Volkswagen: "Auf dem chinesischen Markt kehrt die Hoffnung zurück"

Hersteller sieht Zeichen der Entspannung, rechnet mit weiterer Erholung und hält an Investitionen fest, gerade in die E-Mobilität. China bleibt für VW der Kernmarkt der Trends Digitalisierung und Elektrifizierung.

Glaubt an stetige Erholung: VW-China-CEO Stephan Wöllenstein macht Mut. | Foto: VW
Glaubt an stetige Erholung: VW-China-CEO Stephan Wöllenstein macht Mut. | Foto: VW
Johannes Reichel

Europa steckt noch mitten in der akuten Bewältigung der Corona-Krise fest, da weckt der Automobilhersteller Volkswagen aus dem chinesischen Horizont heraus erste zarte Hoffnung. Es gebe Zeichen der Entspannung und auch die Autoindustrie finde langsam in die Normalität zurück, teilte der Konzern mit. An 22 von 24 VW-Standorten sei die Produktion von Fahrzeugen und Komponenten wieder angelaufen.

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass wir die schwersten Auswirkungen der Krise in zwei bis drei Monaten hinter uns haben werden“, meint Stephan Wöllenstein, CEO der Volkswagen Group China.

Noch sei das Interesse vieler Kunden am Autokauf gebremst, sodass in vielen Werken mit reduzierter Kapazität gearbeitet werde. Aber man stehe bereit, die Produktion zu steigern, wenn die Nachfrage anziehe, so Wöllenstein weiter. Lediglich die Fahrzeugwerke in Changsha und Urumqi seien derzeit noch geschlossen.

In den Verkaufszahlen der Volkswagen Group China zeichne sich aber nach dem Corona-bedingten Absturz eine Besserung ab. Der Trend des Gesamtmarkts weise leicht nach oben. Für März erwartet der China-CEO wieder einen Absatz von bis zu einer Million Fahrzeugen, eine starke Verbesserung zum Februar, in dem nur etwa 250.000 Autos im ganzen Land verkauft wurden. Dass der Absatz der Volkswagen Group China in diesem Umfeld leicht besser abschneidet als der allgemeine Trend, sei allerdings nur ein kleiner Trost.

„Es gibt immer mehr Anzeichen, dass sich das Geschäft erholt. Mitte des Jahres könnten wir wieder auf Vorjahresplanung liegen. Auf dem chinesischen Markt kehrt die Hoffnung zurück”, macht Wöllenstein Mut.

Hoffnungsschimmer: Verkaufsräume wieder geöffnet

Zudem hätten über 95 Prozent aller Händler des Volkswagen Konzerns ihre Verkaufsräume wieder geöffnet. Die Kundenfrequenz liegt bei etwa 60 Prozent verglichen mit normalen Phasen. Wöllenstein rechnet damit, dass das Autogeschäft im Frühsommer das Niveau des vergangenen Jahres erreicht. Allein die Marke Volkswagen ist in China mit mehr als 2.000 Händlern vertreten. 430 Händler sind es bei Audi, 470 bei ŠKODA und 120 bei Porsche.

Für das Gesamtjahr plane der Konzern daher mit unterschiedlichen Szenarien, die von einem Rückgang des chinesischen Automarktes zwischen 3 und 15 Prozent ausgehen. „Es herrscht noch das Prinzip ‚Glaskugel'“, so Wöllenstein. Als Beispiele nennt er das Kaufverhalten der Kunden bei Rückkehr zur Normalität, mögliche Sonderkonjunkturprogramme für die chinesische Autoindustrie sowie die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes in Anbetracht der weltweiten Corona-Pandemie. An den angekündigten Investitionen von mehr als vier Milliarden Euro in diesem Jahr hält der Volkswagen Konzern gemeinsam mit seinen chinesischen Partnern fest.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Erholung fortsetzt und dass wir 2021 wieder in einem normalen Marktumfeld arbeiten“, prognostiziert Wöllenstein.

Auch langfristig werde China seinen Status als Kraftzentrum der weltweiten Autoindustrie nicht einbüßen, ist er sicher.

"Die Trends Elektromobilität und Digitalisierung werden hier geformt.“

Allein rund 40 Prozent der geplanten Investitionen fließen in die Elektromobilität. So steht in Fabriken in Anting (SAIC VOLKSWAGEN) und Foshan (FAW-Volkswagen) in diesem Jahr der Produktionsstart neuer Elektro-Modelle auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB) an. Beide Werke seien speziell für die Herstellung von reinen Elektroautos ausgelegt. „Es ist gut, dass wir mit starken neuen Modellen in die Zeit nach der Krise gehen“, befindet Wöllenstein.

Das mittelfristige Ziel für den Ausbau der Elektromobilität bleibe unverändert: Ab 2025 will der Volkswagen Konzern in China 1,5 Millionen E-Autos pro Jahr verkaufen. Grundlage dafür ist auch die Einführung der Volkswagen ID. Familie, die dieses Jahr starten wird.

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