VW plant Kompakt-Stromer - mit Seat

Im VW-Konzern kommuniziert man derzeit auf mehreren Kanälen. Wenn man die Linked-in-Aussagen und Tweets von Herbert Diess mit der Jahrespressekonferenz von Seat respektive Cupra kombiniert, erhält man konkrete Aussagen zu den geplanten ID.1 und ID.2-Modellen

Auf der Jahrespressekonferenz zeigten Seat und Cupra einen neuen Kleinwagen, der elektrisch sein soll. | Foto: Seat
Auf der Jahrespressekonferenz zeigten Seat und Cupra einen neuen Kleinwagen, der elektrisch sein soll. | Foto: Seat
Gregor Soller

Eigentlich hätte Seat eine günstige Plattform unterhalb des MEB entwickeln sollen, die dann vorrangig in Osteuropa produziert worden wäre, um dier ebenfalls von dort stammenden Zwerge um den VW eUp abzulösen. Denn MEB lässt sich nicht beliebig verkleinern und ist für die Klasse unterhalb des VW ID.3 zu teuer. Umso interessanter war die Jahrespressekonferenz von Seat, wo eine Skizze eines neuen Kompaktstromers gezeigt wurde, der sichtlich größer und weniger würfelig baut als der Seat Mii. Der Seat- und Cupra- Chef, Wayne Griffiths bestätigte dabei eine Größe „im Format dem aktuellen Seat Arona“ Ob aus dem Kompakten ein Seat oder Cupra werden wird, blieb dabei offen.

Dazu passen laut „Auto Motor und Sport“ die jüngsten Aussagen von Herbert Diess: Er stellte seinerseits auf der Jahrespressekonferenz 2021 einen Produktionsstart in Spanien in Aussicht, was wiederum zur Entscheidung passen würde, auch das Seat-Werk in Martorell bei Barcelona zum reinen Elektromobilitäts-Standort umzubauen. Ein Verkaufspreis des Basismodells von knapp 20.000 Euro dürfte angesichts der Lohnkosten in Deutschland nicht realisierbar sein, allenfalls noch in Bratislawa oder gleich in China. Denn ID.1 oder 2 sollen unter 20.000 respektive 25.000 Euro brutto starten. Wichtig seien hier auch Fördermittel der spanischen Regierung sowie der Europäischen Kommission.

Die Up-Basis schafft neue Crashnormen nicht mehr

Klar ist: Die alte verbrennerbasierte PQ-Plattform des VW Up und seiner Brüder ist laut Auto Motor und Sport nicht mehr für ab 2023 geltende, neue Crashanforderungen zu ertüchtigen, weshalb VW hier eine Nachfolge braucht, wenn man das Geschäft mit Kleinwagen nicht den Marktbegleitern überlassen will. VW-Chef-Stratege Michael Jost sieht das genauso: Ihm zufolge arbeitet Volkswagen an einem elektrischen Stadtauto, das weniger als 20.000 Euro kosten und über eine maximale Reichweite von 250 Kilometern verfügen soll. Jost sagte der „Automobilwoche“:

„Wir wollen ein solches Fahrzeug 2023/2024 auf den Markt bringen.“

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz 2021 bestätigte VW-Chef Diess diese Pläne, nannte aber einen Start im Jahr 2025. Dahinter steckt laut „Auto Motor und Sport“ eine neue Planung hinter den Kulissen. Denn MEB galt lange als zu teuer und zu komplex für Modelle unterhalb des ID.3: Der Radstand lässt sich nicht beliebig kürzen, da zwischen den Rädern der Akku sitzt. Seat sollte eine neue Plattform entwickeln, doch jetzt hat VW selbst neu gerechnet und scheint eine kürzere Version mit günstigeren Akkus zu planen. Der Radstand ist gegenüber dem ID.3 würde laut „Auto Motor und Sport“ um sieben Zentimeter auf 2,70 Meter gekürzt. Aus noch kürzeren Überhängen könne man weitere 15 Zentimeter herauskürzen, so dass man auf rund 4,06 Meter Gesamtlänge käme, was zur Seat-Skizze passen würde. VW-Chef Diess bestätigte das im Rahmen der Jahres-Pressekonferenz 2021, auf der er die Länge wie folgt angab:

„Knapp unter 4 Meter, beziehungsweise um die 4 Meter."

Damit könnte das Einstiegs-BEV auch den Polo und Seat Ibiza ersetzen. Der Audi A1 wird entfallen und Skoda schiebt jetzt erst den neuen Fabia nach, der wie die ganze Marke vor allem wegen der osteuropäischen Märkte noch länger am Verbrenner festhalten soll. Der Polo könnte so mit einem großen Facelift ab 2024 oder 2025 langsam auslaufen und den Stab an die Stromer übergeben.

Eine neue Zellchemie spart Kosten und ist sicherer

Gespart werden kann dafür an der Zellchemie. So kämen im gleichen Bauraum weniger Module zum Einsatz, so dass die Akkukapazität  38 kWh betrüge. Seitenblick auf Diess` Linked-in-Profil: Dort schrieb der Konzernchef etwas zum Thema Batterie-Recycling und Eisenphosphat-Batterien, die heute schon für zwei Millionen. Autokilometern oder 16 Jahre Lebensdauer gut seien – und dann immer noch rund 80 Prozent Kapazität böten. Diese Zellchemie verwendet auch China verstärkt – auch weil sie günstiger und sicherer ist als Lithiuzm-Ionen Technik. Erst kürzlich verkündete Tesla-Chef Elon Musk die Verwendung einer LiFePO4-Batterie beim Model 3 aus chinesischer Produktion. Damit sollen die Preise für Teslas Einstiegsmodell in China um acht Prozent sinken.

Außerdem wäre das Thema Brandgefährlichkeit vom Tisch: Das thermische Durchbrennen der Litihium-Nickel-Mangan-Kobalt (Li-NMC) kann hier kaum passieren. Selbst wenn die Zellen durchbohrt werden, geraten sie im Gegensatz zu den Li-NMC-Zellen nicht in Brand. Nachteil: Bei gleicher Leistung bauen sie etwas größer, wofür der größere Batteriekasten des MEB trotzdem genug Platz böte – eben mit weniger Kapazität.

Was bedeutet das?

VW überlässt das Segment unter dem ID.3 nicht kampflos der Konkurrenz, sondern scheint jetzt mit MEB weiterzuplanen. Aus dem neuen Kompaktmodell ließe sich wieder eine ganze Familie inklusive SUV erstellen, die vom VW Up bis zum T-Cross alle Modelle ablöst. Parallel dürften auch Seat und Skoda ihre Ableger erhalten.

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