VW verkauft im ersten Halbjahr 27 Prozent mehr BEVs – Sorgenkind bleibt Cariad

Der Volkswagen-Konzern präsentiert die neuesten Zahlen. Besonders bei den Stromern legten die Wolfsburger zu. In Westeuropa verzeichnete VW eine um 40 Prozent höheren Auftragseingang bei den E-Autos. Software Abteilung Cariad macht angeblich Fortschritte.

Mit der E-Limousine ID Aero wird VW den Absatz der BEV weiter ausbauen.| Foto: Volkswagen
Mit der E-Limousine ID Aero wird VW den Absatz der BEV weiter ausbauen.| Foto: Volkswagen
Thomas Kanzler

Das robuste operative Ergebnis des Volkswagen Konzerns im ersten Halbjahr ermöglichte laut VW wichtige Investitionen in zukünftige Ertragsquellen und neue Plattformen. Mit 132,3 Milliarden Euro stieg der Umsatz um 2 Prozent. Durch verbesserte Kosteneffizienz und Vertriebssteuerung wurde eine Rendite von 5,6 Prozent erzielt (Vorjahresquartal: 3,4 Prozent).

Stromer stark nachgefragt

Die Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen hat sich in Quartal 2 weiter beschleunigt. In Westeuropa lag der Auftragseingang des Konzerns im ersten Halbjahr 2022 40 Prozent über dem Vorjahresniveau. Trotz Lieferengpässen, vorübergehenden Produktionsstopps in Europa und Covid-bedingten Lockdowns in China lagen die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge im zweiten Quartal bei 118.000 Einheiten, was einem Anteil von 6 Prozent der Gesamtauslieferungen entspricht. Im ersten Halbjahr stiegen die BEV-Auslieferungen um 27 Prozent auf 217.000 Fahrzeuge.

„Trotz beispielloser globaler Herausforderungen hat Volkswagen beachtliche finanzielle Robustheit bewiesen. Dabei spiegelt die operative Marge im ersten Halbjahr die starke Produktsubstanz und anteilig höhere Absätze im Premiumbereich wider. Zudem hat die Volumengruppe bewiesen, dass sie auch in einem herausfordernden Umfeld gute Ergebnisse erzielen kann,“ sagte CFO Arno Antlitz anlässlich der Vorlage der Quartalszahlen.

VW zeigt sich widerstandsfähig

Trotz des schwierigen global-wirtschaftlichen Umfelds und Lieferkettenproblemen beweise der Konzern im zweiten Quartal wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit. Die Umsatzerlöse für das zweite Quartal beliefen sich auf 69,5 Milliarden Euro (ein Anstieg von 3,3 Prozent gegenüber 2021). Das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen lag in Q2 bei 4,7 Milliarden Euro, enthielt gegenüber Q1 negative Bewertungseffekte hauptsächlich aus Rohstoffsicherungsgeschäften.

Chinesischer Markt erholt sich

Eine spürbare Erholung der monatlichen Produktion in China gegen Ende des zweiten Quartals verschafft dem Konzern auf diesem Markt für den Rest des Jahres angesichts nachlassender Corona-Einschränkungen eine gute Ausgangsposition. Die Region ist der zweitgrößte BEV-Markt für den Konzern und ist mit 63.500 ausgelieferten BEV im ersten Halbjahr 2022 (gegenüber 2021 ein Anstieg um mehr als das Dreifache) der größte Wachstumstreiber bei den BEV-Auslieferungen.

Der Konzern investierte weiterhin gezielt in die zukünftige BEV-Technologie und Software. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen in Q2 auf 4,9 Milliarden Euro und beschleunigten damit die Entwicklung von Volkswagen zu einem softwarebasierten Mobilitätsanbieter.

„Das gute operative Ergebnis und die finanzielle Position des Konzerns ermöglichen wichtige Investitionen in künftige Ertragsquellen,“ erklärte Antlitz. „Auch im zweiten Quartal hat Volkswagen wichtige strategische Fortschritte gemacht und die Entwicklung seiner Plattformen Batterie, Mobilitätsdienste und Software entscheidend vorangebracht.“

Europcar-Übernahme

In der Übernahme von Europcar sieht VW einen bedeutenden strategischen Schritt, mit dem das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen ausbaut und ein Wachstumsmarkt mit einer zu erwartenden stark steigenden Nachfrage erschlossen werden soll. Volkswagen wird damit in der Lage versetzt, all seinen Kunden über die Infrastruktur von Europcar Zugang zu Mobilität an wichtigen Knotenpunkten wie Flughäfen, Bahnhöfen und Stadtzentren zu geben und von dort die Mobilitätsdienste weiter auszubauen. Volkswagen plant, seinen Kunden all ihre Mobilitätsbedürfnisse über eine einzige App anzubieten, einschließlich Ride Hailing, Ride Pooling, Car Sharing, Vermietung und Fahrzeugabonnements.

Cariad: Fortschritt

Cariad hat laut Volkswagen im zweiten Quartal deutliche Fortschritte erzielt, seine Kompetenzen im Bereich des automatisierten Fahrens ausgebaut und seinen Kunden leistungsstarke Updates geliefert. Nun sollen ein deutlich verbessertes Automationslevel und neue Funktionalitäten wie der automatischen Spurwechsel mit Travel Assist, automatisiertes Einparken und Plug & Charge integriert sein. Cariad hat außerdem mehrere Partnerschaften mit Halbleiter-Anbietern geschlossen, um sich leistungsstarke Hardware für die Softwareplattform des Konzerns zu sichern und die nächste Fahrzeuggeneration noch zukunftssicherer zu machen.

… oder Fiasko?

Beim Rücktritt des Volkswagen-Chefs Herbert Diess soll das Chaos um die Volkswagen-Tochter Cariad das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Laut dem Nachrichtenportal Bloomberg wird Diess für schwerwiegende Entwicklungsverzögerungen bei der Software-Division des Konzerns verantwortlich gemacht. Dadurch wären nicht nur die geplanten Marktstarts bei Porsche, Audi und Bentley blockiert, die Softwareprobleme hätten auch für erhebliche Verzögerungen beim Start der VW ID Modelle gesorgt. Zudem müssten die VW-Kunden für Updates nach wie vor zu den Händlern, Over-the-Air Updates seien immer noch nicht problemlos möglich.

Was bedeutet das?

Der Volkswagen Konzern hat seinen Ausblick für 2022 aufgrund der sich entspannenden Versorgungslage und des guten ersten Halbjahrs bestätigt. Die Versorgung mit Kabelbäumen wurde erfolgreich gemanagt und ist wieder weitgehend auf einem normalen Niveau. Trotzdem gibt es noch genug Baustellen. Gerade bei der Software wird der Konzern von den asiatischen Herstellern mitunter noch müde belächelt.

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