VW Software-Sparte: Stärkung für Bochum - Abschied für Senger

Die abrupte Ablösung des Software-Chefs begleitet die Ankündigung der Infotainment-Tochter, in Bochum ein Entwicklungszentrum zu bauen. Audi-Chef Duesmann will wohl Durchgriff.

Software statt Hardware (v.l.n.r.) in Bochum: Frank Rösler, Chief Financial Officer der Car.Software-Organisation im VW-Konzern, Bernhard Krausse, Sprecher der Geschäftsführung der VW Infotainment, Tobias Nadjib, Geschäftsführer der Infotainment GmbH, Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister von Bochum. | Foto: VW
Software statt Hardware (v.l.n.r.) in Bochum: Frank Rösler, Chief Financial Officer der Car.Software-Organisation im VW-Konzern, Bernhard Krausse, Sprecher der Geschäftsführung der VW Infotainment, Tobias Nadjib, Geschäftsführer der Infotainment GmbH, Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister von Bochum. | Foto: VW
Johannes Reichel

Die Volkswagen Infotainment GmbH hat den Bau eines neuen Entwicklungszentrum auf dem Bochumer Technologiecampus Mark 51°7 angekündigt. Die auf Softwareentwicklung und Fahrzeug-Konnektivität spezialisierte Tochtergesellschaft der Volkswagen AG will dort ihre Fachkräfte zentral zusammenführen, wie man mitteilte. Mit dem Neubau sollen auch Voraussetzungen für weiteres personelles Wachstum am Standort Bochum geschaffen werden, heißt es weiter. Der Baubeginn soll bereits im Herbst 2020 erfolgen.

Die VW-Tochter entwickelt Softwarelösungen und digitale Komponenten für Automobile aus dem Volkswagen Konzern, vor allem für Modelle von Volkswagen Pkw. Hierzu gehört eine "hochintegrierte" Modem-Einheit (Online Connectivity Unit, OCU), die das Auto mit dem Internet verbindet und verschiedene Dienste wie Wetterkarten, optimierte Verkehrsführung und eine Fernsteuerung bestimmter Fahr­zeug­funktionen per Smartphone-App ermöglicht. Derzeit betreibt die VW Infotainment GmbH noch drei Standorte im Bochumer Stadtgebiet mit insgesamt rund 700 Beschäftigten, unter anderem auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum.

"Autonomer fahren": Mehr Software aus eigener Hand

Ziel sei es, deutlich mehr Software und digitale Produkte im Auto selbst zu entwickeln, so die Ansage. Ein wichtiges Projekt stellt ein eigenes Fahrzeug-Betriebssystem, das sogenannte „VW.OS“ für alle künftigen Modellgenerationen aus dem Konzern dar. Auch die Volkswagen Infotainment werde ihre Expertise in die Car.Software-Organisation mit einbringen.

„Wir werden unsere Software-Kompetenzen massiv stärken. Der Schlüssel ist unsere Car.Software-Organisation, die eine einheitliche und leistungsstarke Software-Plattform für alle Konzernmarken und Märkte entwickelt. Damit wollen wir technologische Spitze mit der Skalierung eines globalen Automobilkonzerns verbinden", kündigte Frank Rösler, Chief Financial Officer der Car.Software-Organisation im Konzern, an.

Nicht vor Ort dabei war dagegen der eigentliche Car.Software.Org-CEO und frühere BMW-Manager Christian Senger. Über dessen Ablösung als Leiter der gerade erst gegründeten Einheit wurde jüngst im Handelsblatt spekuliert, jetzt hat der Konzern die Spitzenpersonalie bestätigt. Die Zeitung berichtet über internen Streit zwischen Senger und "einigen Fraktionen". Zudem hätten die Software-Probleme bei Golf VIII und VW ID.3 für Unstimmigkeiten gesorgt, die man aber kaum den erst später dazugestoßenen, fachlich untadeligen Ex-BMW-Mann zurechnen konnte. Außerdem dürfte eine die erstarkte Position von Audi im Konzern eine Rolle spielen, dessen neuer Chef Markus Duesmann auch die konzernweite Entwicklung verantwortet, inklusive der Sparte Car.Software.Org. Auf diese Schlüsselorganisation habe er wohl direkten Durchgriff gewollt, ohne eine CEO Senger dazwischen, wie die Süddeutsche Zeitung spekuliert. Alle drei Manager, Diess, Senger und Duesmann kennen sich aus früheren Zeiten von BMW.

Diess greift durch und besetzt Spitzenposten neu

Senger ist nach den Lkw-Chefs Andreas Renschler, Thomas Sedran sowie zuletzt auch dem offenbar zu erfolgreichen Skoda-Chef Bernhard Maier der jüngste Abgang eines Spitzenmanagers im VW-Konzern. Maier wiederum scheint zum Verhängnis geworden zu sein, dass er die tschechische Marke zu nah an die VW-Kern-Marke herangerückt hat: Die Produkte waren technologisch auf Augenhöhe, im Design eleganter und dafür preiswerter. Jetzt soll Skoda wohl wieder mehr eine "Budget-Marke" werden. Ob das gelingt, ist höchst zweifelhaft. Denn die tschechischen Automobile verkaufen sich gerade deshalb so gut, weil sie hohe Qualität und Anspruch bieten, ohne überteuert zu sein.

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