Wasserstoffstrategie: Nur gut, wenn grün

Europas Wissenschaftsakademien halten zwar die Zeit reif für "grünen Wasserstoff". Aber für einen Erfolg müssen die Subventionen in fossile Energien beendet werden. Und: Der aufwändig zu produzierende Stoff taugt nicht für den Einsatz in Pkw. Hier ist batterieelektrisch besser.

Langfristig ein Diesel-Ersatz: In schweren Nutzfahrzeugen auf Fernstrecken ergibt der Einsatz von Wasserstoff Sinn, anders als bei Pkw. Daimler hat sich daher ganz dem Fuel-Cell-Antrieb in Nfz verschrieben und will bis in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts marktreif sein. | Foto: Daimler
Langfristig ein Diesel-Ersatz: In schweren Nutzfahrzeugen auf Fernstrecken ergibt der Einsatz von Wasserstoff Sinn, anders als bei Pkw. Daimler hat sich daher ganz dem Fuel-Cell-Antrieb in Nfz verschrieben und will bis in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts marktreif sein. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Die europäischen Wissenschaftsakademien mit ihrem Beratungsgremium "European Advisory Council" (ESAC) haben die Bedingungen für den Markthochlauf von "grünem Wasserstoff" untersucht und halten die Zeit reif für den Einstieg in die Technologie. Allerdings müssten für einen Erfolg des alternativen Kraftstoffs die Subventionierungen fossiler Energieträger beendet werden, um Wasserstoff zum Durchbruch zu verhelfen.

"Es ist besonders wichtig, die Subventionen, Abgaben und anderen Anreize zu beseitigen, die noch immer die Energiemärkte verzerren", konstatieren die Autoren in einer Stellungnahme.

Das sende die falschen Signale, mahnt der ESAC-Direktor des Energieprogramms William Gillet. Wenn die EU klimaneutral werden wolle, müsse sie auf dem Feld des "grünen Wasserstoffs" eine Führungsrolle übernehmen, insbesondere auch bei der Produktion und Industrialisierung von Elektrolyseuren, die für den Prozess notwendig sind.  Das bedinge allerdings auch einen deutlich höheren CO2-Preis, mit dem die fossilen Energien teurer, die regenerativen dafür wettbewerbsfähiger würden.

Einschränkend warnen die Autoren allerdings, grüner Wasserstoff sei nicht die Universallösung. Die Herstellung sei "inhärent ineffizient", weil doppelt Energie umgewandelt werden müsse. Speziell bei Automobilen muss der Strom in Wasserstoff umgewandelt und mittels Brennstoffzelle dann wieder in Strom. Bei E-Auto könnte dagegen die Energie direkt in den Akkus gespeichert und verstromt werden. Die sogenannten E-Fuels würden mehr Ressourcen beanspruchen und höhere Kosten verursachen, als wenn man die erzeugte erneuerbare Energie direkt nutze.

Den generellen Pfad halten die Autoren aber für richtig. Es gelte nun, Investoren Planungssicherheit zu verschaffen, aber auch einen sicheren Zugang zu grünem Wasserstoff außerhalb Europas zu erschließen.

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