VM-Test Skoda Octavia Combi G-TEC: Mit Biomethan grüner als ein Stromer

Zwischen zweifelhaftem PHEV und teurem BEV schiebt sich bei Skoda der Octavia G-TEC CNG. Er beweist, dass ein "Verbrenner" dank Biomethan grün sein kann - und ein "grünes" Familienmobil erschwinglich.

Gibt Gas und heizt gut: Der Octavia CNG glänzte im Wintertest mit niedrigem Verbrauch, dank Biomethan guter Ökobilanz und allzeit warmem Innenraum. | Foto: J. Reichel
Gibt Gas und heizt gut: Der Octavia CNG glänzte im Wintertest mit niedrigem Verbrauch, dank Biomethan guter Ökobilanz und allzeit warmem Innenraum. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Ein unbestreitbarer wie banaler Vorteil des Verbrenners: Bei der Verbrennung entsteht viel Hitze, auch beim Abfackeln von Erdgas selbstredend. Und so ist es auch bei einem eisigen Wintertest des Skoda Octavia Combi G-TEC mollig warm, und zwar ohne Angst um die Reichweite. Kannte man vor lauter Elektroautotests schon gar nicht mehr. Geht aber mit CNG "easy". In unserem Falle und als Anhänger nachhaltiger (Auto)Mobilität füllen wir natürlich Biomethan in die 17,33 Kilo fassenden Hochdruckstahltanks des Skoda Octavia Combi G-TEC, bereitgestellt von den Stadtwerkern München aus Abfallreststoffen. Damit fährt man fast klimaneutral durch die Lande - und so aktuell noch besser als mit einem reinen Stromer, dem bei ehrlicher Betrachtung der noch immer viel zu kohle- und erdöl-lastige deutsche Mix zu schaffen macht.

Potenziale verpennt: Biomethan hätte die Brücke sein können

Es ist eine Krux und ein schweres Versäumnis, dass Industrie und Politik die Potenziale der Methanisierung von Reststoffen aus Biomüll oder Stroh nicht erkannt haben. Die Klimabilanz im deutschen Verkehr sähe längst viel besser aus - und der Hochlauf in die E-Mobilität würde auf einem viel niedrigeren CO2-Niveau starten. Doch was nützt das Klagen, man hat als Kunde ja durchaus die Wahl. Die fällt bei CNG mittlerweile neben ein paar Fiat-Modellen fast ausschließlich auf VW-Konzern-Produkte, wo man das Thema noch nicht ganz abgehakt hat und mittelfristig beibehält.

Umwelt- und familienfreundlich

Brandneu rollt neben diversen Seat und VW der Stammmarke auch Skoda mit dem g-tec im Octavia sowie im Scala und dem Klein-SUV Kamiq an - und lässt die Wahl für umweltbewusste Kunden, die sich vielleicht noch nicht an den reinen Stromer herantrauen - oder denen ein Enyaq mit brauchbarer Reichweite dann doch zu teuer ist. Für den Erdgas-Kombi schlagen in der Basis 31.760 Euro zu Buche, schon mit dem flott sortierenden 7-Gang-DSG wohlgemerkt.

Dafür bekommt man ein vollwertiges Familienauto mit zwar zum Standard-Benziner ordentlich geschrumpftem Kofferraum (495 l statt 640 l). Aber noch immer verbleibt ein geräumiges und gut nutzbares Ladeabteil. Und vorne genauso viel Platz wie im ganz "konventionellen" Octavia. In Reihe 1 ist das Raumangebot im 4,68-Meter-Kombi eh großzügig, aber vor allem auch in Reihe 2 lümmelt man bequem und mit luftigem Beinraum. Hinzu kommt eine selbstverständliche Anhängelast von 1,4 Tonnen. Wozu nochmal einen SUV?! Aber lassen wir die Standardschelte, hier geht es um einen anderen Punkt.

Ein Enyaq kostet über 12.000 Euro mehr, der schwere PHEV auch

Ein MEB-Derivat Enyaq i.V. 60 startet preislich bei 38.850 Euro mit der 58-kWh-Batterie und offiziell 412 Kilometer Reichweite. Wer annähernd die "Reserve" des CNG schaffen will, muss zum 80er greifen, ab 43.950 Euro, offiziell 536 Kilometer Reichweite, tendenziell "kühle Kilometer", allerdings. Als "Zwitter" zwischen Verbrenner und Stromer steht noch der Octavia Combi RS i.V. zur Wahl, der bei 44.660 Euro anfängt, also auch in einer anderen Preisliga und nur unter ganz bestimmten Nutzungsumständen wirklich umweltfreundlich. Im VM-Test hinterließ der teure und jetzt auch nicht unbedingt performante, nebenbei satte 220 Kilo schwerere PHEV jedenfalls ein zwiespältiges Bild und kam über die Testrunde mit 4,8 l/100 km fossilen Sprits sowie 5,8 kWh/100 an Strom. So oder so, das ist jeweils schon ein tiefer Griff in die Familienkasse, nur um "öko" unterwegs zu sein.

450 Kilometer schafft man auf der Autobahn

Womit man wieder beim g-tec wäre, der in Relation fast schon wie ein Schnäppchen anmutet. Die Reichweite aus den Gasspeichern soll für 500 Kilometer laut WLTP genügen, im winterlichen VM-Test mit Lamellenpneus kamen wir fast auf den Werksverbrauch von 3,5 kg/100 km und schlugen bei 3,7 kg/100 km an. Und zwar ohne größere Sparmühen, sprich stramm 120 km/h auf der Autobahn und - siehe oben - Heizung auf angehemen 20 °Celsius. Das würden wir uns bei einem reinen Stromer schon gar nicht mehr trauen, beides ... Falls kein CNG zur Verfügung steht, das übrigens in der Hälfte der Zapfstellen schon Biomethan ist, hilft einem der 9-Liter-Benzinvorrat über die Runden, in Summe also eine stramme Reichweite von fast 700 Kilometern.

