Volvo: Neues elektrisches SUV mit bis zu 900 Kilometer Reichweite

Die mit dem XC 90 startende zweite Generation der Volvo E-Stromer soll mit der zweiten verbesserten Lithium-Ionen-Batteriegeneration nach WLTP bis zu 900 Kilometer Reichweite und schnellere Ladezeiten bieten.

Der XC-90-Nachfolger könnte bis zu 900 Kilometer mit einer Ladung schaffen - nach WLTP. Dank dichterer Akkus, verbesserter Aerodynamik und hoffentlich weniger Gewicht. | Foto: Volvo Cars
Der XC-90-Nachfolger könnte bis zu 900 Kilometer mit einer Ladung schaffen - nach WLTP. Dank dichterer Akkus, verbesserter Aerodynamik und hoffentlich weniger Gewicht. | Foto: Volvo Cars
Gregor Soller

Auch bei den Akkus geht Volvo riesige Schritte: Die prismatische Zellstruktur soll die Gesamtsteifigkeit des Fahrzeugs erhöhen und die Effizienz verbessern. Dazu arbeitet Volvo Cars arbeitet mit dem führenden schwedischen Batteriehersteller Northvolt zusammen, um bereits in naher Zukunft die Energiedichte in den Batteriezellen im Vergleich zu den aktuell auf dem Markt angebotenen Akkus um bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Noch in diesem Jahrzehnt will Volvo Cars außerdem den Meilenstein von 1.000 Wattstunden pro Liter (Wh/l) Energiedichte knacken, um reale Reichweiten von dann bis zu 1.000 Kilometern zu ermöglichen. Die momentanen Ladezeiten sollen bis Mitte des Jahrzehnts dank besserer Batterietechnik und kontinuierlicher Verbesserungen an Software und Schnellladetechnik nahezu halbiert werden.

Akkus der Zukunft: Mehr Dichte, aber ungewisse Rohstoff- und Prozesskosten

Auch die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit in der Batteriefertigung steigt. Denn die Rohstoffpreise entwickeln sich bei weitem nicht so günstig wie gedacht und hinter den künftigen Prozesskosten steht ein weiteres großes Fragezeichen. Trotzdem werden die Akkus relativ gesehen günstiger, da ihre Energiedichte dramatisch steigt. Und trotz steigender Batteriekapazität sollen zugleich deren CO2-Emissionen kontinuierlich reduziert werden. Die Batteriezellen aus der geplanten Zusammenarbeit von Volvo Cars und Northvolt sollen aus einer Produktion entstehen, die zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien arbeitet. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen mit seinen anderen Batterielieferanten zusammen, um dies bis 2025 mit ihnen ebenfalls zu erreichen. Das wird auch das Jahr sein, ab dem man den Anteil „eigner“ Akkus im Portfolio massiv steigert.

Sauberer und verantwortungsvoller: Die Akkuproduktion

Wichtig ist dabei eine günstige Energierate bei der Herstellung, wofür Schweden oder Finnland mit viel Grünstrom durch Wasserkraft gute Voraussetzungen böten. Und natürlich plant auch Volvo eine noch engere Zusammenarbeit mit seinen Partnern und Zulieferern sowie eine breitere Nutzung der Blockchain, die eine lückenlose Nachverfolgbarkeit von seltenen Erden und wertvollen Materialien ermöglicht. Ein weiterer Schritt ist Recycling: Wo immer möglich, sollen die Batterien wiederaufbereitet oder wiederverwendet werden. Auch Second-Life-Anwendungen, beispielsweise zur Energiespeicherung, werden derzeit geprüft. Haben die Akkus das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, sollen sie bei autorisierten Fachunternehmen recycelt werden. Das Ziel ist auch bei Volvo ein geschlossener Kreislauf für kritische Materialien, damit diese in zukünftigen Batterien nochmals verwendet werden können. Durch die geplante Partnerschaft mit Northvolt kann die Volvo Car Group auch auf deren etabliertes Recycling-Verfahren zurückgreifen.

CEO Samuelsson rechnet mit echter Kostenparität zwischen Verbrenner und E-Autos im großen Premium-SUV ab 2025

Als Hakan Samuelsson gefragt wird, wann er eine Kostenparität mit den Verbrennern erwartet, rechnet er ehrlich und antwortet: Nicht vor 2025. Denn noch seien die Kunden bereit , für das hochwertige leise elektrische und ansatzlose Fahrerlebnis anfangs vielleicht einen kleinen Aufpreis zu zahlen, doch diese Bereitschaft schwinde. Und die Herstellung von Verbrennern würde ebenfalls nicht günstiger.

Startet im neuen SUV: Das bidirektionale Laden

Als erstes Volvo Modell wird das neue SUV bidirektional laden können: So lässt sich die in der Fahrzeugbatterie gespeicherte Energie beispielsweise ins heimische Stromnetz einspeisen. Bei niedrigen Preisen und viel „grünem“ Strom soll man günstig und nachhaltig laden. Wenn am Markt vergleichsweise hohe Preise vorherrschen oder die CO2-Emissionen einen Höchststand erklimmen, könnte die Energie aus dem Fahrzeug auch im Haus genutzt werden, sofern man demnächst keine Langstrecke plant.  Damit könnte das Auto auch als „mobiler Stationärspeicher“ eingesetzt werden.

Die Elektrifizierungsstrategie von Volvo Cars sieht die interne Entwicklung und Produktion von Batterien, Elektromotoren und relevanter Software in Zusammenarbeit mit strategischen Partnern vor. Das Ziel ist es, möglichst viele Synergien und Effizienzgewinne in der gesamten Batterielieferkette zu erzielen. Die Partnerschaft mit Northvolt betrachten die Schweden als einen Schlüssel, um eine führende Position im Premium-Elektroauto-Segment einzunehmen und ab 2030 ausschließlich Elektrofahrzeuge zu verkaufen. Aber auch hier ist man wieder ehrlich und bescheiden: Denn die Partnerschaft markiert für die Schweden auch einen wichtigen Schritt in der Erweiterung der eigenen Fähigkeiten in der Produktion und Entwicklung – durch Partnerschaften mit Technologieführern.

Was bedeutet das?

Interessante Hintergrundinformationen: Die Akkupreise sinken nur relativ über die höhere Leistungsdichte, eher weniger bei den Rohmaterialien und Prozesskosten. Deshalb sucht auch Volvo bei der Akkuherstellung mehr Unabhängigkeit von Zulieferen und will die Recyclingquote drastisch erhöhen. Starke Ansage: Die neue WLTP-Reichweite von bis zu 900 Kilometern für den XC 90 – was reale 500 Kilometer plus bedeuten könnte und damit: Immer genug! Zumal, wenn man dereinst mit bis zu 350 kW nachladen kann.

Printer Friendly, PDF & Email