Volvo Cars will mit Recycling-Kreisläufen CO2-Emissionen und Kosten senken

Durch geschlossene Recycling-Kreisläufe will Volvo jährlich fast 100 Millionen Euro und 2,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Bei einem Round Table verrieten uns Anders Kärrberg, Head of Global Sustainability & Volvo Cars Strategy und Ulrik Persson, Director Traction Battery Developement, Hintergründe zu Volvos Plänen

Schon bei der Produktion gibt es extrem viele Stellhebel, den CO2-Ausstoß zu senken. | Foto: Volvo Cars
Schon bei der Produktion gibt es extrem viele Stellhebel, den CO2-Ausstoß zu senken. | Foto: Volvo Cars
Gregor Soller

Auch Volvo Cars hat sich der Klimaneutralität verpflichtet und möchte bis 2040 ein klimaneutrales Unternehmen sein. Das bedingt im Prinzip auch das zweite Ziel, nämlich vollständig nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft zu arbeiten. Im ersten Schritt setzt Volvo Cars dazu auf Recycling-Kreisläufe und will so ab 2025 jährlich eine Milliarde Schwedische Kronen (rund 98,1 Millionen Euro) sowie 2,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Volvo wird geschlossene Kreisläufe für emissionsintensive Materialien wie Stahl und Aluminium schaffen sowie Teile aufbereiten, reparieren und wiederverwenden.

Das ist laut Kärrberg bei Stahl und Alu ehr viel einfacher al bei Kunststoffen. Während man hier durch eine sortenreine Trennung der metallischen Stoffe sehr schnell eine qualitativ hochwertige Wiederverarbeitung erzielt, ist das bei Kunststoffen deutlich schwieriger. Deshalb strebt man hier bis 2025 auch nur eine vergleichsweise vorsichtige Recyclingquote von 25 Prozent an. Vor allem lackierte Teile seien schwer zu recyceln.

Langlebigkeit legendär: Ressourceneffizienz eine Volvo-Stärke

Volvo Cars ist davon überzeugt, dass alle Komponenten eines neuen Volvo Modells so entworfen, entwickelt und produziert sein müssen, dass sie vom Unternehmen oder von dessen Zulieferern nochmals wiederverwendet werden können. Durch die Konzentration auf Ressourceneffizienz und eine möglichst lange Wertschöpfung während des Lebenszyklus will Volvo Cars die Nutzung von Materialien, Komponenten und Fahrzeugen optimieren und dabei Abfall vermeiden. Dies wird zu finanziellen Einsparungen und neuen Einnahmequellen führen und gleichzeitig die Umweltbelastung deutlich verringern. Ein großer Hebel ist laut Kärrberg auch die Verpackung: Sie macht in der Produktion eines Autos aktuell gewichtsseitig fast 25 Prozent des Abfalls aus, was durch wiederverwendbare Transportbehälter massiv reduziert werden kann:

„Volvo Cars hat einen der ehrgeizigsten Klimapläne in der Automobilindustrie. Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir die Kreislaufwirtschaft einbeziehen. Dazu überdenken wir alles, was wir tun und wie wir es tun. Wir konzentrieren uns darauf, Nachhaltigkeit in unsere Denk- und Arbeitsweise zu integrieren. Dieser Aspekt ist genauso wichtig, wie es Sicherheit für uns schon immer war.“

Volvo Cars bereitet schon heute unter anderem Getriebe und Motoren auf, um das Material besser zu nutzen sowie Emissionen zu reduzieren. Bereits im Jahr 2020 wurden rund 40.000 Teile wiederaufbereitet, wodurch fast 3.000 Tonnen CO2 eingespart wurden. Bis 2025 will Volvo Cars sein Wiederaufbereitungs-Geschäft jedoch mehr als verdoppeln. Um wertvolles Material im Kreislauf zu halten, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr zudem 95 Prozent seiner Produktionsabfälle recycelt. Dazu gehörten unter anderem 176.000 Tonnen Stahl, durch die fast 640.000 Tonnen CO2 vermieden werden konnten.

Volvo ist Mitglied in führender Kreislaufwirtschaft-Organisation

Seit 2020 ist Volvo Cars auch Mitglied der renommierten Ellen MacArthur Foundation, einer weltweit führenden Organisation zur Förderung der Kreislaufwirtschaft.

