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VW Passat Variant: Als Plug-in mit 100 km E-Reichweite

Er ist immer noch einer der beliebtesten Dienstwagen Deutschlands: In der neunten Generation parkt VW den Passat Variant mit jetzt gut 4,91 Meter Länge in der oberen Mittelklasse.

Vom neuen Passat wird es gleich zwei Plug-ins geben. | Foto: VW
Vom neuen Passat wird es gleich zwei Plug-ins geben. | Foto: VW
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Gregor Soller

Ende August feiert der neue Passat Variant seine offizielle Weltpremiere, VW hat aber vorab schon ein paar Kollegen fahren lassen und erste Details veröffentlicht. Der neue soll klassengemäß mit einem jetzt hoffentlich wirklich intuitiven Anzeige- und Bedienkonzept punkten, einem weiterhin wertigen Interieur, Sitzen auf „Oberklasseniveau“ und einer neuen adaptiven Fahrwerksregelung.

Wichtiger aber für ID.7-Verweigerer: Es gibt weiterhin TSI, eTSI, TDI und Plug-ins, Letztere mit deutlich gestiegenen E-Reichweiten, MQB evo machts möglich. Alle Motoren sollen zumindest relativ gesehen effizienter als beim Vorgänger sein, spanend ist aber der Plug-in, der ähnlich wie der neue Tiguan nochmal einen großen Sprung machte: Auf Basis des 1,5-Liter-TSI-Motors bietet VW den neuen Passat Variant (die Limousine ist seit 2019 eingestellt) in zwei Varianten mit 204 oder 272 PS an, die beide nach WLTP über 100 Kilometer rein elektrisch fahren sollen – real dürften davon selbst im wort case 8Winter, widriges Wetter) rund 70 km übrig bleiben. Das erreicht VW über eine massiv gesteigerte Akkukapazität, die jetzt 26 kWh statt 12 kWh bietet und die Ladegeschwindigkeit beschleunigt: Auf 11 kW AC und 50 kW DC.

Leider wächst auch der Passat massiv

Damit dürfte er merklich schwerer werden als der Vorgänger, zumal er massiv wuchs: Mit dem Umzug auf die (dezent) größere Bodengruppe des Skoda Superb, mit dem er gemeinsam unter der Regie der Tschechen entwickelt wurde, kommen fünf Zentimeter Radstand und ganze 14 14 Zentimeter Länge hinzu. Und man fragt sich wieder einmal, wer nach diesem gigantischen Zuwachs ernsthaft gefragt hat? Denn ein größeres Auto braucht mehr Ressourcen, wiegt mehr und verbraucht mehr Verkehrsfläche…

Fast 700 Liter Kofferraumvolumen

Gut, damit wird auch der Passat zum superben „Tanzsaal“, denn für die Fondpassagiere gibt es mehr Kniefreiheit und der Kofferraum wächst um 40 auf 690 Liter. Klappt man die Rückbank um, stehen hinter der elektrischen Klappe bis zu 1920 Liter zur Verfügung. Da hatten die Ingenieure sicher den Ehrgeiz gehabt, die 700- und 2000-Liter-Marke zu knacken – hat aber nicht ganz sollen sein, ist aber trotzdem üppig. Neben Passat Variant und dem Superb Kombi werden nicht mehr viele Kombis mehr bieten…

Aber auch akustisch strebt man gen obere Mittelklasse: Mit hochwertigen Materialien und effektiver Geräuschdämmung sollen Wertigkeit und der Komfort „auf einem neuen Niveau“ liegen – aber das behauptet VW bei jedem neuen Passat – der trotzdem immer Respektabstand zum Audi A6 Avant hält – halten muss…

Zum neu entwickelten Cockpit kommt ein neues Infotainmentsystem mit 12,9 Zoll-Display. Optional bietet VW auch 15 Zoll an. Unter dem Infotainment-Display befinden sich beim Passat die unvermeidlichen, aber immerhin hinterleuchteten Touch-Slider, über die Innenraumtemperatur und Lautstärke eingestellt werden. Darüber hinaus wird VW optional ein neues Head-up-Display anbieten, das die Informationen in die Windschutzscheibe projiziert. Das Multifunktions-Lenkrad bekommt wieder Knöpfe. Und durch den Verzicht auf die Handschaltung konnte er Getriebewählhebel nach oben zu den Lenkstockhebeln wandern. Was für mehr Ablagen und eine große Ladeschale fürs Handy im Mitteltunnel sorgt.

