Vulcan soll CO2-freies Lithium auch an Volkswagen liefern

Alle wollen Vulcan: Das Start-up aus dem Oberrheingraben gewinnt nach Renault und Stellantis auch die Wolfsburger als Kunden für CO2-neutrales, lokales Lithium - vorbehaltlich Aufnahme der Förderung.

Win-Win-Situation: Mit lokal per Geothermie gefördertem Lithium aus dem Oberrheingraben soll sogar Energie übrig bleiben, die ins Netz eingespeist wird. | Foto: Vulcan Energy
Win-Win-Situation: Mit lokal per Geothermie gefördertem Lithium aus dem Oberrheingraben soll sogar Energie übrig bleiben, die ins Netz eingespeist wird. | Foto: Vulcan Energy
Johannes Reichel

Das deutsch-australische Lithium-Förder-Start-up Vulcan Energy hat nach Renault und Stellantis jetzt auch mit dem Volkswagen Konzern einen verbindlichen Abnahmevertrag abgeschlossen. Damit beziehen die Wolfsburger künftig CO2-freies Lithiumhydroxid in Batteriequalität aus dem Oberrheingraben, der sich im Südwesten Deutschlands befindet und über Teile der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen erstreckt. Das klimaneutrale Lithium des Karlsruher Unternehmens soll perspektivisch in den Zellfabriken von Volkswagen in Europa verarbeitet werden. Die Vereinbarung hat eine anfängliche Laufzeit von 5 Jahren. Der Beginn der kommerziellen Lieferung ist für 2026 vorgesehen.

An der Börse Zweifel am Geschäftsmodell

Zu den "aufschiebenden Bedingungen" des Vertrags gehören allerdings die erfolgreiche Aufnahme des kommerziellen Betriebs und die vollständige Produktqualifizierung, wie der Konzern ergänzt. Zuletzt hatten sogenannte Leerverkäufer an der Börse das Geschäftsmodell der Karlsruher angezweifelt und ihnen "leere Versprechungen" sowie überzogene Aussagen zu Machbarkeit, Rentabilität und Umweltwirkungen der Technologie vorgeworfen, worüber Handelsblatt und FAZ berichteten. Demnach sei weder die erste Bohrung vollzogen, noch liege eine Genehmigung für den Betrieb vor. Dennoch beflügelt die Aussicht, den kritischen Rohstoff lokal und emissionsfrei beziehen zu können, die Kooperationspartner.

Klimaneutral über die Wertschöpfungskette

Der VW-Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs bis zur vollständigen Klimaneutralität zu reduzieren. Allein in Europa sollen bis Ende des Jahrzehnts sechs Gigafactories mit einer Gesamtproduktionskapazität von 240 GWh entstehen. Mit dem nachhaltig produzierten Rohstoff aus Deutschland will die VW-Gruppe den Bedarf ihrer eigenen künftigen Zellfertigung in Europa sichern.

"Die Volkswagen Einheitszelle muss bei Leistung, Kosten und Nachhaltigkeit von Anfang an an der Spitze stehen. Mit unseren neuen Partnern kommen wir diesem Ziel einen weiteren Schritt näher. Gemeinsam werden wir wichtige Teile der Batterie-Wertschöpfungskette angehen und zukunftsweisende Technologien entwickeln", versprach Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik der Volkswagen AG und CEO der Volkswagen Group Components.

Die originär von Vulcan entwickelte Technologie ermöglicht eine dem Vernehmen nach komplett CO2-freie Lithiumförderung in der Region des Oberrheingrabens. Durch die Förderung mittels Geothermie entstünden keine schädlichen Emissionen. Die Methode ermögliche darüber hinaus eine negative CO2-Bilanz, wirbt der Anbieter. Kurze Lieferketten aufgrund der geographischen Lage stärkten zudem nicht nur den deutschen Wirtschaftsstandort, sondern verringerten auch deutlich die Importabhängigkeit des Kontinents im Hinblick auf den Rohstoff Lithium, skizziert man weiter.

"Durch diese Vereinbarung wird unser Zero Carbon Lithium Projekt zu einem wichtigen Faktor für das weltweit führende Ziel von Volkswagen, CO2-freie Elektrofahrzeuge herzustellen, einschließlich aller Rohstoffe in der Batterie-Lieferkette,“ kommentiert Francis Wedin, CEO von Vulcan.

Der Wolfsburger Konzern hat sich außerdem das Vorkaufsrecht für Investitionen in zusätzliche Kapazitäten im Zero Carbon Lithium Projekt von Vulcan gesichert.

Premiere für heimisches Lithium

Die Vulcan Gruppe sieht sich selbst als das erste Unternehmen, das ein Zero Carbon Lithiumprodukt aus lokalen Quellen auf den Markt bringt. Das Unternehmen betrachtet sich außerdem als führend im Bereich der Herstellung erneuerbarer Wärme und Strom, die regional zur Verfügung gestellt werden sollen. Mit LG, Umicore, Renault, Stellantis und Volkswagen habe man nun starke Partner für die Abnahme des klimafreundlichen Lithiums gewinnen können.

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