Volvo EX90: Der Vollformat-SUV wird vollelektrisch

Das siebensitziges Elektro-SUV baut auf eine neue Technik-Architektur, hohes Sicherheitslevel und vernetzte Technik sowie Allradantrieb. Bis zu 600 Kilometer Reichweite sollen dank eines großformatigen 111-kWh-Akkus drin sein - und mit 300 und 380 kW überbordende Leistung.

Klare Kante beim schweren Wagen: Der EX90 ist deutlich als Volvo-SUV zu erkennen und löst den wuchtigen XC90 ab. Leichter wird er wohl nicht - mit 111 kWh-Akku im Unterboden. | Foto: Volvo Cars
Klare Kante beim schweren Wagen: Der EX90 ist deutlich als Volvo-SUV zu erkennen und löst den wuchtigen XC90 ab. Leichter wird er wohl nicht - mit 111 kWh-Akku im Unterboden. | Foto: Volvo Cars
Johannes Reichel

Die schwedische Tochter des chinesischen Geely-Konzerns hat in Stockholm den Nachfolger des Oberklasse-SUV XC90 vorgestellt, der vollelektrisch fährt. Mit dem Volvo EX90 falle zugleich der Startschuss für eine umfassende Modelloffensive, kündigte der Hersteller an. Jedes Jahr soll dabei ein neues vollelektrisches Fahrzeug kommen, ab 2030 will man nur noch Elektroautos anbieten. Bis 2040 wollen die Schweden dann als Unternehmen klimaneutral wirtschafen. Auch die Produktionsstätten in Ridgeville (USA) und Chengdu (China) werden auf klimaneutralen Betrieb umgestellt, bevor der Vollformat-SUV ab dem nächsten Jahr zunächst in den USA und danach auch in China vom Band läuft. Das in der Stockholmer Innenstadt vorgestellte Premium-SUV zeigt eine moderne Interpretation des skandinavischen Designs.

„Der Volvo EX90 ist ein Statement dafür, wo wir stehen und wohin wir gehen. Er hebt unsere Sicherheitsstandards auf ein neues Level und ist zudem das erste Volvo Fahrzeug, das wirklich durch seine Software definiert wird und Teil eines größeren Ökosystems ist, das sich mit dem Zuhause und anderen persönlichen Geräten verbindet. Vollelektrisch mit bis zu 600 Kilometer Reichweite pro Akkuladung unterwegs, ist der Volvo EX90 damit in vielerlei Hinsicht der Beginn von etwas Neuem für Volvo Cars“, erklärte Jim Rowan, Präsident und CEO von Volvo Cars.

Neue Sicherheitstechnik soll durch permanentes Lernen und regelmäßige Updates auf dem Stand bleiben, neueste Sensortechnik innen und außen eine Art "Schutzschild" bilden. Die Kombination von Kameras, Radar und Lidar ist mit NVIDIA DRIVE Hochleistungscomputern und Volvo eigener Software verbunden und schafft so eine 360-Grad-Echtzeitansicht der Umgebung. Der in die Dachlinie integrierte Lidar-Sensor (Light Detection and Ranging) beobachtet die vorausliegende Straße – und das unabhängig vom Lichteinfall zuverlässig bei Tag und Nacht, auch bei höheren Autobahngeschwindigkeiten. Objekte werden Hunderte Meter im Voraus erkannt, wodurch mehr Zeit zum Informieren, Handeln und Ausweichen bleibt. Die Sensoren tragen auch dazu bei, die Zuverlässigkeit und die Gesamtleistung des Pilot Assist zu verbessern, der mit einer neuen Lenkunterstützung nun auch beim Spurwechsel hilft, verspricht der Hersteller.

Big Brother: Fahrermonitoring im Innenraum

Im Innenraum kommt erstmals ein Fahrer-Monitoring-System zum Einsatz: Spezielle Sensoren und Kameras, die eigens entwickelte Algorithmen nutzen, erkennen, wenn der Fahrer abgelenkt, schläfrig oder anderweitig unaufmerksam ist. Reagiert er nicht auf immer eindringlicher werdende Warnungen – beispielsweise, weil er eingeschlafen oder ohnmächtig ist –, könne der E-SUV sogar selbstständig am Fahrbahnrand anhalten und Hilfe alarmieren, schwärmt der Hersteller. Hardwareseitig sei das Modell bereits auf das unüberwachte autonome Fahren der Zukunft vorbereitet.

