Webasto: 1 Milliarde Umsatz bis 2025 durch E-Mobility

2020 war für den Automobilzulieferer Webasto kein einfaches Jahr. Der Umsatz brach ein, Lieferschwierigkeiten setzen sich fort. Diese werden auch das laufende Jahr prägen, doch erste Quartalszahlen stimmen positiv.

Dr. Holger Engelmann, Konzernchef der Webasto SE, sieht die Zukunft in der E-Mobilität. | Foto: Webasto
Dr. Holger Engelmann, Konzernchef der Webasto SE, sieht die Zukunft in der E-Mobilität. | Foto: Webasto

Webasto musst für das Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzverlust von 10,4 Prozent hinnehmen, ein Einbruch auf 3,3 Milliarden Euro und ein operativer Verlust von 69 Millionen Euro. Das Unternehmen gibt dafür den massiven Nachfrageeinbruch bei Fahrzeugdächern und kraftstoffbetriebenen Heizsystemen bedingt durch die Pandemie an. Die Umsatzrendite lag 2020 somit bei minus 2,1 Prozent, im Vorjahr 2019 bei einem Plus von 2,9 Prozent.

„2020 war ein schwieriges Jahr, das wir als Webasto aber robust durchsteuert haben, durch effektives Krisen- und Kostenmanagement. Wir sind profitabel geblieben im Kerngeschäft und haben wir weiter investiert, in neue Projekte und in unsere Zukunft, in den Bereich E-Mobilität. Wir haben bewiesen, dass wir resilient sind und dass wir eine klare Zukunftsorientierung beibehalten, auch in schwierigen Zeiten,“ so Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender der Webasto SE.

Globale Großaufträge

Der Konzernchef beziffert die Investitionen in die Elektromobilität mit mittlerweile über 500 Millionen Euro, „und das zahlt sich aus“. Laut Engelmann hat Webasto mehrere große Aufträge erhalten, u.a. von „einem der Top 5 OEMs“ aus den USA. Für den Hersteller werden künftig jährlich 190.000 Wallboxen gefertigt, die für den US-amerikanischen, europäischen und chinesischen Markt bestimmt sind. Auch in China konnte man einen Großauftrag gewinnen, bei einem chinesischen Sportwagenhersteller, für den in Wuhan produziert wird. Insgesamt umfasst das Lösungsangebot für E-Mobilität Heizsysteme, Charging und Batterien. Die Investition greifen:

„Unser kleines Pflänzchen sind aktuell die Lösungen für die E-Mobility. Im Augenblick mit 76 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2020 stabil zum Vorjahr. Aber hier ist weniger der jetzige Umsatzanteil von 2 Prozent entscheidend, sondern das, was wir an Aufträgen akquirieren, gerade für die Zukunft der nächsten Jahre.“

China ist entscheidender Absatzmarkt

Profitieren konnte man von den Entwicklungen in China. Hier hat sich der Markt, auch pandemiebedingt, deutlich schneller erholt, mit einem Umsatzanstieg von vier Prozent auf insgesamt 39 Prozent. Damit ist China Hauptabsatzmarkt im asiatischen Raum, hier wurden 2020 48 Prozent der Umsätze generiert, und damit insgesamt 2 Prozent mehr als 2019. Im Gegensatz dazu trugen der amerikanische Raum „nur“ 18 Prozent zum Gruppenumsatz bei.

Für das laufende Jahr 2021 gibt Webasto positive Zahlen an. Für das erste Quartal stieg der Umsatz um 31 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, auf 936 Millionen.

„Das erste Quartal 2021 war das umsatzstärkste der letzten fünf Jahre, und auch unser Ebit liegt wieder deutlich im positiven Bereich,“ so Engelmann. „Die Nachfrage bleibt hoch volatil und die Sicherung unserer weltweiten Lieferketten in der Pandemie – vor allem bei anspruchsvollen Projektanläufen – ist weiterhin eine Herausforderung. Aber ich bin optimistisch, dass es ein gutes Jahr für Webasto wird.“

Die Rohstoffproblematik bezeichnet Engelmann als „wenig transparent“ und spricht von einer längerfristigen Krise. Betroffen ist der Materialbereich Stahl, Halbleiter und Kunststoff, speziell Polyurethan.

Mehr Mitarbeiter, mehr Umsatz

Der Markteintritt mit Batterien und Ladestationen ist inzwischen weltweit gelungen und die Nachfrage entwickelt sich trotz herausfordernder Zeiten gut. Auch beim Ausbau unserer Mechatronik-Kompetenz kommen wir sehr gut voran und planen, 2021 weitere 250 Mitarbeitende in der Software- und Elektronikentwicklung einzustellen. Das stärkt unsere Wettbewerbsposition als innovatives Technologieunternehmen sowohl im Stammgeschäft, als auch in den neuen Bereichen,“ erklärt Engelmann.

Die Beschäftigungsentwicklung im deutschen und europäischen Raum beschreibt der Konzernchef als „gleichbleibend“, während man sich im asiatischen und osteuropäischen Raum wohl steigern wird. Aktuell werden 14.154 Mitarbeiter beschäftigt. 

Für die kommenden Jahre plant Webasto weitere Investitionen in den Bereich E-Mobilität, in einem Bereich von „jährlich dreistelligen Millionenbeträgen“. Webasto gibt hier als Ziel an, „bis 2025 mit Lösungen für eine klimaschonende Mobilität eine Milliarde Euro Umsatz zu generieren“. Laut Engelmann rechnet man mit je 400 Millionen aus den Sektoren Batterie und Charging sowie 200 Millionen aus dem Sektor elektrisches Heizen.

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