Das Fahrwerk: Deutlich dynamischer

Auch beim Fahrwerk hat VW nachgebessert, obwohl schon er aktuelle Passat hier wenig Anlass zur Klage gab: Eine erhöhte Sturzsteifigkeit und ein höheres Seitenkraftlenken der Vierlenker-Hinterachse sollen den Variant noch straffer liegen lassen, dazu kommt eine neue Abstimmung der elektromechanischen Lenkung, modifizierte Stabis und Dämpfer und dazu neue Räder. Die direktere Lenkübersetzung und der verlängerte Radstand sollen die Fahreigenschaften ruhiger und trotzdem dynamischer machen. Weshalb auch ein Fahrdynamikmanager zur Serienausstattung addiert wurde: Damit sollen über radindividuelle Bremseingriffe und eine radselektive Veränderung der Dämpferhärten die Handling-Eigenschaften neutraler, stabiler, agiler und präziser werden.

Und trotzdem flüsterleiser reisen: Der Luftwiderstand sank abermals und man verbaut erstmals Dämmglas rundum. Was den Plug-in innen fast unhörbar macht und selbst den Diesel massiv weggeflauscht.

Für Erhellung soll bei den Topausstattungen eine neue Generation der „IQ.LIGHT – LED-Matrixscheinwerfer“ sorgen. Die gegenüber dem Vorgänger nochmals flacher bauenden Hochleistungsscheinwerfer sollen mit einem High-Performance-Fernlicht bis zu 500 Meter Leuchtweite bieten. Dazu kommen durchgängige LED-Querspangen über den Leuchten.

Es kommen nochmal drei TDI-Modelle - auch als 4motion

Alle Verbrenner sind mild hybridisiert, optimiert so teils merklich sparsamer. Und: VW traut sich nochmal drei TDI mit 150 bis 193 PS, auch als Allrad. Daneben gibt es Vierzylinder-Benziner mit 150 bis 265 PS, von der auch als 4Motion kommt. Hauptunterschied zum ID.7 dürfte die Reichweite der TDI bleiben: Hier sind immer noch locker 1000 Kilometer plus x drin.

Und was kostet all das? Nun, die günstigere Fertigung in Bratislava statt Emden, wohin auch die neuen Skoda Superb umziehen und teils gestraffte Varianten gleichen einen Teil der Inflation und der üppigeren Ausstattung wieder aus: wir rechnen mit unter 45.000 Euro brutto, was dienstwagenmäßig umgerechnet rund 37.815 Euro netto wären. Und damit noch im Rahmen für 4,92 Meter Kombi läge…

Was bedeutet das?

Der neue Passat könnte der Letzte sein: Zum 50. Geburtstag der Baureihe beschenkt sich VW mit Generation 9, die entwicklungstechnisch zu Skoda verschoben wurde, wo sie als „Bruder“ des Superb läuft. Die Produktion zieht von Emden nach Bratislava um – womit schon klar wird: Die Zukunft ist eher der ID.7 – der gegen Preis, Platz und Reichweite des Passat Variant aber erstmal anströmen muss. Man kann es aber auch umgekehrt sehen: In Anbetracht von 700 Kilometern Reichweite und 200 kW Ladeleistung bleibt kein Vertreter- oder Flotten-Wunsch offen. Warum fängt die Zukunft bei VW also nicht sofort an - und endet damit das Fossilzeitalter in der oberen Mittelklasse? Traut man seinem eigenen vollelektrischen Produkt, sprich dem Elektro-Frieden nicht? Insofern kann man den neuen Passat auch so verstehen: Als Backup, falls die Kunden sich wie beim ID.4 dem Stromer verweigern. Mithin ein rollendes Misstrauensvotum. 

 

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