Wasserstoff-Lkw: BMW, Deutz, DHL, Keyou, Volvo und Total mit Förderung

Nachhaltiges Verkehrsprojekt mit Langstreckenpotenzial: Verkehrsministerium bewilligt Förderantrag für das von der BMW Group geleitete, konsortiale Forschungsprojekt HyCET (Hydrogen Combustion Engine Trucks). Geplant sind zunächst zwei 18- sowie 40-Tonner und die nötige Infrastruktur.

Vollgas Richtung Wasserstoff: Das Konsortium rund um BMW hat einiges vor. (Bild: BMW Group)
Vollgas Richtung Wasserstoff: Das Konsortium rund um BMW hat einiges vor. (Bild: BMW Group)
Johannes Reichel
von Nadine Bradl

Das Forschungsprojekt zielt laut BMW-Pressemitteilung darauf, das Nachhaltigkeitspotenzial von Lkw mit Wasserstoffverbrennungsmotor in der Transportlogistik aufzuzeigen. Im Kontext von HyCET geht es neben der Technologieentwicklung auch um die erforderliche Infrastruktur wie öffentlich zugängliche Wasserstofftankstellen. Grundsätzlich stellt Wasserstoff aufgrund kurzer Betankungszeiten, hoher Nutzlast und Einsatzflexibilität sowie attraktiver Reichweiten einen vielversprechenden Energieträger in der Transportlogistik dar, teilt BMW mit. Der Einsatz von grünem Wasserstoff, welcher auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wird, ermögliche somit eine zukünftig CO2-freie Langstreckenlogistik. Durch die geringen Emissionen, welche durch das Verbrennen von Wasserstoff entstehen, gelten die Lkw gemäß EU-Verordnung zudem als Zero-Emission Fahrzeuge.

Knapp 20 Millionen Euro Investition

Dem Forschungsprojekt HyCET (Hydrogen Combustion Engine Trucks) wird ein Investitionsvolumen von 19,5 Millionen Euro zur Verfügung stehen, davon werden 11,3 Millionen Euro Fördermittel des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) bereitgestellt. Zusätzlich wurden vom BMDV im Zuge des HyCET-Projektes Fördermittel in Höhe von 5,7 Millionen Euro für die Errichtung zweier öffentlicher Wasserstofftankstellen schwerpunktmäßig für den Schwerlastverkehr zur Verfügung gestellt.

Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr: „Die Wasserstoff-Technologie bietet uns die Möglichkeit, Mobilität neu zu denken. Insbesondere die vielfältigen Anforderungen der Transportlogistik verlangen nach passenden Lösungsansätzen. Wasserstoff als Energiespeicher in Ergänzung zur batterieelektrischen Mobilität ist hierbei eine gute Lösung, um den Verkehr klimafreundlich aufzustellen. Durch das von uns geförderte Projekt HyCET wird eine Technologiebewertung des Wasserstoffverbrennungsmotors im schweren Güterverkehr vorgenommen. Die gewonnenen Ergebnisse im Praxisbetrieb tragen damit zum Technologiewettbewerb alternativer Antriebe in der Logistik bei.“

18- und 40-Tonner in der Entwicklung
Für die Projektlaufzeit von vier Jahren hat sich das Netzwerk ambitionierte Ziele gesetzt. Zwei 18-Tonnen Lkw und zwei 40-Tonnen LKW mit Wasserstoffverbrennungsmotor sollen entwickelt und im Regelverkehr der BMW Group- und Deutz-Logistik getestet werden. Für den täglichen Betrieb dieser Lkw werden in Leipzig und Nürnberg zwei neue Wasserstofftankstellen u.a. für schwere Nutzfahrzeuge gebaut.

Somit werden nicht nur die Entwicklung und der Einsatz von Wasserstoff-LKW weiter erforscht, sondern auch die Betankungsstandards für Nutzfahrzeuge sowie die Umsetzung der benötigten Infrastruktur vorangetrieben. Da es sich hierbei um eines der ersten Forschungsvorhaben handelt, bei dem Fahrzeuge dieser Klasse im Logistik-Regelverkehr fahren, werden die LKW einer umfassenden Technologiebewertung unterzogen.

Das Konsortium

BMW

In dem Konsortialprojekt werden Expertisen aus verschiedenen Bereichen gebündelt. Die BMW Group definiert als Endanwender Anforderungen für einen späteren Serieneinsatz der wasserstoffbetriebenen Lkw in ihrer Transportlogistik. Als Konsortialführer sorgt das Unternehmen außerdem für die Rahmenbedingungen einer erfolgreichen Projektumsetzung und übernimmt die Steuerung des Piloteinsatzes eines 18-Tonnen LKW im BMW Group Werk Leipzig sowie die Koordination der Technologiebewertung, um die Vor- und Nachteile des Wasserstoffverbrennungsmotors mit anderen innovativen Antriebskonzepten für Lkw zu vergleichen.

Dazu erklärt Michael Nikolaides, Leiter BMW Group Produktionsnetzwerk und Logistik: „Die BMW Group bestätigt durch die Konsortialführung des Projekts nicht nur Pioniergeist, sondern auch das Verständnis, Nachhaltigkeit über alle Unternehmensbereiche hinweg zu denken. Hierzu gehört, in der Transportlogistik frühzeitig Technologien zu erproben und Produkte sowie Infrastruktur an neue Anforderungen anzupassen.“

Deutz

Motorenbauer Deutz hat einen 7,8 Liter-Wasserstoffmotor entwickelt. Die erste Anwendung läuft bereits erfolgreich im Pilotbetrieb in einem stationären Generator. Im Rahmen des HyCET-Projekts soll dieser Motor in einen 18-Tonnen Lkw eingebaut werden, um die Praxistauglichkeit in einer mobilen Anwendung unter Beweis zu stellen.

Keyou

Die Keyou GmbH entwickelt Wasserstofftechnologien, spezifische H2-Komponenten und Brennverfahren, mit deren Hilfe konventionelle Motoren kosteneffizient zu emissionsfreien Wasserstoffmotoren transformiert werden können.

Volvo

Gemeinsam mit der Volvo Group entwickelt Keyou im HyCET-Projekt einen 13 Liter Wasserstoffmotor. Volvo integriert den Motor und die Wasserstofftanks auf zwei 40-Tonnen Volvo Lkw, die in der Transportlogistik der BMW Group durch DHL Freight zum Einsatz kommen.

DHL

Als Anbieter für Straßentransporte wird DHL Freight seine Erfahrungen im Straßengüterverkehr sowie Anforderungen aus Anwendersicht in das Projekt einbringen. Zudem wird das Unternehmen als Transportpartner der BMW Group die ersten entwickelten Fahrzeuge im Praxistest für Pendelverkehre für die Versorgung des BMW Group Werks Leipzig einsetzen.

Total Energies

Das Energieunternehmen Total Energies will bis 2030 bis zu 150 Wasserstofftankstellen direkt oder indirekt in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich betreiben. Die beiden neuen Wasserstofftankstellen, die im Rahmen des HyCET-Konsortiums in Leipzig und im Raum Nürnberg an der A9 gebaut werden sollen, werden integraler Bestandteil dieses europäischen Wasserstoffnetzes für den Fernverkehr sein.

Printer Friendly, PDF & Email