„Wir begrüßen das Engagement von Volvo Cars, seine Produkte so zu entwerfen, zu entwickeln und herzustellen, dass sie wiederverwendet werden können. Es ist ermutigend, dass eine Verbindung zwischen Kreislauflösungen, Geschäftsstrategie und einer Reduzierung der CO2-Emissionen möglich ist“, freut sich Joe Murphy, der sich um das Netzwerk aus Unternehmen, Städten und Universitäten bei der Ellen MacArthur Foundation kümmert und ergänzt:

„Die Kreislaufwirtschaft bietet Unternehmen einen Rahmen für ein tragfähiges, langfristiges Wachstum, das auch der Gesellschaft und der Umwelt zugutekommt.“

Bisher noch im Fokus der Volvo-Kommunikation: Das zweite Akkuleben

Noch zurückhaltend kommunizierte Volvo bisher den „Second-life“-Aspekt der Autoakkus. In der Kreislaufwirtschaft muss das aber ein dringender Aspekt werden, der viel Potenzial bietet: Durch die Verwendung der alten Hochvoltakkus in Energiespeichern außerhalb von Fahrzeugen können neue Einnahmequellen und Kosteneinsparungen realisiert werden, während gleichzeitig die Lebenszyklen der Batterien verlängert werden. Schon heute geht man davon aus, das Fahrzeugakkus so insgesamt leicht zwanzig Jahre Gesamtlebensdauer erreichen können. Diese Zahl bestätigt Persson aber im Round Table.

Vom Volvo in den solarbetriebenen Energiespeicher

Gemeinsam mit Zulieferern und Partnern untersucht Volvo Cars das Potenzial von Second-Life- Anwendungen für seine Hochvoltbatterien. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit BatteryLoop, einem Unternehmen der schwedischen Stena Recycling Group. Die Unternehmen verwenden die Batterien elektrifizierter Volvo Fahrzeuge für solarbetriebene Energiespeicher. Ab April werden mit dem System Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes im Geschäftszentrum des schwedischen Hygiene- und Gesundheitsunternehmens Essity in der Nähe von Göteborg betrieben.

Intelligente Stromversorgung dank Altakkus

In einem ähnlichen Projekt arbeiten Volvo Cars, das schwedische Cleantech-Unternehmen Comsys AB und das europäische Energieunternehmen Fortum an einem kommerziellen Pilotprojekt. Es zielt darauf ab, die Versorgungsflexibilität in einem der schwedischen Wasserkraftwerke zu verbessern und den Batterien von Elektrofahrzeugen ein zweites Leben zu bescheren. Die Batterien von Volvo Plug-in-Hybridautos dienen als stationäre Energiespeicher und helfen, sogenannte „Fast-Balancing“-Dienste für das Stromsystem zu erbringen.

Durch diese und andere Projekte erforscht Volvo Cars, wie Batterien altern, wenn sie in Second- Life-Anwendungen wiederverwendet werden. Im Vergleich zur automobilen Nutzung sind die Akkus dort deutlich weniger aggressiven Zyklen ausgesetzt. Der praktische Einsatz ermöglicht es Volvo auch, mehr Erkenntnisse über den kommerziellen Wert von Batterien nach dem Einsatz in Autos zu gewinnen und potenzielle zukünftige Einnahmequellen zu identifizieren.

Unterschiede zwischen BEV- und PHEV-Akkus

Dabei helfen auch unterschiedliche Auslegungen: So seien die PHEV-Akkus laut Perrson auf bis zu 6.000 Ladezyklen ausgelegt, während BEV-Akkus nur 1.000 Ladezyklen abkönnen. Noch wichtiger sei aber der Umgang im zweiten Leben:

„Sie können einen gebrauchten Akku in Minuten zerstören, ihn aber auch über Jahre pflegen und weiter nutzen“, kennt Persson die Praxis.

Doch aktuell lerne man viel über die Akkus hinzu, auch was Reparatur und Tausch angehe und die erzielten Fortschritte stimmen Persson hier optimistisch. Aber nicht nur die CO2-Ziele und die Kostenreduktion treiben Volvo zu neuen Wegen, ach die Kunden: Laut Kärrberg seien viele Kunden stärker an Nachhaltigkeit interessiert und stellten entsprechend differenzierte Fragen. So dass das weiterforschen und –entwickeln der Recycling- und Kreislaufthemen auch Kundeninteresse sei.  

Was bedeutet das?

Vor einigen Jahren haben vor allem Nissan, Renault und BMW geradezu euphorisch über das zweite Leben der Akkus berichtet und mit Partnern diverse Pilotprojekte dazu aufgesetzt. Dazu gehört auch The Mobility House, wo man schon damals davon ausging, die Altautoakkus bei „guter Pflege“, also wenig aggressiven Zyklen, über lange Zeiträume weiter nutzen zu können. Mittlerweile wurde es leider etwas ruhig um das Thema, doch im Zuge der Recyclingwirtschaft und geplanten CO2-Einsparungen nimmt es aktuell bei Volvo wieder an Fahrt auf.  

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