Volkswagen We Charge: Beim Laden alles auf eine Karte

Mit einer Karte und drei Tarifmodellen will der Hersteller den Einstieg in die E-Mobilität erleichtern, auch für Kunden, die auf öffentliche Infrastruktur angewiesen sind. Vielfahrer laden bei Ionity für 30 ct/kWh.

Jetzt geht's bunt: VW startet eine eigene Ladekarte mit Zuganz zu dem Vernehmen nach 150.000 öffentlichen Ladepunkten. | Foto: VW
Jetzt geht's bunt: VW startet eine eigene Ladekarte mit Zuganz zu dem Vernehmen nach 150.000 öffentlichen Ladepunkten. | Foto: VW
Johannes Reichel

Der Volkswagen-Konzern launcht rechtzeitig zum Marktstart der ID.-Familie seinen eigenen Ladedienst für Kunden der Marek. Mit dem sogenannten We Charge können VW-Fahrer ihr E-Auto künftig an mehr als 150.000 öffentlichen Ladepunkten in ganz Europa laden, verspricht der Hersteller. Der Zugang erfolgt per Ladekarte. Zur Wahl stehen ab Mitte August drei Ladetarife, die unter anderem exklusive Konditionen für das Schnellladenetzwerk IONITY beinhalten.

„Mit der Zunahme der Elektromobilität auf unseren Straßen wird gerade das öffentliche Laden immer wichtiger. Mit dem Angebot bietet Volkswagen die richtige Lösung, um in Deutschland und in Europa zügig und problemlos voranzukommen“, glaubt Richard van Tatenhove, Leiter Digital Charging Services von Volkswagen.

Die Ladetarife sind auf unterschiedliche Nutzungsverhalten zugeschnitten. Der Basis-Tarif "Free" sieht etwa keine Grundgebühr vor und soll die "Grundversorgung" mit nur einer Ladekarte sicherstellen. Gedacht ist der Tarif für Fahrer, die nur selten öffentlich laden. Der Tarif "Go" bietet günstigere Preise für die einzelnen Ladevorgänge und wendet sich an regelmäßige Nutzer öffentlicher Ladepunkten. Als Vielfahrertarif sieht der Anbieter dann die Option Plus, bei der man etwa bei IONITY in Deutschland nur 30 Cent pro Kilowattstunde bezahlt, statt 79 ct/kWh.
 

Digitale Steuerung per App

Ähnlich den Angeboten anderer Hersteller sowie reiner Ladenetzbetreiber sieht eine zugehörige App eine Reihe digitaler Funktionen rund ums Laden vor. Neben der Ladepunktsuchte liefert die App zudem wichtige Informationen zum Ladepreis und zur Verfügbarkeit. Künftig sollen zudem auf Wunsch nur Ladepunkte mit Ökostrombezug anzeigbar sein. Die intelligente Routenführung soll sowohl die verfügbaren Ladepunkte als auch die gewünschte Ladestrategie berücksichtigen. Wer zuhause die VW-Wallboxen nutzt, erhält über die App Ladestatistiken, Zugangsverwaltung oder Remote-Steuerung.

In den nächsten zehn Jahren will der Hersteller fast 75 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Den Anfang macht der kompakte ID.31, der in zahlreichen europäischen Ländern jetzt bestellbar ist. Die Auslieferung des limitierten ID.3 1st soll Anfang September beginnen, inklusive ID. Charger mit eigener Wallbox für das Laden zuhause. Mit dem zertifizierten Volkswagen Naturstrom aus regenerativen Quellen sei das E-Auto zudem emissionsfrei zu betreiben.

Die flankierenden Dienste und Produkte bündelt Volkswagen in der Tochter Elli. Über die Beteiligung an IONITY baue man zudem eines europaweiten Schnellladenetzes (Ladeleistung bis zu 350 kW) auf. Aktuell befinden sich rund 250 IONITY-Ladeparks in 20 Ländern im Betrieb, weitere 50 sind im Bau. Insgesamt sind 400 Ladeparks geplant.

Was bedeutet das?

Volkswagen hat richtig erkannt, ohne günstiges öffentliches Laden lässt die E-Mobilität eine wichtige und volumenträchtige Zielgruppe außen vor: Stadtbewohner, die keine eigene Wallbox im heimischen Carport oder der Garage haben und auf eine freie Infrastruktur angewiesen sind. Hier ist der Strom aber bisher so teuer, dass sich E-Mobilität nur schwer rechnet. Man kann davon ausgehen, dass ein Konzern wie VW mit seiner Offerte Druck ausübt auf die Provider, denen die Bundesnetzagentur teils gebietsmonopolartige Tarifmodelle vorwirft. Der Vorstoß aus Wolfsburg kann da nur gut tun. Was der Hersteller zum Start aber noch nicht hinbekommen hat ist ein einheitlicher Tarif, zu dem Kunden an allen Säulen laden können, als lüden sie zuhause ihren Haushaltsstrom. Das bleibt ein Desiderat des Markthochlaufs. Die Bundesnetzagentur ist dran ...

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