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Volkswagen-Vergleich: ID.3 oder e-up - wer ist hier der "Volks-Stromer"?

Bei allem Hype um den ID.3, VW zündet mit der neuen Generation des e-up eine Elektrorakete, die das Zeug zum "Volks-Elektrowagen" und grünen "All-you-need"-Car hat, dank niedrigem Preis und Verbrauch, bei top Reichweite und Raumeffizienz. Auf der IAA saßen wir in beiden Probe.

Macht hoch die Tür: Auch mit dem größeren Akku bietet der e-Up so viel Platz wie das Verbrennermodell - und ist ein echter Volksstromer. | Foto: J. Reichel
Macht hoch die Tür: Auch mit dem größeren Akku bietet der e-Up so viel Platz wie das Verbrennermodell - und ist ein echter Volksstromer. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Alle reden über den Volkswagen ID.3, doch in seinem Windschatten hat sich der e-up mit der jüngsten Modellpflege zum "echten" Elektro-Auto gemausert, das sich in vielerlei Hinsicht nicht zu verstecken braucht. Denn wer nach einem günstigen Einstieg in die batterieelektrische Mobilität sucht, der kommt am clever designten One-Box-Kleinwagen von VW und den Derivaten Seat Mii electric und Skoda Citigo eiV nicht vorbei, künftig weniger denn je. Schließlich wurde auch der Preis gesenkt: Ohne staatliche Prämie von 4.000 Euro knapp 22.000 Euro beim besser ausgestatteten VW und etwa 21.000 bei Seat und Skoda. Und das Leasingangebot, bei Skoda 145 Euro/Monat, bei VW auch nur 159 Euro/Monat (36 Monate/10.000 km jährlich/2.000 Euro Sonderzahlung), ist verlockend und relativ risikolos für einen Einsteiger.

Mit einem Akku sogar etwas größer wie im e-Golf, der formal 36,8 statt vormals 18,6 kWh Kapazität bietet und einem Verbrauch von nur 12,7 kWh/100 km dürfte der kleine Stromer auch in der Realität an die versprochenen 260 Kilometer Reichweite (WLTP) herankommen. Als Pendler braucht man da gar nicht mehr so oft nachzuladen, und wenn dann geht es dank 40 kW-Bord-DC-Lader an der richtigen Säule in einer Stunde zügig bis auf 80 Prozent. An der 7,2 kW-Wallbox dauert es vier Stunden bis 80 Prozent Ladung, am Haushaltsstecker 12,5 Stunden.

Immer wieder ein Raumwunder: Prädestiniert als Stromer

Wie flach sich der nur dreißig Zentimeter hohe Akku in den Unterboden des relativ hoch bauenden Gefährts kauert, merkt man beim Einsteigen. Beziehungsweise, man merkt es nicht. Vorne wie hinten sind die Platzverhältnisse wie gehabt großzügig für ein 3,60-Meter-Wägelchen, auch groß Gewachsene fühlen sich hier auf Anhieb wohl. Die nächste Überraschung folgt dann beim Öffnen des Kofferraums: Auch hier muss man keinerlei Abstriche zum Verbrenner hinnehmen. 250 Liter bei guter Höhe und Tiefe des Frachtabteils hinter der weit aufschwingenden Klappe können sich sehen lassen und genügen für eine Wochenend-Viererbesatzung mit kleinem Gepäck locker.
 

Dank des Box-Konzepts packt der e-Up dann bei Umklappen der asymetisch geteilten Sitzlehnen sogar 923 Liter an Fracht weg. Sorry, aber mehr braucht man im normalen Alltag eigentlich nicht, der e-up und seine künftig ausschließlich elektrischen Brüder sind die perfekten "All-you-need"-Cars. Das Design des e-up, der über kurz oder lang nur noch elektrisch weiterleben soll, war von Anfang an prädestiniert für eine E-Autokonzept. Der ID.3 mag als Revolution bestaunt und bejubelt werden, doch so viel weniger kann der e-Up an ganz konkreter Beförderungsleistung nicht. Zumal er mit dem 61-kW-Motor in 7,6 Sekunden auf 60 und in 12,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten soll, also auch noch flotte Fahrleistungen verspricht.

