Volkswagen Projekt Trinity: Wolfsburgs zweite Revolution

Ab 2026 will der Hersteller mit einer eleganten Coupé-Limousine in ein neues E-Zeitalter starten.

Der viel bessere Passat: "Trinity" soll 2026 mit einer eleganten Fließhecklimousine starten. | Foto: Volkswagen
Der viel bessere Passat: "Trinity" soll 2026 mit einer eleganten Fließhecklimousine starten. | Foto: Volkswagen
Gregor Soller

Volkswagen gibt jetzt einen ersten Design-Ausblick auf das Projekt „Trinity“: Die elektrisch angetriebene Limousine soll ab 2026 in Wolfsburg gebaut werden und nicht weniger als neue Maßstäbe bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit sowie Digitalisierung setzen. Sie soll hochautomatisiert nach Level 4 fahren können. Kurzer Rückblick: Der Projektname Trinity leitet sich aus dem lateinischen „Trinitas“ ab und steht für die Dreieinigkeit. Dementsprechend steht Trinity für drei entscheidende Themen: eine neu entwickelte Elektronikplattform mit modernster Software, die Vereinfachung der Angebotsstruktur und vollvernetzte und intelligente Produktion im Stammwerk Wolfsburg. Ralf Brandstätter, CEO der Marke Volkswagen, erklärt dazu:

„Trinity ist so etwas wie der Kristallisationspunkt unserer Strategie Accelerate, ein Leuchtturmprojekt, unser Software Dream-Car.“

Die neu entwickelte Fahrzeugarchitektur soll Maßstäbe bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit („Laden so schnell wie tanken“) und Digitalisierung setzen. Zudem soll das Projekt Trinity das autonome Fahren im Volumensegment für viele Menschen ermöglichen. Zum geplanten Serienstart 2026 wird Trinity bereits das Level 2+ erreichen und technisch bereit für Level 4 sein, wie Brandstätter erklärt:

„Wir nutzen unsere Skaleneffekte, um autonomes Fahren vielen Menschen verfügbar zu machen und ein lernendes, neuronales Netzwerk aufzubauen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für den kontinuierlichen Datenaustausch unserer Fahrzeugflotte – etwa zur Verkehrslage, Hindernissen oder Unfällen."

Laut Brandstätter soll Trinity den Menschen so Zeit und Stress ersparen. Er prophezeit: „Nach einer langen Autobahnfahrt kommen Sie entspannt am Ziel an. Denn Sie lassen sich fahren – in den Urlaub oder nach der Arbeit nach Hause. Trinity wird für unsere Kunden also eine Art ‚Zeitmaschine‘“.

Neue Schritte in der Produktion

Aber auch in der Produktion der Serienversion will VW nachlegen: Das Werk Wolfsburg werde zum Aushängeschild für modernste, intelligente und vollvernetzte Produktionsprozesse. Auch hier kündigt Brandstätter Großes an:

„Wir werden unsere Art Autos zu bauen komplett neu denken und revolutionäre Ansätze einführen. Digitalisierung, Automatisierung und Leichtbau spielen hier eine wichtige Rolle.“

Künftige Fahrzeugmodelle wie Trinity sollen laut VW mit erheblich weniger Varianten produziert werden, die Hardware würde weitgehend vereinheitlicht. Die Autos haben dann quasi alles an Bord und der Kunde kann gewünschte Funktionen jederzeit „on demand“ über das digitale Ökosystem im Auto freischalten. Die Komplexität in der Fertigung soll dadurch deutlich abnehmen.

Das Auto wird zum Softwareprodukt

Durch die Weiterentwicklung des Autos zum softwarebasierten Produkt will Volkswagen die Voraussetzungen für neue, datenbasierte Geschäftsmodelle schaffen. Einstiegshürden in die individuelle Mobilität sollen bei gleichzeitig attraktiveren Nutzungspaketen sinken. So will Volkswagen zusätzliche Erlöse in der Nutzungsphase generieren – für Lade- und Energiedienstleistungen, für softwarebasierte Funktionen, die der Kunde je nach Bedarf dazu buchen kann, oder auch für das automatisierte Fahren. „Künftig wird die individuelle Konfiguration des Fahrzeugs nicht mehr über die Hardware beim Kauf festgelegt. Vielmehr kann der Kunde Funktionen jederzeit „on demand“ über das digitale Ökosystem im Auto hinzubuchen“, sagt Ralf Brandstätter.

Was bedeutet das?

Mit Trinity will VW nochmal einen ganz großen Schritt nachlegen – vor allem bei der Software. Wir erwarten eine 800-Volt-Architektur für viel schnelleres Laden, effizientere E-Maschinen und noch leitungsfähigere Akkus. Dabei treten allerdings zwei Probleme auf: 1. MEB wird wohl schon während des "Ausrollens" wieder als veraltet gelten, auch wenn man noch fünf Jahre bis zum ersten Trinity-Modell warten muss. Und 2. Die Kunden werden für ihre Trinity-Modelle immer Updates brauchen, die im Idealfall hoffentlich immer kostenlos und über Nacht ohne großes Zutun aufgespielt werden. Sonst ist es nämlich Essig mit der proklamierten „Entspannung“, die - sorry VW - auch ein Golf 2 in all seiner Solidität und Anspruchslosigkeit schon ganz gut drauf hatte!

 

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