Vernetzte Technik

Die Kombination der NVIDIA DRIVE Plattformen Xavier und Orin, der Snapdragon Cockpit-Plattform von Qualcomm Technologies und inhouse von Volvo entwickelter Software , das sogenannte Core Computing, soll den Elektro-SUV in einen rollenden, intelligenten Computer verwandeln und steuert die meisten zentralen Fahrzeugfunktionen – von Sicherheitssystemen über Infotainment bis zum Batteriemanagement. Im Effekt will man ein reaktionsschnelleres und angenehmeres Fahrerlebnis realisiert haben. Die Snapdragon Cockpit-Plattform wird gekoppelt mit den Visualisierungsmöglichkeiten der Unreal Engine von Epic Games: Durch die blitzschnelle Rechenleistung sind fotorealistische Echtzeit-Grafikdarstellungen auf den Bildschirmen und im Head-up-Display möglich, wirbt der Hersteller. Die kontextbezogene Darstellung der wichtigsten Informationen und Funktionen soll die Übersicht verbessern.

Zentral ist ein 14,5-Zoll-Touchscreen, der Zugang zum Infotainmentsystem bietet. Dessen Betriebssystem Android Automotive integriert verschiedene Google-Services wie den Navigationsdienst Google Maps und den Sprachassistenten Google Assistant. Über den Play Store können Kunden zudem weitere Apps herunterladen. Die serienmäßige 5G-Internetverbindung des Fahrzeugs soll dabei mobilen Datenzugriff sichern und bildet nicht nur die Basis für die App-Nutzung und eine intuitive Echtzeit-Navigation, sondern dient auch zum Musik-Streaming. Das will man durch das Bowers & Wilkins Premium-Audiosystem zum besonderen Klanggenuss gemacht haben. Dazu gehört Dolby-Atmos-Technik und in die Kopfstützen integrierte Lautsprecher.

Auf Teslas Spuren: Smartphone statt Schlüssel

Serie ist die „Phone Key“-Technik, bei der das Smartphone den Fahrzeugschlüssel ersetzt: Auch starten lässt sich der E-SUV per handy. Neben einer persönlichen Begrüßungssequenz werde auch das individuelle Fahrprofil automatisch geladen, sobald der Fahrer Platz nimmt. Im Interieur setzt man zudem auf natürliche und "verantwortungsvoll" hergestellte Materialien. Das eigenentwickelte und unter anderem aus Vinyl, recycelten PET-Flaschen und Weinkorken hergestellte Material „Nordico“ ersetzt Leder, ohne Einbußen bei Komfort und Wertigkeit, wie man verspricht. Darüber hinaus enthält der Strom-SUV etwa 15 Prozent recycelten Stahl, etwa 25 Prozent recyceltes Aluminium sowie 48 Kilogramm Kunststoffe recycelten oder biobasierten Ursprungs, was rund 15 Prozent aller verwendeten Kunststoffe im Fahrzeug entspricht – der höchste Wert, den jemals ein Volvo Modell erreicht hat, wie man wirbt.

Kraftvoller Antrieb mit Allrad und 300 sowie 380 kW

Aufbauend auf der neuen Technik- und Software-Architektur SPA II (Scalable Product Architecture II), werden zum Marktstart zunächst zwei Allradversionen angeboten, die mit Elektromotoren an beiden Achsen insgesamt 300 kW (408 PS) bzw. 380 kW (517 PS) und 770 Nm bzw. 910 Nm Drehmoment entwickeln. Die Reichweite beträgt bis zu 600 Kilometer pro Akkuladung (WLTP kombiniert). Dank Schnellladefunktion lässt sich die 111 kWh große Hochvoltbatterie innerhalb von 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent aufladen. Zudem verfügt der EX90 als erstes Modell der schwedischen Marke über die notwendige Hardware für bidirektionales Laden. Die künftige Einführung ist zunächst für ausgewählte Märkte geplant.

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