung auszeichnet. Der E01 wurde mit geplanten 500 Einheiten als Proof-of-Concept-Modell in Europa, Japan, Taiwan, Indonesien, Thailand und Malaysia vorgestellt, geht also einen globalen Kompromiss ein. Das Modell wurde am Haupt-Fertigungsstandort Iwata in Japan hergestellt. Zu den potenziellen Wunschpartnern für die Markteinführung gehören Fahrzeugsharing-Unternehmen, lokale Verwaltungen und Behörden, gemäß dem Verkehrsumfeld und der Infrastruktur in den einzelnen Märkten.

NEO's: Unkomplizierte und leise urbane Mobilität für alle

In der 50er-Klasse verweist der Hersteller auf viele Jahrzehnte als Hersteller auf dem wichtigen europäischen 50 cm³-Rollermarkt. Seit den 1990er Jahren habe man unter dem Markennamen Yamaha und MBK einige der erfolgreichsten Modelle der Branche, darunter "Kultfahrzeuge" wie den BW's/Booster, den Aerox/Nitro und den NEO's/Ovetto entwickelt. Neben dem Kerngeschäft als Hersteller von Verbrennungsmotoren unternehme man seit mehr als 30 Jahren erhebliche Anstrengungen auf dem Sektor der Erforschung und Entwicklung von Elektrorollern. 1991 stellte das Unternehmen auf der Tokyo Motor Show mit dem Frog seinen ersten Elektroroller vor. Seit dieser Zeit sei stets an der Entwicklung solcher Fahrzeuge weitergearbeitet worden, man verweist auf mehrere Modelle in verschiedenen asiatischen Ländern.

2022 wird der NEO's der nächsten Generation für den europäischen Markt vorgestellt, Yamahas erster Serien Elektroroller, mit dem Leistungsvermögen eines 50 cm³-Rollers. Dieses neue, kostengünstige und emissionsfreie Modell soll nach dem Dafürhalten der Japaner einen Beitrag zur Transformation der urbanen Mobilität in den Städten Europas leisten. Basis soll ein einfaches, universelles und attraktives Design legen, mit einer eleganten, neuen Verkleidung mit klaren Linien und minimalen Überhängen vorn und hinten. Die kompakte Verkleidung zeichnet sich durch weiche, runde Formen aus und soll für das leichte Fahrgefühl dieses extrem leisen, emissionsfreien Rollers sorgen. Die weißen Umrandungen des LED-Doppelscheinwerfers sorgen für ein frisches, dezentes und modernes Aussehen und sind vom ikonischen „Gesicht“ des fossilen Original-NEO's von 1997 inspiriert, wie die Designer werben. Gummileisten an den Konturen der Verkleidung unterstreichen aber nicht nur das schlanke Design, sie seien auch ein wirkungsvoller Schutz vor kleineren Beschädigungen, überdecken verschiedene Befestigungsteile und runden so das Finish ab.

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Yamaha-Tugenden: Nicht ganz billig, aber hochwertig

Technisch kommt der knapp 100 Kilo schwere "50er"-E-Roller mit einem superleisen 2,5-kW-Nabenmotor, einem 1,0 kWh-Akku, der 8 Kilo wiegt und im Eco-Mode 37 Kilometer weit reichen soll, aber auch nur 35 km/h erlaubt. Wie bei anderen Rollern dieser Spezies, etwa von Niu, dürfte der Normal-Modus mit knapp 50 km/h realistischer sein. Wahlweise gibt es einen zweiten Akku, der wohl bis zu 60 Kilometer Radius erlaubt. Den ersten Medienberichten zufolge ist der Japan-Stromer wie von Yamaha zu erwarten qualitativ top, schick gemacht und durchdacht arrangiert. Unter der Bank ist Platz für den Helm oder Ladekabel und die Akkus, die jeweils acht Stunden am Haushaltsstrom hängen müssen. Die Steuerungselektronik sitzt in der Schwinge.

Fast schon Usus ist das "Smart Key"-System, mit dem man den Roller schlüssellos startet. Etwas fad wirkt bei der schicken Schale das monochrome LCD-Display, das wie bei Niu vor allem in der Sonne schlecht ablesbar ist. Üblich ist auch die Koppelungsmöglichkeit mit dem Handy über die eigene App, die dann auch SMS oder Anrufe meldet, Fahrstrecken oder Ladezustand spiegelt. Praktischer als bei Niu ist die breitere und tiefe Fußplattform, die Platz lässt für Einkäufe - oder größere Füße. Das Fahrwerk soll für Stadtfahrten völlig ausreichend stabil und agil sein. Yamaha hat dem NEO's eine aufrechte Sitzposition mitgegeben. Leider auch einen firmentypisch selbstbewussten Preis: Ab 3.324 Euro roll(er)t der NEO's an, der zweite Akku kostet üppige 1.200 Euro extra. Aber dafür macht verzichtet er ja auch auf Lärm: Yamaha will für den E-Scooter nur 55 db aus sieben Metern Distanz gemessen haben, bei einem fossilen 50er waren es 71 db.

Weit über den Roller hinaus: Pedelec & Co

Yamaha verweist darüber hinaus auf seine Erfahrung als Entwickler von Elektrofahrzeugen, angefangen beim ersten „Power Assist System“ (PAS) aus den frühen 1990er Jahren, worin man die Grundlage des weltweit ersten in Serie produzierten Elektrofahrrads sieht. Seitdem wähnt man sich führend in der Entwicklung leichter, kompakter Antriebe für Elektrofahrräder. In drei Jahrzehnten wurden circa 7 Millionen Stück davon produziert.

In den letzten Jahren hat die Nachfrage nach Elektrofahrrädern exponentiell zugenommen. Allein in Europa wurden 2021 mehr als 5 Millionen Stück verkauft – viele davon mit Antriebstechnik von Yamaha, skizziert der Anbieter. Angesichts dessen habe das Unternehmen beschlossen, seine Produktionskapazitäten auszuweiten und nun auch in Europa Elektroantriebe zu bauen. Die Japaner entwickeln weiterhin uneingeschränkt wegweisende Antriebssysteme für zahlreiche Fahrradhersteller. Darüber hinaus stellt man drei neue, hauseigene E-Bikes für die Segmente „All Mountain“, „Gravel“ und „Urban“ vor, zu denen ausführliche Informationen im Sommer folgen sollen. Die ersten neuen Elektrofahrräder der Marke sollen vor Ende 2022 über das Zweirad-Händlernetz vertrieben werden.

Das Comeback des Moped mit anderen Mitteln

Eine Brücke schlagen die Japaner dann mit dem B01, einem neuentwickelten Hybridprototypen, der intelligent die Funktionalität eines E-Bike S-Pedelec und das Leistungsvermögen eines Mopeds für das urbane Terrain verbindet. Das B01 existiert derzeit nur als Konzeptmodell. Yamaha Motor Europe und seine langjährigen Partner Fantic Motor und Motori Minarelli werden das B01 jedoch zu einem serienreifen Modell weiterentwickeln und will das Geschäft damit noch breiter aufstellen.

„Yamaha freut sich darauf, sein Individualmobilitätsangebot weiter auszubauen und ein völlig neues Kapitel der Unternehmensgeschichte aufzuschlagen. Mit technischem Knowhow von Weltrang und den professionellen Vertriebspartnern im Rücken wird die Einführung dieser neuen Elektroprodukte und zugehöriger Services eine neue Kundengeneration begeistern", schwärmt Eric de Seynes.

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