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Widersprüche aus Sachsen: Ja zur E-Mobilität - Nein zu Verbrenner-Ausstieg

(dpa/sn/jr) Minister findet: "An E-Autos führt kein Weg vorbei", redet aber von "Technologieoffenheit". Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer argumentiert widersprüchlich und rüttelt so am Verbrennerausstieg 2035. Verwirrende Signale aus dem Land der ersten E-Auto-Fabrik Europas, wo sich die Industrie mehr Optimismus wünscht.

Wackelige Argumentation: In Sachen betreibt VW die erste reine E-Autofabrik Europas, die 2019 hoffnungsvoll startete. Aktuell werden statt 360.000 nur 247.000 Autos in Zwickau gebaut. | Foto: dpa/Hendrik Schmidt
Wackelige Argumentation: In Sachen betreibt VW die erste reine E-Autofabrik Europas, die 2019 hoffnungsvoll startete. Aktuell werden statt 360.000 nur 247.000 Autos in Zwickau gebaut. | Foto: dpa/Hendrik Schmidt
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Johannes Reichel

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat sich offen für Alternativen zum Elektro-Auto gezeigt. «Es kann nicht nur eine einzelne perfekte Lösung geben», erklärte der SPD-Politiker am Sonntag. Er bekenne sich zur Technologieoffenheit. Mit einem späteren Aus für Neuwagen mit Verbrennungsmotor allein wäre aus seiner Sicht aber niemandem geholfen. «Denn gerade in der E-Mobilität holen die chinesischen E-Auto-Konkurrenten aktuell schnell auf. Wir dürfen diesen wichtigen Markt nicht verlieren.» 

Damit Deutschland seine längerfristigen Klimaziele erreiche, seien mehr Anstrengungen im Verkehrssektor nötig, betonte Dulig. Dazu brauche es Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Sachsens Automobilindustrie zählt zu den Vorreitern bei Elektroautos, in Zwickau steht mit dem VW-Werk die erste reine E-Auto-Fabrik Europas. Für dieses Jahr wird ein Anstieg der Produktion im Freistaat von 253 000 E-Autos im vergangenen Jahr auf rund 320 000 erwartet.  Er gehe davon aus, dass dieser Weg weiter forciert werde, so Dulig. Mit dreistelligen Millioneninvestitionen in die Batteriemodulproduktion an den Markenstandorten und bei den vorgelagerten Zulieferern sei der Fahrplan klar: «An Elektromobilität führt kein Weg mehr vorbei.» 

Zuletzt war von einigen Politikern das Verbrenner-Aus für Neuwagen infrage gestellt worden. Die EU hatte sich 2022 darauf geeinigt, dass ab 2035 keine Neuwagen mehr zugelassen werden, die mit Benzin oder Diesel angetrieben werden. Für 2026 ist eine Überprüfung vorgesehen. Der Vorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, hatte vor einigen Wochen erklärt, das Verbrenner-Aus kippen zu wollen. Auch die FDP dringt darauf, ausschließlich mit klimafreundlichen E-Fuels betankte Autos davon auszunehmen.

 

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fiel mit widersprüchlichen Äußerungen auf. Er wirbt zwar für die Zwickauer VW-Fabrik als "Alleinstellungsmerkmal, das uns für die nächsten Jahrzehnte Sicherheit gibt", lehnt zugleich aber den Verbrennerausstieg 2035 strikt ab. Das seien "überzogene politische E-Auto-Ziele" in Berlin und Brüssel, erklärte Kretschmer laut einem Bericht des Spiegel. "Sie sind eine Belasung für die Unternehmen und machen uns noch abhängiger von China", meint der Landeschef, im Gegensatz zu vielen Vertretern der Industrie in Sachsen.

"Es wäre ein Irrweg sich an die Vergangenheit zu klammern. Die ganze Welt beweist uns, dass E-Mobilität funktioniert", befand etwa Max Jankowsky, Präsident der IHK Chemnitz und Chef der Erzgießerei Lößnitz.

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