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VW-CEO Blume: Mehr Rendite, weniger Modelle

Der VW Vorstandsvorsitzende Oliver Blume will demnächst präsentieren, wie der VW-Konzern in Zukunft aussehen soll. Auch er will, wie schon sein Vorgänger Herbert Diess, den Konzern komplett umkrempeln. Aber mit ganz anderem Fokus. Erste Details sickerten schon durch.

Volkswagen-Group-CEO will den Konzern einmal mehr umkrempeln. | Foto: VW
Volkswagen-Group-CEO will den Konzern einmal mehr umkrempeln. | Foto: VW
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Gregor Soller

Im Gegensatz zu seinem nicht sehr konfliktscheuen Vorgänger Herbert Diess gilt Oliver Blume als eher besonnener VW-Lenker, der bereits einige Personalentscheidungen traf, um den großen Umbau einzuleiten. Wie dieser dann konkret aussehen soll, will Blume in Kürze dem VW-Aufsichtsrat – und am 21. Juni den Investoren bei einem auf dem Hockenheimring veranstalteten "Kapitalmarkttag", erklären. Dem "Handelsblatt" sollen bereits jetzt Eckpfeiler dieses „Umbaus“ vorliegen, ein VW-Topmanager soll gar vom "größten Umbau seit Jahrzehnten" gesprochen haben. Denn Diess ja auch schon geplant, aber nicht ganz recht umgesetzt hat.

Werke neu zuteilen und besser auslasten

Fakt ist: Die Rendite soll rauf, die Zahl der Modelle runter und Parallelentwicklungen soll es so gut wie keine mehr geben. Und im Idealfall soll natürlich massiv Personal gespart werden. Was einmal mehr die (noch) starken Arbeitnehmervertreter samt Betriebsratschefin Daniela Cavallo auf den Plan rufen dürfte und einmal mehr zu heftigen Diskussionen und harten Verhandlungen führen wird. Auch bei Einkauf und Vertrieb soll gespart werden und die deutschen Werke sollen besser ausgelastet werden. Dazu soll die "Markengruppe Volumen" (VW Pkw, VW Nutzfahrzeuge, Skoda, Seat und Cupra) in der Produktion enger zusammenarbeiten. Vor allem die Tschechen legten hier bisher sehr großen Wert auf eine gewisse Eigenständigkeit, während die Nutzfahrzeugkollegen in Hannover immer um ihre Auslastung bangen, ähnlich wie die Werker in Wolfsburg und Emden. Weshalb es auch Neuerungen für die Standorte geben könnte: Das Ex-Karmann-Werk in Osnabrück könnte zu Porsche gehen, Dresden steht mit seiner kleinen „Gläsernen Fabrik“ dem Bericht zufolge auf der Kippe. Und beim Beim Stammwerk in Wolfsburg könnten künftig 600.000 statt rund einer Million Autos pro Jahr genügen – womit eine „volle Auslastung“ leichter zu schaffen ist.

Weniger Modelle und Ausstattungen

Außerdem sollen Doppelentwicklungen reduziert werden, um so weitere Milliarden zu sparen. So soll sich das Ergebnis der Markengruppe Volumen um etwa drei und jenes des gesamten Konzerns um rund fünf Milliarden Euro erhöhen. Dabei hilft auch, dass die Einzelmarken künftig weniger Modelle und Ausstattungsvarianten anbieten sollen. Auch hier gibt es schon konkrete Zahlen: Nachdem Cupra und Skoda bereits gezeigt haben, was geplant ist, werden diesen Paletten eher KEINE weiteren Modelle mehr nachfolgen. Heißt: Skoda wird mit den Modellen vom Small BEV über den Elroq, den BEV-Kombi (Octavia-Nachfolger) den Enyaq und den BEV-7-Sitzer maximal noch ein zusätzliches Modell anbieten, nachdem die letzten Verbrenner ausgelaufen sind. Auch Cupra wird nicht mehr als die vier avisierten Modelle anbieten, die man bisher sah. Bei VW will Blume das Portfolio auf rund zehn Modelle reduzieren und nicht mehr jede Marke soll alles anbieten, heißt: skoda wird für CUV- respektive SUV-Raumfahrzeuge zuständig sein, Cupra den Baukasten sportlich interpretieren und VW dazwischen positioniert. Das konnten wir auf den Veranstaltungen von Cupra und Skoda mitnehmen.

Die Plattformen sollen länger laufen

Zudem sollen Plattformen länger laufen und ihre Entwicklung anders als bisher auf die Marken verteilt werden, heißt: Die Volumen –Gruppe kümmert sich komplett um die kleinen und kompakten Modelle. Den perspektivisch auslaufenden-Verbrenner-MQB betreut Skoda, die kompakte MEB könnte komplett nach Spanien zu Seat/Cupra gehen. In der Luxusklasse soll Porsche planen. Bleibt für Audi die Mittelklasse und obere Mittelklasse. Kleinere Modelle muss Ingolstadt vom Volumen übernehmen, Luxus in Zuffenhausen anfragen. Umgekehrt dürfte Porsche bei Macan und Co. künftig noch stärker an Ingolstadt gebunden sein.

Mehr Marge bitte: Jede Marke soll ihren Börsengang simulieren

Interessante Idee: Laut Handelsblatt soll Blume die einzelnen Markenchefs aufgefordert haben, je eigene Börsengänge zu simulieren – erstmal theoretisch. Damit ließen sich bei Bedarf einzelne Marken aus dem Verbund heraustrennen und man kann klare Margenziele für jede einzelne Marke formulieren. Je teurer, desto höher: Bei Porsche beträgt die operative Umsatzrendite rund 20, bei Audi zwölf bis 14 Prozent, für VW sind noch nie erreichte 6,5 Prozent angedacht, die Markengruppe Volumen soll im Schnitt von fünf auf acht Prozent steigen.

Die höheren Gewinne sollen aber nicht nur den Aktionären zu Gute kommen, sondern auch mehr finanziellen Spielraum für die Entwicklung bieten und dem Vertrieb ermöglichen, verlorenes Terrain in China und USA zurückzuerobern. Außerdem möchte man so die 180-Milliarden-Euro aus dem Investitionsprogramm gezielter als bisher geplant nutzen – auch, um den Kunden wieder mehr Qualität zu bieten. Auf den Abfall dort haben vor allem VW-Kunden verstört reagiert.

Was bedeutet das?

Auch VW „schrumpft“ sich gesund: Die einstige Prämisse, unbedingt größter Fahrzeugkonzern der Welt zu sein, wurde über Bord geworfen für kleinere, konzentriertere, aber margenstärkere Portfolios. Weshalb die einstige Modellflut der Marken perspektivisch massiv ausgedünnt werden dürfte.

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