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Meinungsbeitrag

VW ID. 2all: Reichlich spät für einen Volks(strom)wagen

Mit einem "Mock-up" und einer emotionalen Show im Geiste der Ikonen Käfer, Golf, Polo versucht der Konzern Kunden bei Laune und Marke zu halten. Doch die Wartezeit ist lang, die China-Konkurrenz stark.

Lange Leitung in Wolfsburg: Ziemlich enttäuscht stand VM-Redakteur Reichel in Hamburg vor dem Modell des ID. 2all und erinnerte sich mit leiser Wehmut an seine erste Begegnung als Pimpf mit dem Golf I in den späten 70er-Jahren. | Foto: J. Reichel
Lange Leitung in Wolfsburg: Ziemlich enttäuscht stand VM-Redakteur Reichel in Hamburg vor dem Modell des ID. 2all und erinnerte sich mit leiser Wehmut an seine erste Begegnung als Pimpf mit dem Golf I in den späten 70er-Jahren. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Darauf hatte man lange gewartet: Endlich ein echter "Volks-Wagen" für die neue Zeit! Klug, klassich, zeit- und klassenlos, erschwinglich, ein VW, wie man ihn von früher kannte. Golf-Gefühle der späten 70er-Jahre kommen auf, nur halt jetzt ohne Gebrumm und Qualm und vielleicht der Beweis, dass Auto-Mobilität eben doch umweltfreundlich und mit vernünftigem Maß geht. Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuße. Etwas ratlos und kopfschüttelnd steht man vor einem "Mock-up", fraglos Modellbau höchster Güte. Aber nicht einmal reinsetzen kann man sich in das Konzeptfahrzeug. Und der VW-Chef Schäfer bittet die aus aller Herren und Damen Länder angereiste Journaille, das handgeschnitzte Einzelstück doch bitte pfleglich zu behandeln.

So steht der ID. 2all auch da als manifestierter Plastilin-Beweis, dass der Konzern einfach verdammt spät dran ist, mit der Demokratisierung der E-Mobilität.

Der mal ab 30.000 Euro avisierte ID.3 kostet in der gepflegten Neuauflage mindestens "Tesla-teure" 40.000 Euro, der eigentlich so clevere, aber für den Hersteller unrentable und umgemodelte VW e-Up war chronisch vergriffen und ist halt auch kein "ID to all" - ein Wagen für alle und alles - wie die Wolfsburger Marketinger wortspielern.

Es ist eine schwierige Gratwanderung: Man will den Chinesen, allen voran der ambitionierten Staatskonzern-SAIC-Marke MG und deren echten "Volks-Stromwagen" Nummer 4 und 5 jetzt und sofort etwas entgegenhalten. (BYD, Nio, GWM und Geely peilen bisher eher auf Mittelklasse und Premiumklientel).

Und kann doch noch nicht mehr, als einen zweifellos leckeren "Appetithappen" auffahren, dessen Entwicklung zur Serie jetzt erst ansteht und frühestens in zweieinhalb Jahren vollendet sein wird.

Das ist in der schnelllebigen Zeit der automobilen Transformation eine "Welt", die bis dahin schon wieder ganz anders aussehen kann. So lange haben MG & Co den Markt für preiswerte und dennoch qualitätvolle, gut gestaltete und technisch anspruchsvolle Kompaktstromer für sich. Und können in aller Ruhe bereits nachlegen. Gut, dass das Design des ID.2all so VW-typisch zeitlos ist, dass es auch noch in fünf Jahren als "schick" durchgeht.

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