VM-Fahrbericht Volvo V90 T6 AWD Recharge: Das Update vor dem Update

Auch die XC60-Modelle, 90er-Limousinen und -Kombis der Schweden stellen jetzt auf die Android-Plattform um, woran man sich erst gewöhnen muss. Noch dringlicher wäre das Update des PHEV auf größere Reichweite und mehr Performance. Aber das ist bereits avisiert.

Weiter reichen: Die PHEV-Modelle erhalten bald ein Reichweitenupdate, allerdings angefangen beim V60. Das können die Hybride gut brauchen, findet VM-Redakteur Reichel nach der jüngsten Tour im V90 Recharge. | Foto: J. Reichel
Weiter reichen: Die PHEV-Modelle erhalten bald ein Reichweitenupdate, allerdings angefangen beim V60. Das können die Hybride gut brauchen, findet VM-Redakteur Reichel nach der jüngsten Tour im V90 Recharge. | Foto: J. Reichel
Johannes Reichel

Die Geely-Tochter Volvo geht mit einem digitalen Update der meisten seiner Baureihen ins Modelljahr 2022. Ab sofort verfügen danach auch der Bestseller, der SUV XC60 sowie die größeren Kombis und Limousinen der Reihen S/V90 über das Android-basierte Infotainmentsystem wie zuvor bereits der vollelektrische XC40 Recharge PE sowie dessen technischer Verwandter Polestar 2. Damit hält in den Fahrzeugen immer mehr digitale Technologie des US-Tech-Giganten Einzug. Eine zu große Abhängigkeit in Sachen Daten will man bei den Schweden dadurch aber nicht sehen. So lassen sich jetzt mit Google Assistant per Stimm- und Sprachbefehl unter anderem die Temperatur regeln, Navigationsziele festlegen, Musik und Podcasts abspielen sowie Nachrichten senden. Google Maps übernimmt die Navigation und garantiert mit tagesaktuellem Kartenmaterial sowie Echtzeit-Verkehrsinformationen. Wer in einem an der Steckdose aufladbaren sogenannten Recharge-Modell mit Plug-in-Hybridantrieb unterwegs ist, bekommt außerdem Ladestationen entlang der Fahrtroute angezeigt. Über den Google Play Store erhalten Kunden darüber hinaus Zugriff auf zahlreiche weitere, ebenfalls für den automobilen Einsatz optimierte Apps – etwa zur Musikwiedergabe oder für Nachrichten.

Erster Android-Eindruck: Ohne Wisch geht nix

Bei einer ersten Proberunde erwies sich das System im Vergleich zum bisherigen und sehr simpel bedienbaren Volvo-Infotainment etwas gewöhnungsbedürftig. So muss man sich mühsam den Fahrmodus über das Menü auswählen, etwa wenn man rein elektrisch unterwegs sein will, einen Direktaster für den Fahrmodus gibt es nicht mehr. Auch der Bordcomputer mit Fahrstatistik ist nicht mehr so detailliert und informativ, der Tripmeter im Zentraldisplay zeigt leider gar keinen elektrischen Verbrauch an. Die Navigation gelingt dagegen recht flott und wie von Google-Maps gewohnt, die Routenführung ähnlich wie bei Tesla mit Zwischenstationen zum Laden ist ein Fortschritt. Generell hat aber die Abhängigkeit von der Screen-Bedienung eher noch weiter zugenommen.

Verbesserte Sicherheit dank ADAS-Plattform - Update over the Air

Neben dem Infotainment-System auf Android-Basis übernehmen der Volvo XC60 und die drei 90er Modelle auch die sensorbasierte Sicherheitsplattform Advanced Driver Assistance System (ADAS): Die bereits beim Volvo XC40 Recharge Pure Electric eingesetzte Technik kombiniert verschiedene Radar-, Kamera- und Ultraschallsensoren. Sie bilden die Basis für weitere Fahrer- Assistenten. Außerdem soll die Plattform fähig für Updates over the Air und damit zukunftssicher sein. Neu ist aktuell etwa eine Anfahrwarnung für das vorausfahrende Fahrzeug, ein modifizierter Notbremsassistent sowie Parksystem mit automatischem Bremseingriff. Mit dem Modelljahreswechsel 2022 stellt die Geely-Tocher auch auf den kürzlich bekanntgegebenen digitalen Direktvertrieb für seine Elektroautos um. Bis zum Jahr 2030 will man reiner Elektroautohersteller werden. Im Rahmen dieser Strategie werden alle Elektroautos ausschließlich online zum Komplettpaket angeboten.

Update für die PHEVs: Was auch dringend nötig ist

Neben dem digitalen Update sollen die PHEV-Modelle sukzessive aber auch ein antriebstechnisches Update erhalten. Damit kommt man der strengeren Regelung bei der Bafa-Förderung ab 2022 zuvor. Beginnend mit dem V60 Kombi erhöht der Hersteller die Reichweite der Hybriden auf praxistaugliche 90 Kilometer. Zudem erhalten die Teilzeitstromer einen performanteren E-Antriebsstrang. Wie die Testfahrt mit einem aktuellen Hybrid-Modell des V90 Recharge T6 AWD ergab, ist das auch dringend nötig. Aktuell kommt man mit der 11,6 kWh-Akku rein elektrisch kaum 45 Kilometer weit, offiziell sollen es 51 Kilometer im WLTP-City sein. Dem E-Antrieb geht trotz formal 65 kW und 240 Nm in dem 2,1-Tonner (zul. GG 2.610 kg) auch schnell die Puste aus und er ist allenfalls für moderate Stadtfahrten geeignet, weniger als Hauptantriebsquelle. Dadurch kommt der 2,0-Liter-Turbo-Benziner relativ häufig zum Einsatz, was den CO2-Ausstoß stark erhöht. Zuletzt hatten der Importeursverband VDIK, bei dem Volvo Mitglied ist sowie der VDA beklagt, die neue Regelung der Bafa, die 60 Kilometer EV-Reichweite ohne CO2-Kriterium von 50 g/km und jetzt schon ab 2024 80 Kilometer EV-Reichweite verlangt, würge den raschen Hochlauf der E-Mobilität ab.

Laut Volvo Deutschland werden derzeit etwa 43 Prozent der Modelle mit Kabel, sprich als PHEV und einige weniger "Pure Electric" des erst vor kurzem in den Verkauf gestarteten XC40 Recharge PE verkauft. Der Kombi-Anteil schrumpfte auf 26 Prozent, über 60 Prozent der Fahrzeuge sind SUV, mit dem größten Anteil darunter des XC60 in der oberen Mittelklasse der Geländewagen. Rund 156.000 Modelle dieser Reiche wurden seit Einführung im Jahr 2008 verkauft in Deutschland, weltweit waren es 1,83 Millionen. Zum neuen Modellljahr erhält der XC60 ein dezentes optisches Update und eine bessere Funktionalität der fußbetätigten Heckklappe.

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