VW-Konzern: Grünes Licht für Diess und die Transformation

Rückendeckung für den Kurs von Herbert Diess: Konzern stellt Weichen auf Elektrifizierung und Digitalisierung und will Wolfsburg zum Vorzeigestandort für automatisierte Fertigung von E-Autos machen.

Jetzt aber wirklich: Schon im November 2019 gab es ein Bekenntnis zur E-Mobilität und zum Kurs von Herbert Diess (2.v.l.) - seither aber auch viel Streit darum. Dieser scheint jetzt beigelegt. | Foto: VW
Jetzt aber wirklich: Schon im November 2019 gab es ein Bekenntnis zur E-Mobilität und zum Kurs von Herbert Diess (2.v.l.) - seither aber auch viel Streit darum. Dieser scheint jetzt beigelegt. | Foto: VW
Johannes Reichel

Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG hat der Strategie von VW-Konzernchef Herbert Diess in seiner jüngsten Sitzung Rückendeckung und "grünes Licht" für die Umsetzung der Strategie Together 2025+ und die Ausrichtung des Unternehmens auf Elektromobilität und Digitalisierung gegeben. Damit einher gingen diverse personelle Entscheidungen: und damit einhergehenden personellen Weichenstellungen. So soll Arno Antlitz, bisher bei Audi für Frank Witter als Konzernfinanzvorstand übernehmen und weitere Effizienzsteigerungen vorantreiben.

Im Rahmen des Neuzuschnitts des Konzernvorstands werden die Ressorts Beschaffung und Komponente getrennt. Neu geschaffen wird das Konzern-Vorstandsressort „Technik“. Führen wird es ab 1. Januar 2021 der Vorstandvorsitzende der Volkswagen Group Components Thomas Schmall. Dieser verantwortet künftig konzernweit alle Aktivitäten der Group Components, die Vermarktung der Volkswagen Baukästen an Dritte, die Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen sowie die dazugehörige Beschaffung, die Themen Laden und Ladesysteme und die entsprechenden Joint-Ventures weltweit. zum 1. Januar 2021 übernimmt Murat Aksel den Bereich Einkauf im Konzern. Seine Funktion als Vorstand der Marke Volkswagen Pkw für Einkauf soll er fortführen und sich durch die Trennung von Einkauf und Komponente voll auf die konzernweite Optimierung der Materialkosten konzentrieren können, hofft der Konzern.

Schluss mit dem Schlingerkurs: Klares Bekenntnis zu Diess

Nicht weniger als ein klares Bekenntnis zum aktuellen Kurs gab der Aufsichtsrat nach der Sitzung ab. Herbert Diess präge Volkswagen seit 2015 maßgeblich. Ohne seinen Einsatz wäre die Transformation des Unternehmens nicht so konsequent und erfolgreich verlaufen, lobt das Gremium.

"Dabei schätzt der Aufsichtsrat die Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit, mit der Herbert Diess den technologischen Wandel, den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, aber auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens vorantreibt", heißt es im Wortlaut.

In den kommenden Jahren werde der Vorstand die Strategie mit Diess an der Spitze umsetzen. Dem Vorstandsvorsitzenden und seinem neuen Vorstandsteam versprach man die "volle Unterstützung des Aufsichtsrats, wenn es um die Neuausrichtung auf Elektromobilität, Digitalisierung, aber auch um die Steigerung von Effizienz und Profitabilität in allen Marken und Konzernteilen geht". Dabei bleibe es "gemeinsamer Anspruch, die Transformation mit einem hohen Maß an Qualifizierung und Zukunftschancen für die Beschäftigten des Konzerns zu verbinden und notwendigen Personalabbau über die bewährten Personalinstrumente, insbesondere auch den demographischen Wandel, zu gestalten“, so das Bekenntnis. Man demonstriere mit den heutigen Entscheidungen die Entschlossenheit, den Wandel der Automobilindustrie weiterhin mit hohem Tempo voranzutreiben, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

„Wir treiben die größte Transformation in der Geschichte von Volkswagen gemeinsam und entschlossen voran. Wir werden in den kommenden Jahren weiter in die E-Mobilität, die Digitalisierung und Batterietechnologie investieren und gleichzeitig Fixkosten und Materialkosten konzernweit in allen Marken und Regionen substanziell reduzieren, um die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen sicherzustellen,“ kommentierte Diess selbst.

Auch der bisher eher mit kritischen Tönen aufgefallene Konzernbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh schwenkte auf den Kurs ein:

"Zwischen Aufsichtsrat, Vorstand und Belegschaftsvertretern herrscht absolute Einigkeit über die konsequente Ausrichtung des Konzerns auf unsere strategischen Ziele der Transformation", erklärte er jetzt.

Bei der Umsetzung würden sich alle Beteiligten weiterhin zur Gleichrangigkeit von Wirtschaftlichkeit und Beschäftigungssicherung sowie zur Bedeutung der Ausbildung bekennen, so Osterloh weiter.

In Wolfsburg soll eine automatisierte Vorzeigefabrik für E-Autos entstehen

Der Konzernsitz Wolfsburg soll mittelfristig die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen werden. Dort will man das nach dem Wunsch der Konzernbosse künftig führende Elektrofahrzeug der Marke Volkswagen Pkw "auf der Grundlage hoch produktiver und auch in Bezug auf Kosten wettbewerbsfähiger Standortbedingungen bauen". Hierzu werde ähnlich dem Artemis-Vorhaben bei AUDI ein Projekt aufgesetzt, das von der Entwicklung des Fahrzeugs bis zur Produktion alle Aktivitäten bündelt, kündigte man an.

Mit Blick auf den gesamten Konzern wollen sich Vorstand und Betriebsrat zudem bis Ende des ersten Quartals auf einen Plan verständigen, um die Fixkosten um fünf Prozent unter Berücksichtigung der bestehenden Programme bis 2023 zu reduzieren. Die Materialkosten sollen in den kommenden zwei Jahren um sieben Prozent gesenkt werden.

Elektrifizierung von Bentley unterm Audi-Dach

Einigkeit bestehe im Gremium zudem darüber, dass Lamborghini und Ducati Bestandteil des Volkswagen Konzerns bleiben. Im Zuge der Neuorganisation wurde des Weiteren beschlossen, dass die Marke Bentley zum 1. März 2021 in die Managementverantwortung der Marke Audi gegeben wird, um im Rahmen der Elektrifizierungsstrategie der beiden Premiummarken Synergien heben zu können.

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