Ordentliches Temperament

Und das Fortkommen ist auch auf Langstrecken keineswegs lahm: Der 130-PS-TSI auf Basis des neuentwickelten 1,5-Liter-VW-Konzern-Benziners ist vielleicht kein Reißer mit seinen 200 Nm, aber bringt und hält den immerhin gewogen 1.565 Kilo schweren, aber zum PHEV wie gesagt über 200 Kilo leichteren Wagen sehr ordentlich auf Tempo. Wer das Aggregat ausdreht, bekommt das von einem kernigen Sound untermalt, der in Teilllast als sportiv-sonor durchgeht. Nötigenfalls absolviert der Methan-Kombi den vom serienmäßig kombinierten 7-Gang-DSG nahtlos und ruckfrei sortierten Spurt auf 100 km/h in zehn Sekunden. Bei Zwischenspurts heult die Gasmaschine schon mal etwas unwillig auf, beschleunigt das Fahrzeug dann aber bis auf 212 km/h.

Das aber nur der Vollständigkeit halber, denn man will ja umweltfreundlich unterwegs sein und den CNG-Vorrat in den Unterflurbotteln schonen. Dass das dennoch Spaß machen kann, befördert auch das exzellente Octavia-Fahrwerk, das mit feiner Mischung aus locker-flockigem Kurvenhandling und gutem Komfort aufwartet. Die Wind- und Abrollgeräusche sind bestens unterdrückt, sodass der Motor meist mit dezentem Brummen der akustische Hauptquell ist.

Gute Ausstattung schon in der Basis, auch an Fahrassistenz

Selbstredend verfügt der übrigens schon in der Basis nach Art des Hauses bis hin zum Eiskratzer in der Tankklappe (simply clever!) sehr ordentlich ausgestattete Octavia über das FAS-Package aus dem Konzernbaukasten, fährt immer akkurater automatisiert auf Level 2 als sogenannter "Travel Assist", wenn man will. Auch die Infotainment- und Bedienungseinheiten sowie Goodies wie das Head-up-Display übernimmt man aus dem Großsortiment, mit Vor- und Nachteilen in Anbetracht des vielen Gewisches über irgendwelche Screens und Tasten. Und mit dem wenig intuitiv zu sortierenden Digitalinstrument hatten wir auch so unsere Bedienkämpfe auszufechten. Aber das sind nur Fußnoten in einem stimmigen Gesamtkonzept.

VM-Test-Fazit:

Unterm Strich muss man sagen, dass der Octavia g-tec dieses Stiefkinddasein zwischen boomenden PHEVs und beginnenden BEVs nicht verdient hat. Er ist ein vollwertiges Alltags- und Urlaubsmobil ohne große Einschränkungen bei der Nutzungsspanne, das eben nicht zuletzt einen hohen Umweltanspruch erfüllt, ohne zu teuer zu sein. Eigentlich ein klassischer "Eco-Volks-Wagen".

Technische Daten: Skoda Octavia Combi 1,5 G-TEC DSG

  • Antrieb: 1,5-l-TSI-Vierzylinder-Turbo-Gasmotor (130 PS/96 kW, 200 Nm); Abgasnorm Euro 6dTemp
  • Maße LxBxH: 4.689x1.829x1.467 mm; Wendekreis: 10,4 m
  • Gewichte (gewogen): leer 1.565 kg (inkl. Fahrer 75 kg); zul.GG 1.889 kg; Zuladung 324 kg; Testgewicht 1.715 kg; Anhängelast: 710 kg (ungebr.); 1.400 kg (gebr. bis 12 % Steigung)
  • Kofferraum: 495/1.560 l
  • Serviceintervall: 30.000 km/2 Jahre, variabel
  • Preise: 31.760,- (inkl. 19 % MwSt.) Ambition
  • Serienausstattung (u.a.): 7-Gang-DSG, Keyless Go+Start, Parksensoren, Climatronic, elektr. Parkbremse, Skoda Care Connect (SOS, Mobi/Infoservice, Fernabfrage), Airbag 7x, Regen/Lichtsensor, Multikollisionsbremse, hydr. BAS, FAS mit City-Notbremsassistent inkl. Fußgänger/Radfahrererk., Ausweichassistent, Spurhalteassistent, LED-Hauptscheinwerfer+Rückleuchten, ZV inkl. Fernbed., el. FH vo./hi., Tempomat, Start-Stop-Automatik inkl. Bremsenergierückgewinnung, Infotainmentsystem Swing 8", BT, Wireless Smart Link (Apple Carplay/Android Auto)
  • Extras (Auswahl): Panorama-Glasdach 990,-, Paket Reise inkl. FAS Traveller (pACC, Verkehrszeichenerk., adapt. Spurhalter, Stauassistent, kapazitives Lenkrad) 670,- Rückfahrkamera 540,- Ergositz 590,- Infotainment Columbus 10"+Virt. Cockpit 1.880,- AHK schwenkbar 890,-
  • Testverbrauch: 3,7 kg/100 km; Stadt: 4,3 kg/100 km; Land: 3,5 kg/100 km; BAB: 3,6 kg/100 km
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