Meinungsbeitrag

Warum man endlich aufhören sollte, in Tankstellen zu denken

Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice Technology, sinniert über die Gründe, warum alle permanent superschnellladen wollen, auch wenn es gar nicht nötig ist. (Außer an Fernverkehrsachsen natürlich, da hat die Hast ihre Berechtigung.)

Der Gründer und CEO von Juice Technology, Christoph Erni macht sich immer wieder Gedanken - nicht nur zur E-Mobilität, sondern auch zu den Themen, die dahinterstehen - wie zum Beispiel der Tatsache, dass Menschen Gewohnheiten ungern aufgeben. | Foto: Juice Technology
Der Gründer und CEO von Juice Technology, Christoph Erni macht sich immer wieder Gedanken - nicht nur zur E-Mobilität, sondern auch zu den Themen, die dahinterstehen - wie zum Beispiel der Tatsache, dass Menschen Gewohnheiten ungern aufgeben. | Foto: Juice Technology
Redaktion (allg.)

Es reicht nicht, nur keine neuen Ideen zu haben. Man muss auch noch unfähig sein, sie umzusetzen. Soll Schriftsteller Karl Kraus mal gesagt haben. Und obwohl er bald hundert Jahre tot ist, trifft sein Aphorismus beim Ladethema für E-Autos einmal mehr den Nagel auf den Kopf.

Seit dem Aufkommen der Explosionsmotoren war es immer mühsam und eklig, an den brandgefährlichen Treibstoff zu kommen. Bis heute muss man dafür an einen möglichst unwirtlichen, zugigen Ort fahren, und unter einem viel zu hohen Dach bei waagrechtem Gewitterregen dann über fünf Minuten lang eine stinkende, leicht schmierige Zapfpistole ins Auto halten. Manchmal hat man Glück und der Endfühler funktioniert. Sonst schwappt halt noch ein bisschen was auf die Hose und man versteht, warum das Parfum Diesel so heißt.

Klar, so was will man schnell hinter sich bringen. Deshalb wohl stellen sich die meisten Nicht-E-Fahrer ja vor, sie müssten dann dereinst möglichst brutal-extrem-schnell laden können.

Wandel bedeutet Veränderung und Veränderung bedeutet Risiko - und das scheuen viele 

Wenn Menschen etwas nicht gut können, dann ist es Wandel. Wandel bedeutet Veränderung, Veränderung ist Risiko. Dann doch lieber bei alten Gewohnheiten und festgefahrenen antrainierten Verhaltensweisen bleiben, als etwas neu zu denken. Ironischerweise aber bewundern wir ja die mutigen Entdecker, die Erfinder und Managementbücher wie «Who Moved My Cheese». Veränderer sind die Helden unserer Gedanken. Aber selbst leben wir unseren Alltag wie dressierte Hunde.

Deshalb, für alle E-Novizen, E-Auto laden geht so: Fünf Sekunden einstecken, dann normal arbeiten oder Freizeit genießen, fünf Sekunden ausstecken, abfahren. Für 95 Prozent der Ladevorgänge reichen normale 22- oder 11-kW-Ladestationen völlig aus. Ziel muss einfach werden, dass man immer und überall einstöpseln kann, wo man länger parkt.

Für Arbeitgeber, Städte, Einkaufszentren, Vergnügungsparks, Parkhäuser, Wohnüberbauungen heißt das: Jetzt intelligente Ladestationen einbauen, die mit der Entwicklung Schritt halten und vom Energieversorger ferngesteuert können. Denn bald schon wird über variable Strompreise finanziell belohnt werden, wer auf seinem Areal ein paar Megawattstunden Akku-Kapazität in Form von vielen eingesteckten E-Autos zur Verfügung hält, damit Netzüberschuss dahin weggespeichert werden kann.

 

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