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Warum AfD-Anhänger E-Autos hassen und Elon Musk lieben

Bei Alternativen Antrieben hört der Spaß für die sogenannte "Alternative für Deutschland" auf. E-Autos gelten ihr als linksgrünes Projekt. Elon Musk finden trotzdem viele toll, erklärt Soziologe David Meiering. Und sieht in der Verbrennerfixierung Parallelen zur FDP.

Hassliebe: Von vielen AfD-Anhängern wird der Visionär und Verschwörungsschwurbler Elon Musk verehrt, vor Ort gilt seine Giga-Factory den AfD-Verantwortlichen allerdings als okroyiertes Elitenprojekt. | Foto: ZDF/Screenshot
Hassliebe: Von vielen AfD-Anhängern wird der Visionär und Verschwörungsschwurbler Elon Musk verehrt, vor Ort gilt seine Giga-Factory den AfD-Verantwortlichen allerdings als okroyiertes Elitenprojekt. | Foto: ZDF/Screenshot
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Johannes Reichel

Zu den zahlreichen Widersprüchen, die die sogenannte "Alternative für Deutschland" duldet, zählt auch die Ablehnung der Elektromobilität. Der Spiegel hat im Gespräch mit dem Soziologen David Meiering, der zum Weltbild radikaler Gruppen forscht und zahlreiche AfD-Politiker in Ostdeutschland befragt hat, nach Gründen dafür gesucht. Aus Sicht des Soziologen lehnen viele AfD-Anhänger alternative Antriebe wie E-Fahrzeuge ab, weil diese als linksgrünes Projekt gelten, das bekämpft werden müsse. Ähnlich wie AfD-Anhänger den Klimawandel leugnen, bezweifeln sie auch, dass E-Autos generell deutlich effizienter sind.

"Die Leute lassen sich nicht von Fakten leiten, sondern von diesem Gefühl. Warum soll ich jetzt etwas ändern, warum wird mir hier schon wieder etwas aufgezwungen, das ich gar nicht will", erklärte Meiering gegenüber dem Spiegel.

Die Anhänger der rechtsextremen Partei stören sich offenbar auch kaum am Widerspruch, dass durch die E-Mobilität in Ostdeutschland viele Arbeitsplätze entstehen und Tesla eine Giga-Factory in Brandenburg betreibt, die weiter ausgebaut werden soll. Der Soziologe erklärt auch das damit, dass es zwar eine Mehrheit für die Energie- und Mobilitätswende gebe, aber in der AfD-Erzählung mit der Tesla-Fabrik ein Projekt von oben aufoktroyiert worden ist.

Musk wird von vielen verehrt - und empfiehlt die AfD

Andererseits kommen viele AfD-Wähler mit dem Widerspruch problemlos klar, dass sie den ins rechte Verschwörungsmilieu abgerutschte, einstige Visionär und Tesla-Gründer Elon Musk verehren, der auch schon indirekt zur Wahl der AfD aufgerufen hat. So habe ihn die rechtsextreme Fraktion im EU-Parlament für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit vorgeschlagen. Für den Soziologen ist auch hier die leitende Erzählung entscheidend, dass sich da jemand über den Staat stelle und als "Sprachrohr des Volkes" gebe.

Vor Ort ist Tesla dann doch wieder ein "Projekt der Eliten"

Lokal hingegen würde Musk dann doch wieder abgelehnt, als Teil einer Elite aus Politik und globalen Unternehmen, die Gewinne auf Kosten der einheimischen Bevölkerung erwirtschafte. Strategie der AfD hier ist dann eher, die "Menschen gegen den Staat auszuspielen". Die Erzählung sei, dass bei der E-Mobilität keine Vorschriften gelten würden, Genehmigungen schnell erteilt würden. Schuld am Wassermangel in der Region ist dann auch Tesla - und nicht der Klimawandel. Tesla werde dann verantwortlich dafür gemacht, dass die Leute ihren Pool nicht mehr füllen, oder Garten nicht mehr wässern dürften, weil E-Autos gebaut werden.

"Das ist ein Beispiel, wie die Partei vom Klimawandel ablenkt und gegen staatlich geförderte Großprojekte agitiert", analysiert Meiering.

Angeblich teure Tesla-Modelle würden dann der AfD-Erzählung gemäß nur von verhassten Eliten gefahren. Darüber hinaus hätten viele AfD-Anhänger das Gefühl, sich mit E-Autos einschränken zu müssen. Und die "Freiheit des Einzelnen" habe nun einmal zentrale Bedeutung in der Partei, die sich darin erstaunlich einig mit der FDP sei, konstatiert der Soziologe. Das gelte auch für das Thema Tempolimit.

"Jeder weiß, dass ein Tempolimit für weniger Verkehrstote sorgen würde und für die Einhaltung der Klimaziele gut wäre. Trotzdem gilt: Freie Fahrt für freie Bürger", stellt der Soziologe fest.

Aus Meierings Sicht dürfe man nicht unterschätzen, wie stark konservative Bevölkerungsteile an ihren Verbrennern hingen. Man sei die immer schon gefahren und wolle sich von niemandem etwas vorschreiben lassen. Der Klimawandel sei nicht menschengemacht und insofern könne man auch nichts dagegen tun, lautet ein gängiges Narrativ.

Technologieoffenheit als Ablenkungsmanöver

In Sachen Verkehrswende weiche die AfD in ähnlicher Art aus wie die FDP, plädiere für "Technologieoffenheit" als Übergang und für E-Fuels als vermeintliche Möglichkeit, weiter Verbrenner zu fahren. So gebe es in der AfD lediglich ein paar Ausnahmefälle von E-Auto-Fahrern, die auch aus Kostengründen umgestiegen seien. Sie würden aber als schräge Einzelgänger angesehen, die man mit Argwohn betrachtet, berichtet der Soziologe. 

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