Volvo: Nächste SUV-Generation kommt mit Lidar

Mit der nächsten Modellgeneration geht Volvo Cars den nächsten Schritt in Sachen Sicherheit

Der nächste XC 90 soll in Sachen Sicherheit wieder einen großen Schritt vorangehen. | Foto: Volvo Cars
Der nächste XC 90 soll in Sachen Sicherheit wieder einen großen Schritt vorangehen. | Foto: Volvo Cars
Gregor Soller

Sie haben es schwedisch-warm eingerichtet: In Strickjacken gekleidet sitzen Volvo-CEO Hakan Samuelsson und Technik-Chef Henrik Green auf bequem bekissten Couchen und präsentieren in ruhigem Ton nicht weniger als die sichersten Fahrzeuge der Unternehmensgeschichte. Erstes Modell soll das neue große SUV werden, also der XC-90-Nachfolger. Glaubt man den Grafiken, wieder mit steiler Heckscheibe und klar sichtbaren Lidar auf dem Dach. Er wird auch das erste SUV auf einer neuen, ausschließlich auf Elektroantrieb ausgelegten Technik-Plattform und kommt serienmäßig mit der von Luminar entwickelten LiDAR-Technik und einem autonomer Fahrcomputer mit Nvida Drive OrinSystem-on-a-Chip (SoC). Damit soll das Flaggschiff einen neuen Standard setzen.

Echtzeitdaten sollen das Sicherheitssystem schneller verbessern

Neben moderner Soft- und Hardware sollen Echtzeitdaten das Sicherheitsniveau weiter heben. Sie sollen auch bei der kontinuierlichen und schnellen Verbesserung der Assistenz- und Sicherheitssysteme helfen. Gleich zu Beginn wird CEO Samelsson gefragt, ob die Lidar-Technik nicht zu teuer wäre, worauf der antwortet:

„Wir können es uns nicht leisten, keinen Lidar in einem Volvo zu haben, wenn die Technik verfügbar ist.“

Verkehrsdaten aus realen Situationen helfen bei der Entwicklung neuer Technik, die Autos immer sicherer macht. Mit der nächsten Fahrzeuggeneration will Volvo Cars zusätzlich die Daten von Kundenfahrzeugen in Echtzeit auswerten und verarbeiten – falls der Kunde dies erlaubt. Auf die kritische Frage, ob das nicht Probleme mit der Datenverarbeitung gäbe, erklärt Mats Moberg, Leiter der Forschung und Entwicklung bei Volvo Cars:

„Wir werten seit 50 Jahren echte Unfälle aus, um die Daten zu verbessern.“

CEO Hakan Samelsson fordert noch mehr Schnelligkeit – könnte klappen

Somit könnten die Daten der Volvo-Fahrer künftig helfen, das Sicherheitsniveau seiner Fahrzeuge kontinuierlich und schneller zu verbessern. Die von Luminar entwickelte hochauflösende LiDAR-Technik liefert beispielsweise Informationen zur Fahrzeugumgebung. Die Volvo Ingenieure sind dadurch in der Lage, Funktionen des autonomen Fahrens schneller zu validieren sowie zu verifizieren und so deren sichere Einführung zu beschleunigen. Mit zehntausenden Volvo Fahrern und ihren Millionen gefahrenen Kilometern weltweit lassen sich bestimmte geographische Standorte kartographieren und kontrollieren – schneller als mit Testfahrzeugen, die nur in begrenzter Zahl an wenigen Orten unterwegs sind. Verifizierte Aktualisierungen bestehender Systeme und neue Funktionen werden im Anschluss durch Over-the-Air-Updates schnell ausgerollt. Dadurch werden Volvo Fahrzeuge Schritt für Schritt immer sicherer. Das erste Fahrzeug, das von diesem neuen Ansatz der Sicherheitsentwicklung profitiert, wird auch ebenso das erste SUV von Volvo sein, das auf einer neuen rein elektrischen Technik-Plattform basiert.

„Mit Hilfe von Echtzeitdaten können wir unsere Entwicklungsprozesse beschleunigen und den Zeitraum von Jahren auf Tage verkürzen“, erklärt Ödgärd Andersson, CEO von Zenseact, der Software-Abteilung für autonomes Fahren von Volvo Cars. Sie ergänzt:

„Da die Echtzeit-Erfassung viel mehr Daten generiert, können wir bessere und qualitativ hochwertigere Datensätze erstellen. Diese ermöglichen uns, bessere und schnellere Entscheidungen über die nächsten Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Wir machen einen großen Schritt, um die Sicherheit in unseren Fahrzeugen und um diese herum zu erhöhen.“

Um die gesammelten Echtzeit-Verkehrsdaten zu verarbeiten, investieren Volvo Cars und Zenseact in eine gemeinsame Datenfabrik. Sie erhält in den nächsten Jahren mehr als 200 PebiBytes (225 Millionen Gigabytes) an Daten. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) sollenn diese in Rekordzeit ausgewertet werden. Die Kunden entscheiden selbst, ob diese Daten überhaupt gesammelt und unter Einhaltung der Privatsphäre zusammengeführt werden.

„Sicherheit ist Teil unseres Erbes und das Rückgrat unseres Unternehmens, aber Software ist ein entscheidender Teil unserer modernen DNA“, erklärt Moberg und ergänzt:

„Während wir also weiterhin auf die 50-jährige Expertise der branchenführenden Volvo Cars Unfallforschung bauen, nutzen wir nun auch künstliche Intelligenz als neues, virtuelles Unfallforschungsteam.“

Die Nutzung von Echtzeitdaten ist Teil einer längerfristigen Volvo Vision für eine sichere Zukunft: Durch hochwertige Sensoren sowie fortschrittliche, sich ständig verbessernde Sicherheits- und autonome Fahrsysteme sollen sich Kollisionen in Zukunft effektiv verhindern lassen, denn das Ziel „Zero collision“ steht bei Volvo nach wie vor.

Samuelsson ergänzt darüber hinaus, dass das auch Vorteile bei den Versicherungseinstufungen und damit bei den TCO für die Kunden brächte. Bezüglich vollautonomen Fahrens bremst Technikchef Henrik Green zu hohe Erwartungen: man unterscheide nicht zwischen einzelnen Leveln, sondern zwischen überwachtem und unüberwachtem Fahren. Und der Anteil der letzteren Art wird kontinuierlich steigen. Green vergleicht das mit den Schritten, die bisher mit den neuen Sicherheitssystemen erreicht wurden und Ödgärd Andersson stellt klar:

„Das autonome Fahren wird nicht wie ein Schalter von heute auf morgen kommen, sondern sich regional entwickeln.“

Dazu werden stückweise Schilder und Straßenzustände „eingelesen“, gelernt und verarbeitet, dass aus den vielen Datenflicken eines Tages ein großer Sicherheits-Teppich gewebt werden kann. Der macht, in dunklem rot die konzentrierte, warmen Volvo-Runde noch wärmer.

Was bedeutet das?

Volvo widmet sich wieder seinem Ur-USP: Sicherheit. Und möchte hier beim neuen, elektrischen XC 90 wieder neue Maßstäbe setzen. Und bietet nebenher einen realistischen Weg an, wie die Fahrzeuge noch sicherer werden und natürlich auch autonomer fahren – aber nicht autonom. So viel Zeit muss sein!

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