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Volkswagen kooperiert mit Xpeng - Audi mit SAIC

Jetzt auch die Stammmarke: Der VW-Konzern forciert seine technologischen Kooperationen in China und macht sich damit noch abhängiger von dem Markt. Erstmals wird damit die bisherige Logik umgedreht und die China-Marken liefern Technologie, während VW für die industrielle Skalierung sorgt.

Schlag auf Schlag: Erst im April hatte VW-Konzern-Chef Oliver Blume (links) mit VW-China-Chef Ralf Brandstätter (Mitte) die Gründung der Tech-Schmiede 100%TechCo in Hefei bekanntgegeben, mit Invest von rund 1 Milliarde Euro für den Aufbau eines neuen Zentrums für Entwicklung, Innovation und Beschaffung für vollvernetzte Elektroautos. | Foto: VW
Schlag auf Schlag: Erst im April hatte VW-Konzern-Chef Oliver Blume (links) mit VW-China-Chef Ralf Brandstätter (Mitte) die Gründung der Tech-Schmiede 100%TechCo in Hefei bekanntgegeben, mit Invest von rund 1 Milliarde Euro für den Aufbau eines neuen Zentrums für Entwicklung, Innovation und Beschaffung für vollvernetzte Elektroautos. | Foto: VW
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Johannes Reichel

Nachdem Audi eine Kooperation mit dem chinesischen Staatskonzern SAIC verkündet hatte, hat jetzt auch die Marke Volkswagen hat eine technologische Rahmenvereinbarung mit dem China-Auto-Start-up Xpeng geschlossen. In der Zusammenarbeit mit dem Premium-E-Auto-Hersteller ist zunächst die gemeinsame Entwicklung von zwei Elektro-Modellen der Marke VW für das Mittelklasse-Segment geplant, teilte der Konzern mit. Die China-spezifischen Fahrzeuge sollen das MEB-Produktportfolio ergänzen und 2026 in den chinesischen Markt eingeführt werden. Im Zuge der laut Wolfsburger "engen und langfristig angelegten" strategischen Kooperation investiert der Volkswagen Konzern rund 700 Millionen US-Dollar in den chinesischen Hersteller für smarte Elektro-Fahrzeuge.

Damit erwirbt Volkswagen im Rahmen einer Kapitalerhöhung 4,99 Prozent der Aktien von Xpeng zu 15 US-Dollar pro ADS und erhält einen Sitz als Beobachter (Observer) im Board of Directors des jungen chinesischen Unternehmens, das zwar deutlich kleiner ist, aber bei den Stückzahlen im reinen Elektrosegment fast auf Augenhöhe mit VW operiert. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 120.000 Fahrzeuge ab, kaum weniger als VW an E-Autos. Vor kurzem hatte man ein günstiges und elegantes E-Auto in Konkurrenz zum Tesla Model Y vorgestellt, den Xpeng G6, mit 800-Volt-Technik und zum Kampfpreis von umgerechnet 26.600 Euro. 

Alles auf China: VW mit XPENG, Audi mit SAIC

Zuvor hatte die VW-Marke Audi hat mit seinem chinesischen Joint Venture-Partner und Staatskonzern SAIC (u.a. Maxus) in einem strategischen Memorandum vereinbart, die bestehende Kooperation weiter auszubauen, ein krasser Schritt für die Ingenieursmarke aus Ingolstadt, die stets die eigene Entwicklungskompetenz unterstrichen hat. Durch gemeinsame Entwicklungsarbeit soll das Angebot von "intelligenten, vollvernetzten Elektro-Fahrzeugen im Premium-Segment schnell und effizient erweitert werden", wie es hieß. Geplant ist, zunächst mit Elektro-Modellen in einem Segment zu starten, in dem Audi in China bisher noch nicht vertreten ist. Ob es dabei möglicherweise auch um Hybrid-Fahrzeuge geht, wie jüngst die chinesische Wirtschaftszeitung Caixin kolportiert hatte, wurde laut Süddeutscher Zeitung von VW nicht bestätigt. Auch Hybride boomen aktuell in China und wuchsen von 2021 auf 2023 von einem Fünftel auf ein Drittel Marktanteil der E-Autoverkäufe.

Die gemeinschaftlich entwickelten Elektro-Modelle von Audi und SAIC sollen mit modernster Software und Hardware ausgestattet sein, um den chinesischen Kunden ein intuitives, vernetztes und digitales Erlebnis zu bieten, verspricht man und deutet zugleich an, woran es den Wolfsburger E-Fahrzeugen bisher gebricht: Für den chinesischen Markt adäquate Software. Zuletzt musste der Hersteller den Preis des ID.3 auf umgerechnet 15.000 Euro absenken, um den mauen Absatz anzukurbeln.

