VM-Interview Pascal Ruch, Lexus Europe: Wachstum ohne Wettrüsten

Lexus plant auch für die EU Wachstum, allerdings ohne „Wettrüsten“. Wie das gelingen soll, verriet uns im Interview Pascal Ruch, Vice President Toyota Value Chain & Lexus bei Toyota Motor Europe.

Pascal Ruch gab am Rande der RZ-Präsentation interessante Einblicke in die Planungen von Lexus in Europa. | Foto: G. Soller
Pascal Ruch gab am Rande der RZ-Präsentation interessante Einblicke in die Planungen von Lexus in Europa. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

VM: Herr Ruch, welche Pläne haben sie für den RZ?

Ruch: Wir planen eine Jahresproduktion von 30 bis 35.000 Einheiten, wovon die Hälfte in unseren größten Markt China gehen wird. Ein gutes Viertel in die USA und knapp ein Viertel nach Europa, das sind rund 6.000 Einheiten.

Welches sind in Europa ihre wichtigsten Märkte?

Ruch: Europa ist für Lexus extrem heterogen: Betrachte ich BEV, sind das aktuell klar Norwegen und UK, gefolgt von Deutschland. Gehe ich nach Marktanteilen im Premiumsegment, variieren diese von nicht mal einem Prozent in Deutschland bis zu über 50 Prozent in Märkten wie Kasachstan. 

Wird der neue RZ das ändern? Immerhin tritt er im für die Klasse populärsten Segment der Elektro-SUV der oberen Mittelklasse an und er ist einfach rein elektrisch…

Ruch (lächelt): Damit rechnen wir. Generell dürfte der RZ unser Wachstum in Europa beschleunigen. Wobei man nicht vergessen darf, dass Lexus seit zwanzig Jahren elektrifizierte und rein elektrische Modelle produziert. Denn unsere Gesamtstrategie ist immer, mit verschiedenen und vernünftigen Technologien die jeweils beste Lösung für die Kunden zu haben.

Die aber künftig auch im Toyota-Konzern rein elektrisch sein wird, wenn man den Ankündigungen von Akio Toyoda im Dezember 2021 glauben darf?

Ruch: Tatsächlich ist die Elektrifizierung ein Beschleuniger im Produktprogramm, zumal Lexus schon fünf Jahre vor Toyota, also 2030 nur noch BEV verkaufen wird. Und wenn sie sehen, dass von den 30 präsentierten Elektromodellen 14 für Lexus angekündigt wurden, sehen sie Priorisierung: Lexus macht weltweit rund zehn Prozent des Gesamtvolumens des Konzerns, wird aber fast 50 Prozent der BEV-Modelle anbieten. Wenngleich dem RZ auch noch die eine oder andere elektrifizierte Neuheit folgen wird.

Können Sie denn liefern?

Ruch: Natürlich können wir uns von Lieferengpässen auch nicht ganz frei machen. Mit dem RZ führen wir erstmals ein Reservierungssystem ein, bei dem Kunden ihr Auto vorbestellen können. Die Produktion startet im Oktober 2022, sodass die ersten Kunden ihre Autos noch in diesem Jahr erhalten sollten.

Wird der RZ dann der neue Markenkern?

Ruch: Auch hier ist Europa sehr inhomogen: Es gibt in jedem Land andere Topseller und während Norwegen schon ein sehr entwickelter Elektro-Markt ist, ist das in Süd- und Osteuropa ganz anders. Dort werden auch eher unsere kompakteren Modelle bevorzugt. Aber innerhalb der SUV bildet der RZ schon eine Art weltweiten Markenkern.

 

Wird auch Lexus künftig verstärkt auf SUV setzen?

Ruch: Wenn sie die Pressekonferenz von Akio Toyoda verfolgt haben, sahen sie bereits elektrische Lexus-Sportwagen und auch das Thema Limousinen bleibt in vielen Märkten relevant. Wir sehen hier eine Stabilisierung der Stückzahlen.

Was gerade in Deutschland extrem schwierig ist – und mit dem LS noch schwieriger….

Ruch (lächelt): Der LS tritt in Europa und speziell in Deutschland gegen sehr starke Konkurrenz im Luxussegment an, das ist natürlich eine besondere Challenge. Aber schon beim ES in der oberen Mittelklasse haben wir bis zu einem Jahr Lieferzeit. Generell bleiben Business-Limousinen weltweit gefragt, zumal sie gegenüber SUV klare Vorteile in der Aerodynamik und Fahrdynamik bieten.

Business-Limousinen ist ein gutes Stichwort: Wie viele Lexus-Modelle gehen in Deutschland an Dienstwagenberechtigte und Flotten?

Ruch: Modellabhängig sind es aktuell bis zu 70 Prozent. Das ist ein solider Mix. Grundsätzlich wollen wir in Europa weite wachsen. Die Chancen dafür stehen ehr gut. 

Können Sie das konkretisieren?

Ruch: Aktuell konkrete Stückzahlen zu prognostizieren ist schwierig. Aber wir werden das Motto der „Driving Signature“ weiter mit Leben füllen. Dazu gehört natürlich unsere DNA, die Qualität, Komfort und Innovationen bietet und jetzt mit Elektromobilität kombiniert wird. Konsequent und dynamisch mit dem RZ auf der neuen Plattform. Dabei wollen wir aber kein „Wettrüsten“ mit maximalen Akkugrößen oder Leistungen, sondern die beste Balance aus Effizienz und Leistung - und den Kunden trotzdem große Reichweiten bieten. Und da sind wir mit dem RZ aktuell um bis zu zwanzig Prozent besser als direkt vergleichbare Mitbewerber. Dazu kommen aber auch Themen wie ein dichtes Ladenetz, Schnellladefähigkeit und ein dichtes Servicenetz samt umfassender Garantien.

Hier setzen die Maßstäbe aber eher koreanische Marktbegleiter?

Ruch (lächelt wieder): Lexus laufen ewig - tatsächlich gehört Lexus weltweit zu den zuverlässigsten Marken. Weshalb wir uns in Europa auch Lexus „relax“ trauen, was sehr gut angenommen wird: Heißt – selbst, wenn ich erst nach sieben oder acht Jahren das erste Mal wieder beim Service gewesen wäre, erhalte ich ab dann wieder ein Jahr Garantie. Das gilt, bis Ihr Lexus zehn Jahre alt ist – und es wird sehr gut angenommen.

Das Interview führte Gregor Soller

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