Volvo plant für 2020

2020 sollen alle Modelle elektrifiziert sein. Außerdem setzt man weiter auf einen starken Handel mit 240 Betrieben und eine Kooperation mit New Motion.

Im Berliner Autohaus König & Platen verkündete Volvo seine Pläne für 2020
Im Berliner Autohaus König & Platen verkündete Volvo seine Pläne für 2020
Gregor Soller

Volvo in Deutschland hat seine Zulassungen in Deutschland seit 2014 kontinuierlich gesteigert: Ende 2019 sollen erstmals mehr als 50.000 Volvo im Jahr zugelassen worden sein. Außerdem erhöht man die Elektrifizierung: Im nächsten Jahr steht für den deutschen Markt die dreifache Produktionskapazität an Plug-in-Hybriden zur Verfügung, zum Jahresende 2020 ergänzt der vollelektrische XC40 Recharge als erstes vollelektrisches Modell das Programm, das über 400 Kilometer Reichweite nach WLTP bieten soll. Das Infotainment-System auf Basis des Android-Betriebssystems von Google geht bei der bei der Konnektivität den nächsten Schritt für Volvo. Deutschland ist der größte Markt in Europa und einer der wichtigsten für Volvo weltweit.

Thomas Bauch, Geschäftsführer der in Köln beheimateten Volvo Car Germany GmbH erklärt dazu:

„Ende 2020 wird kein neues Volvo Modell mehr ohne einen Elektromotor ausgeliefert. Das gesamte Volvo Portfolio ist dann elektrifiziert, entweder mit einem Mild-Hybrid, einem Plug-in-Hybrid oder mit einem vollelektrischen Antriebsstrang.“

Die globalen Ziele zum Klimaschutz wurden ebenfalls klar formuliert: Bis 2025 soll die CO2-Bilanz jedes Volvo Modells um 40 Prozent reduziert werden. 50 Prozent der Neuwagen sind dann vollelektrisch, wodurch die CO2-Emissionen pro Fahrzeug um 50 Prozent geringer ausfallen. Bis 2040 soll Volvo weltweit zu einem klimaneutralen Unternehmen umgebaut werden. Dementsprechend soll sich laut Bauch binnen der kommenden zwölf Monate das Volvo Portfolio auch auf dem deutschen Markt verändern: Ein Modell ausschließlich mit Verbrennungsmotor wird es ab Ende 2020 nicht mehr geben. Mild- und Plug-in-Hybride bestimmen zukünftig den größten Teil des Angebots. Aktuell hat Volvo zehn Plug-in-Hybride im Programm, 2020 kommen weitere vier hinzu. Dem Volvo XC40 Recharge folgen bis 2025 weitere vier vollelektrische Volvo. Laut Bauch werden man das Setting ändern: Waren die elektrifizierten Modelle bisher Derivate der Verbrenner, sollen die Verbrenner künftig Derivate der E-Modelle werden.

Ebenfalls neu: Eine Partnerschaft mit der Shell-Tochter New Motion. New Motion wird die Ladetechnik (Volvo gebrandete, smarte, eichrechtskonforme Wallboxen) zur Verfügung stellen, außerdem optional bei Installation und Montage mit behilflich sein. Dafür veranschlagt Volvo in der Leasingrate pauschal 30 Euro extra pro Monat, sofern man zwischen 1.1.2020 und 31.3.2020 einen Leasingvertrag für mindestens 36 Monate abschließt. Den Gegenwert, den Volvo hier anbietet, beziffern die Schweden mit 2.500 Euro. Außerdem möchte man die Plug-in-Fahrer verstärkt zu Laden bewegen: In einer Aktion, die bis Juni 2020 laufen wird, plant Volvo, den Teilnehmern den kompletten Strom zu erstatten, der in dieser Zeit geladen wurde. Die Messung erfolgt in KW 20/2020, das ganze läuft über die Volvo-eigene App, die so auch vom Hersteller ausgelesen werden kann. Volvo denkt hier auch über Challenges in Flotten nach, die man digital aufsetzen könnte. Etwas dünner sieht es beim sonstigen Fleet-Business aus: Hier plant man, Elektrifizierungspotenzial und Installation über bereits vorhandene Online-Rechner, den Handel und Elektriker vor Ort abzuwickeln.