 

Indirektes Eingeständnis: Bei Software, Automatisierung und Sprachsteuerung nicht "up to date"

In die Entwicklung brächten alle Seiten ihre jeweiligen Kernkompetenzen mit ein, verklausuliert der Konzern, der vor allem auf das Know-How der Chinesen in Sachen Software, autonomes Fahren und Sprachsteuerung peilt. VW seinerseits könnte dem jungen und kleinen chinesischen Unternehmen, das 2014 gegründet wurde und 2018 auf der CES sein ersten E-Fahrzeug präsentiert hatte, bei der Industrialisierung und Skalierung behilflich sein. Das war bisher und in der alten Verbrennerwelt immer umgekehrt - VW lieferte Technologie, die Produktion wurde in China günstig erledigt. Beide Vereinbarungen umfassen jeweils auch eine geplante, zukünftige gemeinsame Entwicklung neuer lokaler Plattformen für die nächste Generation von intelligenten, vollvernetzten Elektro-Fahrzeugen (ICV). Sie sollen die Produktpalette des Konzerns zügig um weitere Modelle aus China für China für besonders vielversprechende Kunden- und Marktsegmente erweitern. Die Details der Zusammenarbeit für zukünftige E-Plattformen sind Gegenstand weiterer Verhandlungen zwischen den Partnern.

„Lokale Partnerschaften sind ein wesentlicher Baustein der „in China für China“-Strategie des Volkswagen Konzerns. Damit beschleunigen wir jetzt den Ausbau unseres lokalen Elektro-Portfolios und bereiten uns gleichzeitig auf den nächsten großen Innovationssprung vor. Mit XPENG haben wir nun einen weiteren starken Partner, der in wichtigen Technologiebereichen zu den führenden Herstellern in China gehört. Wir schaffen so Synergien, um zusätzliche Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Dabei orientieren wir uns an den spezifischen Wünschen der chinesischen Kunden. Gleichzeitig wollen wir die Kosten in Entwicklung und Beschaffung weiter optimieren“, erklärt Ralf Brandstätter, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG für China den überraschenden Schritt.

Entwicklungspartner für XPENG ist die kürzlich gegründete Volkswagen Group China Technology Company (VCTC). Das neue Entwicklungs-, Innovations- und Beschaffungszentrum ist der größte Entwicklungsstandort des Konzerns außerhalb von Wolfsburg. Hier sollen zukünftig mehr als 2.000 Entwicklungs-und Beschaffungsexperten an der Entwicklung neuer intelligenter, vollvernetzter Elektro-Fahrzeuge arbeiten. Durch die Optimierung der Entwicklungs- und Beschaffungsvolumina würden sich erhebliche Synergiepotenziale mit deutlichen Kostenvorteilen gegenüber den aktuellen Fahrzeugprojekten ergeben.

Partnerschaften als Teil der „in China für China“-Strategie

Die Kooperationen knüpfen an die „in China für China“-Strategie des Unternehmens an. Damit wolle man marktbestimmende Trends in China "frühzeitig adressieren" und die Wachstumsdynamik und Innovationskraft des chinesischen Marktes besser nutzen, heißt es aus Wolfsburg. Um die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse in der Region zu beschleunigen, stärkt Volkswagen seine lokalen Kapazitäten für E-Mobilität, sowie in den Bereichen Digitalisierung und autonomes Fahren. Dafür baut Volkswagen seinen Standort im ostchinesischen Hefei in der Provinz Anhui zu einem hochmodernen Produktions-, Entwicklungs- und Innovations-Hub aus.

Das neue Fahrzeug-Werk von Volkswagen Anhui wird noch in diesem Jahr die Produktion starten. Die VW Anhui Component Company errichtet in Hefei eine Fertigungsstätte für Hochvoltbatteriesysteme. Ebenso entsteht mit der Volkswagen Group China Technology Company in Hefei ein Entwicklungs- und Beschaffungszentrum für vollvernetzte, intelligente E-Fahrzeuge. Gleichzeitig setzt der Volkswagen Konzern auch auf Partnerschaften mit lokalen Hightech-Unternehmen. Hohe technische Lokalisierung und konsequente Kundenorientierung sind für die Volkswagen Group China der Schlüssel, in der neuen Ära der Intelligent Connected Vehicles (ICV), der smarten Fahrzeuge, eine führende Rolle zu übernehmen.

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