VW contra VDA: Batterielektrische Mobilität priorisieren

In Reaktion auf einen Gesetzentwurf unterstützt VW die Position des Umweltministeriums, das in Pkw batterieelektrische Antriebe favorisiert. Der VDA betont "Technologieoffenheit" und sieht Wasserstoff überall.

Von der Sonne in den Speicher: Die Autoindustrie ist uneins über die Transformation. VW setzt auf batterieelektrischen Antrieb stellte das Werk Zwickau komplett um. | Foto: VW
Von der Sonne in den Speicher: Die Autoindustrie ist uneins über die Transformation. VW setzt auf batterieelektrischen Antrieb stellte das Werk Zwickau komplett um. | Foto: VW
Johannes Reichel

Nach der Veröffentlichung eines Gesetzentwurfs zu Erneuerbaren Energien durch das Bundesumweltministerium ist ein Dissens in der deutschen Autoindustrie offenbar geworden, inwieweit auch synthetische Kraftstoffe einen Beitrag leisten können. Hierfür setzt sich vor allen Dingen der Verband der Automobilindustrie VDA ein, wie eine Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf deutlich macht, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Der Verband fordert höhere Ziele für Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe als bisher vom Bundesumweltministerium vorgesehen. Man hält einen Einsatz "in allen Transportanwendungen für möglich". VDA-Chefin Hildegard Müller verweist einmal mehr auf "Technologieoffenheit", mit der sich auch der CO2-Ausstoß in der Bestandsflotte reduzieren lasse.

VW hält Synfuels im Pkw für unsinnig und ineffizient

Das sieht der Volkswagen-Konzern ganz anders. Für die Wolfsburger würden "die sogenannten Potenziale dieser Alternativen beim flüssigen Kraftstoff im allgemeinen massiv überschätzt", zitiert die SZ das Unternehmensstatement. Die Herstellung sei selbst aus überschüssigen erneuerbaren Energien "aufwändig, kostenintensiv, wenig klimaeffizient und mit geringem Wirkungsgrad", so das vernichtende Urteil. Gar "unsinnig" seien Bemühungen, aus erneuerbaren Energien "grünen Wasserstoff" für den Betrieb in Autos herzustellen. Dafür sei Wasserstoff viel zu kostbar und werde in Industrien wie Stahl, Zement oder Chemie benötigt. Vor allem stünde mit dem batterieelektrischen Antrieb für Pkw eine "wirksame, effiziente, kostengünstige Technologie zur Verfügung, um die Klimaziele zu erreichen", glaubt der Konzern und begrüßt daher den Gesetzentwurf als wertvollen Beitrag, um der E-Mobilität in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen. Auch das Ministerium hält den batterieelektrischen Antrieb für "die effizienteste Alternative".

Jüngst hatten auch die Wissenschaftler von Europas Wissenschaftsakademien in ihrem Gremium Easac die Produktion synthetischer Kraftsstoffe als "inhärent ineffizient" bezeichnet, wie zuvor auch schon zahlreiche Studien und Experten sowie NGOs.

Was bedeutet das?

Volkswagen hat ja Recht: Es ist und bleibt wohl auch einfach die effizienteste Methode, für Vortrieb in einem Pkw zu sorgen, indem man den regenerativen Strom direkt in einem Akku speichert. Als Zwischenschritte sind da vielleicht noch Erdgas als Biomethan aus Reststoffen, weniger als energieaufwändigeres e-Gas plausibel. Plausibler jedenfalls als der unselige PHEV-Trend, der "das Schlechteste aus zwei Welten" (Rolls-Royce) vereint: Einen durstigen Turbobenziner (vorzugsweise in einem schweren SUV) und einen halbgaren E-Antrieb (nebst kleinem Akku).

Wasserstoff als der "Champagner unter den Kraftstoffen" ist derzeit jedenfalls zu wertvoll, um ihn in leichten Fahrzeugen zu verschwenden. Ob die Forschung etwa wie vom Rostoker Likat-Institut da einen "game changer" hervorbringt, bleibt abzuwarten. An die Effizienz der direkten Nutzung und Speicherung von Strom wird es wohl dennoch nicht heranreichen. Und energiefressend zu produzierende Synfuels für die Bestandsflotten?! Lasst es bleiben, kann man da nur zurufen, das ist Augenwischerei!

Man kann auch das Geraune von der Technologieoffenheit da nicht mehr hören. Die hatte man die letzten Jahrzehnte, und speziell die deutsche Autoindustrie hat ziemlich "technologie-verschlossen" auf das falsche Pferd der Verbrennungskraftmaschine gesetzt, weil es zugleich eine gigantische Wertschöpfungsmaschine war. Umweltfreundlichkeit und Effizienz hatte da nicht unbedingt Priorität.

Dass ausgerechnet der Volkswagen-Konzern, der die Manipulation mit dem Diesel auf die Spitze trieb, aber auch nur die Spitze eines Eisbergs markiert, nun vom Saulus zum Paulus mutiert, mag man monieren. Sie erklärt sich aber auch aus einem schmerzhaften Läuterungsprozess, den der Konzern durchlaufen musste und noch durchläuft. Es gilt der alte Satz: Besser spät als nie. Und vor allem dann konsequent. Denn rein nüchtern betrachtet, hat man den Diskussionsprozess um die richtige Technologie bereits durchlaufen und darin ist sich die überwiegende Mehrheit der Fachleute auch einig: Elektrisch sowieso, batterieelektrisch für Pkw, brennstoffzellenelektrisch für Lkw, Züge, Schiffe oder (viel weniger!) Flugzeuge. Auf absehbare Zeit wird die Akkutechnologie Reichweiten auf Augenhöhe mit Verbrennern ermöglichen, auch die Rohstofffragen sind letztlich lösbar, ebenso das Recycling. Worauf warten wir noch? Es bleibt keine Zeit mehr fürs Zerreden.

 

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