So groß ist der Unterschied beim Platzangebot nicht

Und so viel mehr Platz hat er auch gar nicht mal: Beim Umstieg vom e-Up auf den ID.3 fällt auf, man muss in die rollende VW-Revolution erst einmal den Kopf einziehen, um die Fondbank zu entern. Ja, Bank trifft es ganz gut, denn die Polster sind wenig ausgeformt und die Bezüge wirken im Vergleich zum Premium-Anspruch des Herstellers sowie wie zahlreiche Materialien im Interieur doch mit arg spitzem Stift gerechnet. Kein Wunder, die MEB-Plattform verschlingt eben schon einen Gutteil des "Budgets". Die "ehrliche Nacktheit" des e-Up jedenfalls steht da qualitativ kaum nach, das ist alles sauber gemacht und ansehnlich gestaltet.

Auch über dem Scheitel bleibt nicht so viel Raum wie im e-Up. Der Beinraum des ID.3 ist schon spürbar luftiger, aber Passat-Verhältnisse auf den Maßen eines Golf, wie der Hersteller im Vorfeld versprochen hatte, das können wir jetzt nicht wirklich nachvollziehen. Auch der Kofferraum ist definitiv nicht größer als im Golf und eher ziemlich flach geraten. Und anders als bei anderen reinen Stromern wie Tesla 3 oder wie es Volvo für den XC40 angekündigt hat, gibt es beim ID.3 auch keinen "Frunk", ein Zusatzstaufach unter der Fronthaube. 

Fahrerassistenz: Ein Basis-Paket muss genügen - tut es aber auch

Wo es "ausbeißt" beim e-Up ist das technische Package in Sachen Konnektivität oder Fahrerassistenz. Der e-Up muss sich mit einem Minimal-Package begnügen, Verkehrszeichenerkennung, jetzt statt City-Notbremse einen aktiven Spurassitenten mit Lenkeingriff (Serie), eine Rückfahrkamera, Licht/Regensensor, Kurvenlicht, das muss genügen. Tut es meistens aber auch. Und nachdem man ohnehin immer sein Smartphone dabei hat, ist auch die Klammer-Lösung in Verbindung mit dem serienmäßigen Radio Composition Phone sowie der App "maps&more" erschließt einem einen kompletten Funktionalitäts-Horizont. Navigation? Läuft dann eben auf dem Handy. Mittels "We Connect"-App kann man sich zudem die wesentlichen Fahrzeugfunktionen aus der Ferne anzeigen lassen, etwa den Schließzustand, den Akkustand, die Ladezeit oder aus der Distanz sogar den Ladevorgang starten. Eine Klimaanlage ist außerdem Serie, das Radio mit sechs Lautsprechern auch. Los geht die Fahrt, eventuell sogar in die mittlere Ferne.

ID.3: Doppelt so teuer, aber niemals doppelt so nützlich

Auch wenn die Leasingraten für den ID.3 noch nicht feststehen: Mit der doppelten Summe als beim e-Up sollte man schon rechnen. Schließlich kostet der ID.3 ja auch mindestens ab 30.000 in der Basis respektive 40.000 Euro mit mittlerer Batteriekapazität. Dass der ID.3 den doppelten Nutzen bietet, ist dagegen nach der ersten Sitzprobe in beiden Modellen sehr zweifelhaft. Dafür ist der neue e-Up einfach zu gut, beziehungsweise, er war es schon immer: Ein geniales Raumkonzept ganz im Geiste des "Ur-Mini". Außen klein, innen riesig. Und jetzt ist er auch noch sauber. Schade, wenn 2022 wirklich Schluss sein sollte mit der Reihe. Doch VW hat ja auch noch einen ID.1 angekündigt. Wir sind gespannt, was der dann noch besser können soll. Einstweilen ist der e-up mehr als eine Verlegenheitslösung. Er ist ein wahrer Volks-Elektro-Wagen, den man sich schon viel früher gewünscht hätte. Doch besser spät als nie.

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