Webasto plant smartere Wallboxen

Auf der Plattform "Edison" sprach Anna-Lena Majer, Leitern der Sparte Ladesysteme bei Webasto, über die Zukunft der Ladetechnik.

Die künftige Ladetechnik-Generation von Webasto soll noch intelligenter werden. | Foto: Webasto
Die künftige Ladetechnik-Generation von Webasto soll noch intelligenter werden. | Foto: Webasto
Gregor Soller

Das Geschäft mit Wallboxen brummt bei Webasto. Der Auftragsbestand im Bereich E-Mobilität, der bei Webasto neben Privat- auch gewerbliche Kunden umfasst, steige stetig und liege für das Geschäftsfeld Elektromobilität inzwischen bei etwa drei Milliarden Euro, wie Anna-Lena Majer erklärt. Rein auf Stückzahlen bezogen liege man beim aktuellen Auftragsbestand „etwa im zweistelligen Millionenbereich“. Mittlerweile sieht sich Webasto als „der führende Anbieter im Direktgeschäft mit den Herstellern von Elektroautos“. Dazu kommt die Förderung von privaten Wallboxen mit 900 Euro. Im Dezember, dem ersten vollen Monat nach dem Start der Förderung, lag der Umsatz laut Majer um „360 Prozent über dem eines durchschnittlichen Monatsumsatzes“. Dazu gab es eine Verkaufsaktion zum Black Friday, die ebenfalls sehr gut angenommen worden sei. Entsprechend geht sie davon aus, dass das Geschäft mit Wallboxen „auch noch in den kommenden Wochen“ boomen werde.

Die hohen Stückzahlen kommen auch aus dem OEM-Geschäft: Jedes neu ausgelieferte E-Auto hat ein Ladekabel im Kofferraum. Viele davon liefert eben Webasto, außerdem fertige man „für viele Autohersteller die Wallboxen, die diese ihren Autohäusern und auch ihren Endkunden anbieten“ sowie für Energieversorger, die eigene Lösungen anbieten wollen. Dazu komme außerdem das Aftermarket-Geschäft, also der Verkauf an Vertriebspartner und direkt an Endkunden über den Online-Shop. Drittes Standbein sei die internationale Ausrichtung, denn Webasto sei einer der wenigen Hersteller von Ladetechnik, die weltweit agieren, unter anderem in Märkten wie den USA und China. Deshalb addiert Majer:

„Wenn man das alles zusammenrechnet, da kommt man schon auf eine ganz ordentliche Größenordnung.“

Die Hardware steht prinzipiell, weshalb sich auch Webasto jetzt an die Software macht. Aktuell plane man den Start einer neuen Modellgeneration, welche das Laden zuhause noch bedienungsfreundlicher gestalten soll. Auch bei Webasto werden künftige Geräte immer intelligenter. Und das nicht nur für die Kommunikation mit dem Fahrzeug, sondern auch mit dem Haus und einem Home-Management-System. Dabei denkt Webasto auch über robotergestütztes Laden nach, damit sich Nutzer bei Regen und im Winter nicht mehr die Finger am Ladekabel schmutzig machen, wenn das Elektroauto im Freien geladen wird. Hier helfe Webasto laut Majer eine seiner Kernkompetenzen – die beweglichen Dachsysteme:

„Ein elektrisches Cabriodach hat schon die Komplexität, die es für einen Laderoboter braucht. Hier vereinen wir unser Know-how.“

Wichtig sei die Intelligenz von Wallboxen auch für Kunden, die neben dem E-Auto auch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach und/oder einen Heimspeicher haben, so dass alle Systeme miteinander kommunizieren können. Umso smarter muss die Wallbox sein und Majer geht davon aus, „dass es in Zukunft sehr intelligente Lösungen geben wird“. Ein weiterer Aspekt in dem Zusammenhang sei auch die netzdienliche Steuerbarkeit von Ladepunkten, die nutzerfreundlich umgesetzt werden müssen. Stichwort tarifoptimierte Ladung, so dass zu den Tages- und Nachtzeiten geladen werden kann, zu denen der Strom besonders preisgünstig ist. Dabei sei auch „die einfachste Ansteuerung mittels Schaltkontakt über den bis heute verwendeten Rundsteuerempfänger möglich“, erklärt Majer den Plan, um die Komplexität in Schach zu halten.

Auch das Thema Bidirektionalität respektive V2G habe Webasto im Blick und rechne hierbei mit einer sukzessiven Einführung in den Markt ab 2022, was ein sehr früher Zeitpunkt ist. Dazu kommt das Thema Schnellladen mit DC-Wallboxen, mit bis zu 66 kW Ladeleistung.

Was bedeutet das?

Webasto hat sich vor einigen Jahren klar positioniert und dieser Plan scheint jetzt aufzugehen: Man sieht sich als Volumenhersteller vornehmlich im B2C-Bereich. Doch auch der wird immer anspruchsvoller und komplexer, weshalb man sich künftig wie viele Marktbegleiter Richtung „Intelligenz“ entwickelt. Aktuell profitiert man vom Boom der Elektromobilität und der stringenten Ausrichtung im B2C-Geschäft.

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