VW will Ladetechnik mit E.ON vorantreiben

Auf der Energy-World in Essen präsentierten E.ON und VW den Prototypen einer neuen, flexiblen Ultra-Schnellladestation.

Mutige Ansage: Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group Components Thomas Schmall mit E.ON-Vorstandsmitglied Karsten Wildberger.| Foto: VW
Mutige Ansage: Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group Components Thomas Schmall mit E.ON-Vorstandsmitglied Karsten Wildberger.| Foto: VW
Gregor Soller

Bereits 2019 kommunizierte VW seinen Ansatz einer mobilen Schnellladestation mit Batteriespeicher. Durch diese Kombination sollten ultraschnelle Ladesäulen ohne Tiefbau oder Netzanschluss fast überall und vor allem günstig installierbar sein. Damals ließ man noch offen, wer dieses Konzept konkret wie umsetzen wird, aber in Essen erklärte VW, dass die Konzernsparte „Komponente“ die Serienproduktion übernehmen könnte, womit VW zum Ladetechnikhersteller würde!

Trotzdem vermarktet und testet VW das Produkt nicht im Alleingang: Laut VW soll Energieexperte E.ON soll die neuen Ladesäulen in der zweiten Jahreshälfte an sechs Autobahntankstellen „intensiv testen und anschließend unter dem Namen E.ON Drive Booster einführen – zuerst im deutschen Markt“. Zwei E-Autos können pro Station parallel mit bis zu 150 kW laden. Dafür soll der in der Ladesäule installierte Akku sorgen, der dauerhaft von einem herkömmlichen Stromanschluss mit 16 bis 63 Ampere gespeist wird. Laut E.ON soll dafür nur grüner Strom genutzt werden. Spätere Updates, die Fernwartung und die Abrechnung der Schnelllader sollen über die zentrale Software-Plattform von E.ON erfolgen.

Durch die einfache Konstruktion erhoffen sich die Partner auch neue Aufstellorte – im Idealfall dort, wo man jetzt noch zögert. Neben den üblichen Orten an den Autobahn-Raststätten und Tankstellen  soll das auch in Kommunen sein. Durch die vergleichsweise einfache Installation erwartet man deshalb auch großes Interesse von Stadtwerken und Gemeinden. Außerdem sei das Angebot auf die Elektrifizierung von Einzelhandels-Parkplätzen und auf Logistikdienstleister zugeschnitten. Das Geschäftsmodell haben E.ON und Volkswagen gemeinsam entwickelt.

Aktuell laufen in Wolfsburg erste Tests mit der konzerneigenen Schnellladesäule: In den vergangenen Wochen wurden neun Stationen in der Stadt aufgestellt, die kostenlos über einen Zeitraum von 80 Wochen von E-Auto-Fahrern genutzt werden können. Drei weitere Schnelllader will VW darüber hinaus flexibel bei Großveranstaltungen einsetzen, was eine hochinteressante Variante ist: „Schnelladen as a service“ sozusagen. Allerdings leisten diese Säulen nur 100 kW.

Das Thema nimmt aktuell an Fahrt auf: Auch die Tankstellenriesen Aral, Shell und Total rüsten ihre Stationen verstärkt mit Schnellladern aus. Außerdem erhält E.ON Konkurrenz aus dem eigenen Haus, respektive der E.ON-Abspaltung Uniper. Die Düsseldorfer gaben jüngst bekannt, bis Ende 2024 in Deutschland ebenfalls mehr als 1.300 mobile Schnellladesäulen als „Infrastructure-as-a-Service“-Angebot installieren zu wollen.

Was bedeutet das?

2020 erfährt das Schnellladen einen Boost: Zahlreiche Anbieter erhöhen Angebot und Dichte und der VW-Konzern möchte über die Tochter „Komponente“ gar selbst Hersteller werden. Mit Schnellladesäulen, die sich dank internem Akku einfach installieren und online konfigurieren lassen. Eine gute Idee – aber man muss sehen, ob VW den Atem hat, hier dranzubleiben, denn das Energie- und Ladetechnikgeschäft bietet wenig Synergien mit dem Pkw-Bau. Aber VW hat ja auch schon mal eine eigene Roboterstraße entwickelt und zum Bau des T4 in Hannover installiert, bevor man wieder bei Kuka und Co. einkaufte.  

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