Volvo & SSAB: Fossilfreier Stahl soll Autobau nachhaltiger machen

Schwedenstahl reloaded: Die Geely-Tochter will auch bei der Emissionsreduktion in der Produktion vorankommen und steigt in die Erforschung der Herstellung fossilfreien Stahls ein, mit Spezialist SSAB.

Stahl neutral: Volvo widmet sich der Erforschung fossilfreier Stahlproduktion. Im Mehrmarken-Werk Luqiao, das zur Zhejiang Geely Holding gehört und von der Volvo Car Group betrieben wird, fertigt man die kompakten Modelle für China allerdings noch mit konventionellem Material. | Foto: Volvo
Stahl neutral: Volvo widmet sich der Erforschung fossilfreier Stahlproduktion. Im Mehrmarken-Werk Luqiao, das zur Zhejiang Geely Holding gehört und von der Volvo Car Group betrieben wird, fertigt man die kompakten Modelle für China allerdings noch mit konventionellem Material. | Foto: Volvo
Johannes Reichel

Die schwedische Geely-Tochter Volvo Cars und der schwedische Stahlhersteller SSAB haben die gemeinsame Erforschung der Entwicklung von hochwertigem fossilfreiem Stahl für den Einsatz in der Automobilindustrie angekündigt. Die Marke sei damit der erste Automobilhersteller, der mit SSAB und dessen HYBRIT-Initiative (Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology) zusammenarbeitet. Diese sieht man als die fortschrittlichsten Projekten der Stahlindustrie zur Entwicklung von fossilfreiem Stahl an. Zuletzt hatte allerdings auch Daimler angekündigt, ab 2025 "grünen Stahl" einsetzen zu wollen. BMW fociert den Einsatz recycelten Stahls und teils klimaneutralen Aluminums. Die HYBRIT-Initiative nun wurde vom Stahlhersteller SSAB, dem Eisenerzproduzenten LKAB und dem Energieunternehmen Vattenfall ins Leben gerufen.
 

Weg vom Eisenerz, hin zu Strom und Wasserstoff

Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Kokskohle, die traditionell für die eisenerzbasierte Stahlerzeugung benötigt wird, durch nachhaltig erzeugten Strom und Wasserstoff zu ersetzen. Das Ergebnis solle die erste fossilfreie Stahlerzeugung weltweit sein, die im Produktionsprozess ohne fossile Energiequellen auskommt und dadurch praktisch keinen CO2-Fußabdruck verursacht. Als erster Automobilhersteller werde Volvo in Zukunft Stahl aus wasserstoffreduziertem Eisen aus der HYBRIT-Pilotanlage in Luleå (Schweden) beziehen, kündigte man an. Dieser Stahl werde für Testzwecke verwendet und könnte etwa in einem Konzeptfahrzeug zum Einsatz kommen. Der Stahlerzeuger will im Jahr 2026 den Markt mit fossilfreiem Stahl im kommerziellen Maßstab beliefern.

Stahlindustrie: Sieben Prozent der globalen CO2-Emission

Die weltweite Stahlindustrie ist für rund sieben Prozent der globalen direkten Kohlenstoff-Emissionen verantwortlich. Derzeit dominiert in der Branche eine auf Eisenerz basierende Technik zur Stahlproduktion, bei der Hochöfen zum Einsatz kommen, die auf Kokskohle angewiesen sind. Die CO2-Emissionen, die mit der Stahl- und Eisenproduktion für Fahrzeugkomponenten verbunden sind, betragen bei der schwedischen Marke etwa 35 Prozent bei einem konventionell angetriebenen und 20 Prozent bei einem vollelektrischen Fahrzeug.

Die Zusammenarbeit mit SSAB ist die jüngste Initiative im Rahmen des Klimaschutzplans des Autoherstellers. Dabei will man bis 2030 eine vollelektrische Marke werden. Darüber hinaus sollen die CO2-Emissionen in allen Geschäftsbereichen des Unternehmens, in der gesamten Lieferkette sowie durch Recycling und Wiederverwendung von Materialien gesenkt werden. Kurzfristig sollen diese und weitere Schritte den CO2-Fußabdruck eines Volvo Fahrzeugs über den gesamten Lebenszyklus bis 2025 um 40 Prozent gegenüber 2018 reduzieren. Bis 2040 will man dann ein klimaneutrales Unternehmen sein.

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