VW: Hannover wird Mehr-Marken-Elektro-Standort

VW baut derzeit seine Produktionen um: Bratislava wird erweitert, um die nächste Generation von Skoda Superb und Passat zu montieren. In Emden zieht dafür der ID.4 ein. Und im Nutzfahrzeugerk Hannover werden künftig nicht mehr nur Nutrzfahrzeuge gebaut.

VW wird in Hannover neben dem ID.Buzz auch drei Elektro-SUV des D-Segments montieren. | Foto: VW
VW wird in Hannover neben dem ID.Buzz auch drei Elektro-SUV des D-Segments montieren. | Foto: VW
Gregor Soller

VWN wird am Stammsitz künftig neben der eigenen T-Modellreihe und dem ID.Buzz auch drei vollelektrische D-SUV-Modelle für weitere Marken des Konzerns fertigen. Mit einer Investition in Höhe von rund 680 Millionen Euro werde der VWN-Standort Hannover zum Mehr-Marken-Werk umstrukturiert und ausgebaut, teilt VW Nutzfahrzeuge mit.

„Unser Stammwerk in Hannover wird Produktionsstandort für drei völlig neue elektrische Premium-E-Fahrzeuge im Konzern.“

erklärt Carsten Intra, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Die Entscheidung des Aufsichtsrats sei so auch ein wichtiger Meilenstein für den Hochtechnologiestandort in Niedersachsen. Der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns hat in seiner Sitzung am 13. November 2020 die Vergabe zur Fertigung neuer, zusätzlicher Fahrzeuge durch Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover bestätigt. Zu den teuren Versionen der T-Modellreihe (vor allem Multivan, Carvelle und Camper) und dem ID.Buzz kommen drei vollelektrische D-SUV hinzu. Dabei könnte es sich neben dem großen VW-SUV (der perspektivisch den Atlas und Touareg ersetzen sollte) auch um Derivate der Marken Audi und Bentley auf gleicher Basis handeln. Bertina Murkovic, Vorsitzende des Betriebsrats von VWN ergänzt dazu:

„Der neue Multivan, der ID.Buzz und jetzt die D-SUVs sind unser Portfolio für dieses Jahrzehnt."

Damit könnte das VW-Werk in Hannover zumindest für die nächsten zehn Jahre gesichert sein, denn auch in der Autoindustrie werden immer mehr Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagert: Daimler fertigt zahlreiche Fronttriebler mittlerweile in Ungarn, wo auch BMW ein neues Werk plant. Und VW hat einen Großteil der Nutzfahrzeugproduktion (Caddy, Crafter, T6.1 Kastenwagen) in das noch junge polnische Werk verlagert. Nachdem man diese Modelle künftig mit den Ford-Derivaten des Transit zusammenlegt, könnten diese dann auch im türkischen Ford-Werk produziert werden, während der VW Caddy und der Nachfolger des Ford Transit Connect (der ein VW-Caddy-Derivat werden wird) dann in Polen montiert werden könnten.

Außerdem hat die Marke Volkswagen mehr als 1.400 Roboter des japanischen Herstellers Fanuc für die Fertigungen in Chattanooga (USA) und Emden bestellt. Außerdem hat VWN hat weitere rund 800 Roboter beim Schweizer Hersteller ABB für den Standort Hannover geordert. Die Roboter sollen in den Werken vorwiegend im Karosseriebau sowie der Batteriemontage zum Einsatz kommen. Die drei Werke werden derzeit auf den Bau von Elektro-Autos mit hochmodernen Fertigungen vorbereitet: Ab 2022 sollen in Chattanooga (USA) und in Emden der ID.4 sowie in Hannover das unter dem Showcar-Namen bekannte Modell ID.Buzz vom Band laufen. Für Hannover kann man aktuell keine größere Sicherheit für den Standort und die Beschäftigten bieten. Für die künftige Fertigung dieser Fahrzeuge baue VWN in Hannover eine neue Produktionslinie auf. Hannover beschleunigt seine Transformation hin zur Elektromobilität nochmals und werde ein Mehr-Marken-Werk. 2022 rolle auch der vollelektrische ID.Buzz in Hannover vom Band.

Was bedeutet das?

Deutschland ist trotz aller Effizienzbemühungen ein teurer Standort: Die Löhne und Energiepreise ind hoch, weshalb fast alle Autohersteller ihre Produktionen transformieren, heißt: Wenig ertragsstarke Verbrenner wandern in teils neue Werke im osteuropäischen Ausland ab, während man sich hier auf die E-Mobilität und teurere Fahrzeuge konzentriert. Vorteil der E-Mobilität: Sie benötigt weniger Arbeitskräfte und bietet sich damit auch zumindest im nächsten Jahrzehnt noch für den Standort Deutschland an.

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