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Volvo XC40: Heute Verbrenner, morgen Speerspitze für Elektromobilität

Noch 2018 soll eine Plug-In-Hybrid-Version des neuen Kompakt-SUV kommen sowie später als einer der ersten der Marke auch eine vollelektrische Variante. Zum Start gibt es den neuen Kompakt-SUV aber erst mal in zwei starken Verbrennervarianten.

Vom Heute ins Morgen: Der Volvo XC40 startet konventionell, ist aber für Hybrid und Elektro gewappnet. | Foto: Volvo
Vom Heute ins Morgen: Der Volvo XC40 startet konventionell, ist aber für Hybrid und Elektro gewappnet. | Foto: Volvo
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Johannes Reichel

Die zum chinesischen Geely-Konzern gehörige schwedische Marke Volvo baut sein Angebot an SUVs weiter aus. Mit dem XC40 kommt dabei erstmals ein Fahrzeug auf der neuen, für die Elektrifizierung vorbereiteten CMA-Plattform auf den Markt. Das 4,42-Fahrzeug, das der Hersteller als "Premium-Kompakt-SUV" bezeichnet soll noch in diesem Jahr in einer Hybridvariante kommen. Darüber hinaus soll der XC40 einer der bereits angekündigten fünf vollelektrisch angetriebenen Fahrzeuge sein, die Volvo gemeinsam mit der neuen Elektromarke Polestar in den Jahren ab 2019 präsentieren will, angefangen mit zwei Polestar und zwei weitere Volvo-Modellen.

Im ersten Schritt bleibt Volvo aber ganz konventionell und führt das Fahrzeug mit den beiden starken Motorisierungen, dem T5-Benziner mit 247 PS sowie dem D4-Diesel mit 190 PS ein, beide mit permanentem Allradantrieb und ZF-Achtgang-Automatik. Beide Fahrzeuge wiegen etwa 1,8 Tonnen Leergewicht, der NEFZ-Verbrauch liegt bei 7,2 l/100 km im Falle des Bi-Turbo-Benziners sowie bei 5,1 l/100 km im Falle des Bi-Turbo-Diesels. Bei unserer ersten Testfahrt, jeweils moderat gefahrene Mittelstrecken über 200 km, kam der Diesel auf 6,4 l/100 km, der Benziner auf 8,1 l/100 km. Noch vor dem Hybrid sollen eine Fronttriebler-Version sowie erstmals überhaupt ein Dreizylinder-Turbobenzin-Motor mit 156 PS folgen, der mit 6,8 l/100 km etwas sparsamer sein soll als der Vierzylinder. In jedem Fall erfüllen alle Fahrzeuge die neue Euro6dTemp-Norm, die auch die Realemissionen im RDE-Zyklus berücksichtigt. Der XC40 führt dafür einen unterhalb des Diesel-Stutzens nachfüllbaren AdBlue-Tank mit 14,5 Liter an Bord, der die SCR-Abgasreinigungsanlage versorgt.

Ansonsten bietet der "kleine" Volvo, das was man von der Marke gewohnt ist: Tolles, stilsicheres Scandinavia-Design innen wie außen (wahlweise mit schwarz oder weiß abgesetzem Dach), exzellente Verarbeitung und Materialqualität. Bequeme Sitze, die dank schlanker Konstruktion viel Platz für die Passagiere tragen bei zum generell sehr luftigen Raumgefühl bei, deutlich über Kompaktklasse-Standard. Der Kofferaum misst formal 460 Liter, das Staufach unter dem doppelten Boden birgt aber weiteres Volumen und praktische Verankerungs- und Separierungsmöglichkeiten. Auffällig: Für einen mit Fahrer und ein bisschen Gepäck zwei Tonnen schweres Auto fährt sich der erstmals mit einem Aluminium-Fahrwerk gesegnete XC40 enorm agil und lässt sich lustvoll über kurvige Landstraßen zirkeln. Die Federung ist eher straff, die Seitenneigung trotz der hochbauenden Art fast nicht wahrnehmbar, die Bremsen und die Traktion über jeden Zweifel erhaben. Das Standardprogramm absolviert der Kompakt-Schwede also tadellos.
 

