Watt Electric Vehicle Company (WEVC): 356a reborn

Das zweisitzige WEVC Coupé mit Heckantrieb zitiert klar den Porsche 356 – aber elektrisch.

Aktuell werden die Prototypen auf der Straße getestet. | Foto: WEVC
Aktuell werden die Prototypen auf der Straße getestet. | Foto: WEVC
Gregor Soller

Die Elektromobilität ruft immer neue Nischenanbieter auf den Plan, die sich verstärkt auch im Retro-Bereich engagieren. So zum Beispiel Watt, wo man den Porsche 356a von 1955 als Elektromodell wieder auferstehen lässt – der mit 120 kW originalgetreu, aber nicht übermotorisiert antritt. Unter der Retro-Optik verbirgt sich eine eigenentwickelte EV-Plattform von WEVC, genannt „PACES“. Sie besteht aus verklebtem Aluminium und verfügt über ein integriertes Batteriegehäuse des 40-kWh-Akkus als tragendes Element, was die gesamte Basis leicht und strukturell steif macht. Der gesamte Antriebsstrang und die Fahrwerkskombination entsprechen somit den ISO-Vorschriften und den Crash-Anforderungen der europäischen Kleinserien-Typgenehmigung.

Die technischen Daten: Vernüftig und trotzdem Spaß versprechend

Überzeugend sind die technischen Daten: Denn durch den integrierten Akku schaffen die Briten fast die ideale Gewichtsverteilung von fast 50:50, und, was bei einem "Batterieelektriker" noch schwieriger ist, ein Leergewicht von weniger als 1.000 kg. Eine doppelte Querlenkeraufhängung samt direkter Lenkung sollen aus dem 120-kW-Racer ein fahraktives Auto machen. Von 0 auf 100 km/h soll der Sportler in gut fünf Sekunden beschleunigen.

In den letzten 10 Monaten hat WEVC umfangreiche Prototypentests durchgeführt. WEVC-Simulationsmodelle, die während des Testens und der Entwicklung validiert wurden, sagen voraus, dass Fahrzeuge der Produktionsspezifikation eine WLTP-Reichweite von etwa 230 Meilen, das sind 370 Kilometer, haben werden. In der Realität sollten davon echte 250 Kilometer übrig bleiben – notfalls gerade genug für einen etwas ausgedehnteren Trip von München in die Berge und zurück oder ins Hamburger, Kölner oder Berliner Umland.

Dazu soll auch eine aerodynamsich optimierte Karosserie beitragen: Zwar ist die Optik vom Porsche 356a von 1955 inspiriert, aber die Außenhaut haben die Briten nach eigenen Aussagen subtil aerodynamisch optimiert. Innen setzt man auf Einfachheit, dazu aber aktuell typische „K-Goodies“ wie Klimaanlage und Konnektivität. Neil Yates, Gründer und Inhaber der Watt Electric Vehicle Company, erklärt dazu:

„Das Coupé bringt zwei grundsätzliche Neuheiten für die Watt Electric Vehicle Company mit. Es ist unser allererstes Modell überhaupt – und das erste, das unsere modulare PACES-EV-Architektur nutzt, auf der viele weitere Personenwagen und Nutzfahrzeuge aufbauen sollen. Mit unserem Debütfahrzeug wollten wir einen leichten, mitreißenden Sportwagen bauen, der am anderen Ende des Spektrums vom aktuellen Trend zu enorm leistungsstarken, schnell beschleunigenden, aber schweren Elektro-Supersportwagen liegt.“

Die fortgeschrittene Entwicklungsphase des WEVC Coupé wird in den kommenden Monaten fortgesetzt, bevor im Spätsommer 2021 ein seriennahes Auto enthüllt werden soll. Die Fertigung wird im WEVC-Haus in Cornwall im November 2021 beginnen, die ersten Auslieferungen Anfang 2022. Jedes WEVC Coupé kann individuell auf den Geschmack eines Kunden zugeschnitten werden, die Preise des Launch Edition Coupés starten ab 81.250 Pfund, das wären aktuell 94.910 Euro vor Steuern.

Was bedeutet das?

Bravo! So etwas als kompakter, kleiner Einstiegsporsche weitergedacht, würde sicher viele Kunden finden, doch mittlerweile hat sich die Autoindustrie mit ihrer fortwährenden „schneller, weiter, größer"-Philosophie soweit von vernünftigen, aber trotzdem Spaß bringenden Urmodellen entfernt, dass diese Nische von (leider teuren) Kleinserienspezialisten nachbesetzt werden muss. Ein ebenso kompakter und „schwacher“, aber spaßiger Elektroporsche für unter 50.000 Euro – wäre nett, brächte in unserer verpanzerten SUV-Welt aber wahrscheinlich nicht mehr die nötigen Stückzahlen. Schade eigentlich …

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