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VW: Erste ID-Modelle laden bidirektional

Die Funktion ist in allen neuen Modellen mit der 77 kWh Batterie und ab ID. Software 3.5 verfügbar. Bidirektionales Laden verwandelt E-Autos in Energiespeicher. Hersteller sieht in „Vehicle to Home“ einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Eigens startet man ein Pilotprojekt mit dem Spezialisten HagerEnergy in Schweden.

Mit einem Pilotprojekt steigt VW ins bidirektionale Laden ein. | Foto: VW
Mit einem Pilotprojekt steigt VW ins bidirektionale Laden ein. | Foto: VW
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Johannes Reichel

Der Automobilhersteller Volkswagen hat den Start des bidirektionalen Ladens bei ersten Modellen der ID. Familie angekündigt. Mit der Funktion „Vehicle to Home“ funktioniert das System in Verbindung mit einem Hauskraftwerk und dem integrierten Heim Energie Management System (HEMS) des VW-Partners HagerEnergy GmbH. Damit könnten Kundinnen und Kunden ihren Strombedarf so weit wie möglich mit ihrer Photovoltaik-Anlage decken, werben die Wolfsburger. Beide Firmen starteten jetzt ein Pilotprojekt in Schweden, bei dem eine ganze Siedlung mit Fahrzeugen und der entsprechenden Ladeinfrastruktur ausgestattet wird.

„Mit der nun verfügbaren bidirektionalen Ladefunktion haben wir ein neues Serviceangebot auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden zugeschnitten. Sie können damit nicht nur Energiekosten sparen, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Energie", wirbt Imelda Labbé, Volkswagen Vorständin für Vertrieb, Marketing und After Sales.

E-Autos als rollende Energiespeicher

ID. Modelle mit der 77 kWh Batterie (netto) können mit der Funktion des bidirektionalen Ladens künftig als ergänzender Stromspeicher für das Haus dienen. VW werde die Funktion auch für bereits ausgelieferte Fahrzeuge freischalten können, sobald diese ebenfalls die ID. Software 3.5 per Update erhalten haben. Durch die hohe Speicherkapazität der Autos kann ein Haus auch über mehrere bewölkte Tage hinweg mit Solarstrom versorgt werden, skizziert der Anbieter weiter. Gleiches gilt abends, wenn die Sonne untergegangen ist und die Photovoltaik-Anlage keinen Strom mehr liefert. Kundinnen und Kunden können selbst entscheiden, wann sie Energie aus dem öffentlichen Netz beziehen und wann sie auf den selbstproduzierten und in der Fahrzeugbatterie gespeicherten Strom zurückgreifen.

Intelligentes Laden stabilisiert Stromnetz

Darüber hinaus ist es mit cleveren Stromtarifen und Algorithmen schon heute möglich, das Auto genau dann zu laden, wenn viel erneuerbare Energie vorhanden ist. So müssen beispielsweise Windräder nicht abgeregelt werden, weil der erzeugte Strom nicht abgenommen werden kann. Die E-Autos können wiederum Strom ins Hausnetz des Kunden einspeisen (Vehicle-to-Home) und künftig auch zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen. Schwedische Siedlung Stenberg profitiert schon jetzt Schauplatz eines Pilotprojekts für bidirektionales Laden ist die Siedlung Stenberg im schwedischen Hudiksvall. Der Hof, der als Basis für die neue Siedlung umgebaut wurde, steht schon seit rund 350 Jahren. Der schwedische Unternehmer Klas Boman will durch den Umbau die Häuser für weitere 350 Jahre zukunftssicher und nachhaltig aufstellen.

„Stenberg ist ein Projekt, das es nur einmal im Leben gibt. Als wir beschlossen, das ‚weitere 350-Jahre-Projekt‘ zu realisieren, waren Energie und Umwelt der Schlüssel. Jede Entscheidung wurde unter diesen Gesichtspunkten getroffen. Die Nutzung von elektrischen Fahrzeugen als Energiespeicher war von Anfang an angedacht. Volkswagen ist dankenswerterweise im April 2021 in das Projekt eingestiegen und wir sind jetzt startklar. Dies wird eine der größten Veränderungen auf dem Energiemarkt sein", erläutert Boman.

Volkswagen sieht sich als Pionier beim bidirektionalen Laden

Der Wolfsburger Hersteller sieht sich als einen der ersten Anbieter für eine bidirektionale Ladelösung auf Basis des in Europa mehrheitlich verbreiteten DC-Ladestandards CCS (Combined Charging System). Grundlage für das bidirektionale Laden ist die ISO-Norm 15118-2, welche die Kommunikation zwischen Elektrofahrzeug und Wallbox beschreibt. Die Funktion bidirektionales Laden in den ID. Modellen ist in Kombination mit der DC-Ladetechnik eine Erweiterung des Heimspeichers. Dieser übernimmt die hauptsächliche Energieversorgung des Hauses. Das Fahrzeug wird durch das Hauskraftwerk aktiviert, wenn der Heimspeicher zusätzliche Energie benötigt. Sobald der Heimspeicher wieder geladen ist, beendet das Fahrzeug die Energieübertragung und geht in den Standby-Modus. Nimmt man einen durchschnittlichen Verbrauch eines Hauses von ca. 15 kWh pro Tag an, kann es mit der Batterie eines ID. Modells etwa zwei volle Tage mit Strom versorgt werden. Die Hochvoltbatterie des Autos kann nicht unter 20 Prozent Ladezustand entladen werden, um ständige Mobilität zu gewährleisten, präzisiert der Hersteller.

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