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VW mit gutem Halbjahr: Gelände-Gewinne

Der Hersteller vermeldet erstaunlich robuste Halbjahreszahlen in einem schwächelnden Gesamtmarkt - zur Gesamtmarge von sieben Prozent tragen aber vor allem die profitträchtigen SUV bei, die sich glänzend verkaufen und ihren Anteil auf ein gutes Drittel am Portfolio steigern.

Mehr Blech, mehr Marge: Fast lückenlos ist mittlerweile das Portfolio an Hochdachautos, die dem VW-Konzern einen Großteil seiner Gewinne bescheren. | Foto: VW
Mehr Blech, mehr Marge: Fast lückenlos ist mittlerweile das Portfolio an Hochdachautos, die dem VW-Konzern einen Großteil seiner Gewinne bescheren. | Foto: VW
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Johannes Reichel

Der Volkswagen-Konzern hat für ein sich abschwächendes Gesamtumfeld sehr robuste Halbjahreszahlen vorgelegt. Zur guten Gesamtrendite von sieben Prozent oder neun Milliarden Euro bei einem Konzernumsatz von 125 Milliarden Euro trugen trotz leicht gesunkenem Gesamtabsatz von 5,4 statt 5,5 Millionen Autos, Bussen, Lkw und Motorrädern vor allem die steigenden Verkaufszahlen bei den SUV-Modellen bei, die ihren Anteil am Portfolio von 25 Prozent im vergangenen Jahre auf etwa 35 Prozent im laufenden Jahr erhöhen. Für diese Fahrzeuge sind die Kunden auch bereit, mehr Geld zu bezahlen respektive kann man die Verkaufspreise auch durchsetzen. Das will VW-Finanzvorstand Frank Witter auch im zweiten Halbjahr aufrechterhalten. Auch er sieht in dem Boom bei den Geländewagen einen "ganz wesentlichen Treiber" neben der breiten Aufstellung des Konzerns über das gesamte Fahrzeugspektrum sowie global. Die Einbrüche in China habe man etwa durch Zuwächse in Brasilien teils ausgleichen können. Dass die Gesamtproduktion dabei zurückgeht, derzeit 450.000 Einheiten, sei schmerzhaft, aber besser als zu viele Rabatte zu gewähren, so Witters Strategie.

Mit den guten Gewinnen der aktuellen Phase sollen die hohen Investitionen in die Elektrifizierung, die digitale Transformation und den Umbau der Fabriken finanziert werden. Zudem verordnet der Finanzvorstand dem Konzern weiterhin strenge Kostendisziplin und will die Sparprogrmme "weiter intensivieren". Rendite-Treiber waren neben der Stammmarke VW auch die Marken Porsche, der Nutzfahrzeugbauer Scania sowie die Marke Audi, die trotz andauernder Krise noch 2,3 Milliarden Euro Gewinn beitrug (Vorjahr 2,8 Mrd.). Dagegen schwächeln die Nutzfahrzeugmarken MAN und Volkswagen Nutzfahrzeuge bei der Rendite trotz jeweils leicht gestiegener Umsätze.

Was bedeutet das?

Es ist schon erstaunlich, wie stramm der skandalgeschüttelte VW-Konzern-Tanker weiter Kurs hält und durch seine globale Aufstellung sowie die konsequente Nutzung von Konzernsynergien selbst die Milliarden-Belastungen aus "Diesel-Gate" wegsteckt. Die strategische Partnerschaft mit Ford bei den Zukunftsthemen Elektrifizierung, Automones Fahren und Nutzfahrzeugen dürfte die Wolfsburger kostenmäßig weiter voranbringen. Definitiv schlagen sich die Niedersachsen derzeit deutlich besser als der kriselnde Daimler-Konzern oder die orientierungslose BMW Group. VW-Kapitän Herbert Diess peitscht sein Schiff mit entschlossener Navigation durch die raue See. Dass man dabei nach dem Motto der Zweck heiligt die Mittel ausgerechnet die wenig visionäre Gattung der trendigen SUV als Konzern-Therapeutikum einsetzt, ist allerdings mehr als nur ein Wermutstropfen: Die Hochdach-Karossen verbrauchen schlicht mehr Sprit, werden wegen der Flucht aus dem Diesel zudem zunehmend von Turbobenzinern angetrieben.

Für die Umwelt und das Weltklima wäre es besser, Volkswagen würde seine erfreuliche und herzlich gegönnte Rendite mit wirklich nachhaltigen Modellen erzielen. Statt endlich das Thema CNG mehr als nur halbherzig zu promoten nach dem "Ach ja, die haben wir auch noch"-Motto, gibt der Konzern der unseligen Lust der offenbar von der Klimakrise mit Rekordtemperaturen völlig unbeirrten Kunden am "Hochsitz-Fahrzeug" nach und exkulpiert sich zugleich mit Verweis auf die Nachfrage. Doch ein Konzern wie VW hat auch eine gesellschaftliche und "erzieherische" Verantwortung, dem Volk vernünftige Wagen nahezubringen, da liegen auch die Wurzeln, siehe Käfer, Golf, Passat. Dieser Aspekt kommt bei aller Freude an den Zahlen zu kurz.   

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