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Volvo: Rekordjahr und Rückzug von Polestar?

In einer strategischen Neuausrichtung plant Volvo Cars, die finanziellen Bande zu seiner Elektroauto-Tochter Polestar, einem Joint Venture mit der chinesischen Muttergesellschaft Geely, zu lockern.

Polestar plant perspektivisch die Einführung von bis zu vier neuen Modellen. Der Polestar 3 und 4 sind für 2024 gesetzt. | Foto: Polestar
Polestar plant perspektivisch die Einführung von bis zu vier neuen Modellen. Der Polestar 3 und 4 sind für 2024 gesetzt. | Foto: Polestar
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Gregor Soller

2023 war ein durchwachsenes Jahr in Torslanda, wo Polestar und Volvo ihre die Zentralen haben: Während Polestar seine Ziele verfehlt hat und deshalb jetzt Mitarbeiter abbauen muss, war für Volvo ein Rekordjahr: Mit einem Verkauf von 113.419 Elektroautos, was einen Anstieg um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einen Anteil von 16 Prozent am gesamten weltweiten Verkaufsvolumen, bedeutet, hat Volvo Cars seine Position im Elektrofahrzeugmarkt weiter gefestigt. Dazu kommt ein Der Rekordabsatz von insgesamt 708.716 Fahrzeugen aller Antriebsarten, was zu einem Umsatzanstieg um 21 Prozent auf 399,3 Milliarden Schwedische Kronen und einen Betriebsgewinnanstieg um 43 Prozent führte.

Sorgen bereitet jedoch das Ergebnis von Polestar, weshalb Volvo seine Beteiligung und weitere Investitionen nun überprüft. Elektroautobauer Polestar konnte 2023 mit 54.600 Auslieferungen das Ergebnis des Jahres 2022 nur um dünne sechs Prozent steigern. Damals hatte die schwedisch-chinesische Volvo-Schwestermarke 51.500 Fahrzeuge an Kunden übergeben.

Dieser Schritt markiert einen Wendepunkt in der Beteiligungsstrategie von Volvo und unterstreicht das Bestreben, eigene finanzielle Ressourcen gezielter in die Weiterentwicklung seiner Technologie und Produktionsinfrastruktur zu investieren. Die Entscheidung, keine weiteren finanziellen Mittel in Polestar zu pumpen und stattdessen eine Anpassung der Beteiligung zu prüfen, wurde im Zuge der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse für das Jahr 2023 offenbart. Volvo Cars erwägt dabei, Anteile an seine Aktionäre zu übertragen, um sich verstärkt auf seine eigenen ambitionierten Ziele zu konzentrieren.

Geely wird seinen Einfluss auf Polestar ausbauen und stärker ins Risiko gehen müssen

Die Neuausrichtung beinhaltet auch, dass Geely über seine schwedische Tochtergesellschaft seinen Einfluss auf Polestar verstärken wird, während Volvo Cars ein bestehendes Darlehen an Polestar um 18 Monate verlängert. Trotz der finanziellen Umstrukturierung betonen die Schweden, dass Polestar mit einem robusten Geschäftsplan und umstrukturierten Management in eine vielversprechende Wachstumsphase eintritt, auch wenn die Marke ihre Ziele für 2023 verfehlt hat und eine erhebliche Personalreduktion durchführen musste.

Polestar, ursprünglich eine auf die Modifizierung von Volvo-Modellen spezialisierte Privatfirma, hat sich unter dem Dach von Volvo und Geely zu einer eigenständigen Elektroautomarke entwickelt. Die nun angekündigte finanzielle Entflechtung zwischen Volvo Cars und Polestar soll die operativen Synergien in Forschung und Entwicklung, Fertigung und Vertrieb unberührt lassen, da diese Kooperationen weiterhin beiden Seiten Vorteile bringen.

Der EX30 soll sehr gute Margen einfahren

Bis 2025 plant Volvo zahlreiche Investitionen, welche die Bereiche Elektrifizierung, Software, Computing-Architekturen, Konnektivität, Datenerfassung und -analyse, Mega-Casting, E-Motoren der nächsten Generation und auch die Batterietechnologie umfassen. Diese strategischen Investitionen sollen zu signifikanten Kosteneinsparungen und einem profitablen Wachstum bei der nächsten Generation von Volvo-Elektroautos führen. Darüber hinaus setzt Volvo auf eine Verbesserung der Margen seiner Elektrofahrzeuge, beginnend mit dem aktuellen Modell EX30, das Bruttomargen zwischen 15 und 20 Prozent erzielen soll.

Für die bevorstehenden Modelle EX90 und EM90 wird ebenfalls erwartet, die Rentabilitätslücke zu Verbrennermodellen zu schließen. Für 2024 konzentriert sich Volvo auf den Produktionshochlauf des EX30 und den Produktionsstart des EX90 im ersten Halbjahr.

Was bedeutet das?

Auch Polstar kämpft mit en typischen Problemen aller neuen Marken und Start-Ups: Der Markthochlauf gestaltet sich schwieriger als gedacht und die geplante Erweiterung der Palette kostet extrem viel Geld und Kraft – auch Volvo. Und obwohl beide Marken ihre zentralen in Torslanda haben (Polestar nutzt ein Ex-Volvo-Gebäude) gibt es durchaus auch Rivalitäten zwischen der „alten Mutter“ Volvo und der jungen „Herausforderermarke“ Polestar. Doch während Volvo zurück in der Erfolgsspur ist und 2023 massiv wachsen konnte, tut sich Polestar schwer. Und nachdem sich das über die Beteiligung unmittelbar auf die Ergebnisse von Volvo auswirkt, plant man nun, die finanziellen Mittel lieber selbst zu nutzen, als der Tochter immer weiter Geld nachzuschießen. Was insofern kein ganz so großes Problem ist, als mit der mächtigen Mutter Geely ein potenter Geldgeber im Hintergrund steht. Trotzdem hat dieser „Bruch“ zwischen den Schweden einen unguten Beigeschmack und Geely hat aktuell viele offene Baustellen: Denn neben Polestar müssen auch LEVC, Lynk&Co und Zeekr irgendwann mal richtig Marktanteile holen und Geld verdienen…

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