Den Handel sieht man nach wie vor als unverzichtbar an, da man Kompetenz vor Ort brauche. Denn der Handel muss sich auch um die Abwicklung des Mietmodells „Volvo Care“ und die Polestar-Modelle kümmern. Hinter den Kulissen ergaben erste Versuche und Piloten, dass ein fahrzeugvertrieb ohne Handel eher kompliziert wird – eine Erfahrung, die auch Tesla machen musste. Auch hier will man laut Thomas Bauch nachlegen, zumal man mit Volvo die höchste Kundenzufriedenheit habe:

„Mit der Volvo Retail Experience, dem Volvo Personal Service, den Volvo Accessory Centern und einer permanenten Kompetenzentwicklung in aufwändigen Trainings wird das sichergestellt.“

Der Um- bzw. Neubau der 240 Volvo Verkaufsbetriebe feiert jetzt mit der Fertigstellung eines Millionen-Projekts in Berlin Halbzeit. Volvo Partner König & Platen bietet am Standort Wittestraße 32 ab sofort 350 Quadratmeter Volvo Ausstellungsfläche und eine Werkstatt mit Volvo Personal Service.

Weitere 50 Projekte werden in den kommenden Monaten fertiggestellt bzw. deren Baubeginn steht an. Ziel ist, dass bis Ende des Jahres 2020 etwa 85 Prozent aller die schwedische Marke repräsentierenden Autohäuser in Deutschland der Volvo Retail Experience entsprechen.

Die Volvo Car Group hatte mit dem Beginn der Produktoffensive im Jahr 2014 einen Wachstumsplan bekanntgegeben, der bis Ende 2020 weltweit eine Verdopplung der Absatzzahlen und des Marktanteils zum Ziel hat. Dieser Plan gilt auch für den deutschen Markt. Nach sechs erfolgreichen Jahren plant Geschäftsführer Thomas Bauch 2020 in Richtung 60.000 Neuzulassungen, und das obwohl der V40 ab 2020 aus dem Programm fallen soll und ab Produktionswoche 17 die 180-km/h-Begrenzung bei der Höchstgeschwindigkeit gilt: „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt. Das uns zur Verfügung stehende Produktangebot erfüllt in jeglicher Hinsicht die Anforderungen an Fahrzeuge der Premium-Klasse und wir sind bei den – insbesondere von gewerblichen Kunden – stark gefragten Modellen mit elektrifiziertem Antriebsstrang voll lieferfähig.“

Den geringeren Wartungsaufwand bei den Elektromodellen könnten höhere Stundensätze in den Werkstätten kompensieren. Denn für die Stromer müssen spezielle, abschließbare Hochvolträume angelegt werden. Gleichzeitig investieren Betriebe wie König & Platen massiv in die E-Kompetenz ihrer Mitarbeiter: im Idealfall sollen sie auch die Kompetenz zur Bewertung der Haustechnik samt Anschlussleitung und die Installation der Ladetechnik beherrschen. Am liebsten würde König & Platen-Geschäftsleiter Lukas König später ein Kunden-Komplettpaket aus einer hand schnüren. 

Was bedeutet das?

In Berlin legte Volvo seine Pläne für 2020 vor. Die sind ambitioniert, aber realistisch. Interessant: Das Hervorheben des Handels als wichtiger Partner im Vertrieb. Zwischen den Zeilen klang durchaus hervor, dass man das Auto- und Servicegeschäft ohne Handelspartner nur schwer stemmen kann - die ihrerseits die Herausforderung im Service annehmen. 

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