Innovationen setzt der XC40 auch bei der Fahrerassistenz, wo der SUV erstmals einen Parkassistenten mit einem aktivem Bremseingriff einführt, der den querenden Verkehr erfasst ("Cross Traffic Alert") und nötigenfalls eine Bremsung durchführt. Neu ist der zum serienmäßigen City-Notbremssystem mit Fußgänger- und Großtiererkennung ergänzte Kreuzungsbremsassistent, der Kollisionen beim Linksabbiegen an Kreuzungen verhindern soll. Darüber hinaus führt Volvo im XC40 sein sogenanntes Pilot Assist System ein, das teilautonomes Fahren bis 130 km/h ermöglichen soll und einen adaptiven Tempomaten mit Stauassistent umfasst. Das System funktioniert auf unserer Testtour noch etwas eckig, vor allem der Lenkeingriff erfolgt übereifrig, wodurch Unruhe ins Fahrzeug kommt. Weicher und mit mehr Toleranz agiert übrigens der Standard-Lane-Assist, der wie alle anderen Assistenzsysteme separat aktiviert werden kann. Im Stau mit Stop-and-Go-Passagen ist der Pilot Assist aber in jedem Fall eine echte Erleichterung und arbeitet zuverlässig.

Originell ist auch das Mobilitätsangebot "Care by Volvo", das per Online-Buchung eine Mobilitätsflatrate darstellen soll. Nach der Pilotphase will der Hersteller hier ab Juli 2018 eine flexible Mietspanne zur festen Monatsrate von einem bis 48 Monate anbieten, bei der der Kunde lediglich den Sprit bezahlt. Wartung, Service, Reifen sollen in dem Paket enthalten sein, alle Anfragen nimmt der sogenannte "Volvo Genius" entgegen. Und mit dem sogenannten "Red Key", einem knallroten Fahrzeugschlüssel, der im Auto verbleibt und programmierbar etwa auf ein bestimmtes Tempolimit ist, nimmt der XC40 etwaiges privates Carsharing vorweg. Der Entleiher muss sich lediglich die "Volvo On Call"-App auf seinem Smartphone installieren. Er erhält dann quasi einen Gastzugang zum Auto, mit dem er entriegeln und den Schlüssel für den Fahrbetrieb entsperren kann. Über die App kann der Eigentümer aber auch Funktionen des Fahrzeugs fernabfragen und steuern, etwa die Standheizung aktivieren, den Kraftstoffstand abfragen oder das Auto lokalisieren. Induktives Laden und Verbindung zu Apple Carplay und Android Auto gehören da zum guten Ton. Ebenso wie ein Harman Kardon Hifi-System, das exzellent und glasklar, wenngleich etwas mittenlastig klingt. Dafür hat man die Tieftöner zugunsten mehr Stauraum für Flaschen ins Armaturenbrett verpflanzt - ein cleveres Detail.

Was bedeutet das?

Auch Volvo kann und will sich dem für den Klimaschutz völlig kontraproduktiven SUV-Trend nicht entziehen, stellt mit dem XC40 aber immerhin einen kompakten Geländewagen auf die Räder, der zudem eine gute Raumausnutzung bei akzeptablem Verbrauch bietet. Dass dieser Trend aber im Hinblick auf die Flottengrenzwerte verheerend ist, ist dem Hersteller bewusst. Helfen soll eine rasche Hybridisierung des Fahrzeugs, deren Aussicht auf Erfolg man in Anbetracht der bisherigen Erfahrungen mit Hybridsystemen bezweifeln darf. Mehr dürfte die reine Elektrovariante bringen, auf die man aber noch ein paar Jährchen warten muss. Einstweilen könnte ein etwas sparsamerer Dreizylinder "die Kohlen aus dem Feuer" holen. Am besten passt aber schlicht und einfach der Diesel zu dieser wuchtigen Fahrzeuggattung. Ein Plus: Mit dem XC40 holt das teilautonome Fahren auch in diese Klasse, zudem viel Sicherheit und Vernetzung in Serie. Clever: Nutzen statt besitzen, diesem Motto folgt darüber hinaus die Mobilitäts-Flatrate, die besonders beim jüngeren Publikum gut ankommen dürfte. 

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