VM-Fahrbericht Volvo C40: Der crosse Strom-Bruder

Dem kantigen Hochdach-SUV XC40 stellt Volvo jetzt ein Crossover-SUV-Coupé zur Seite. Der vollelektrische C40 soll dynamischer orientierte Klientel ansprechen - und im Autobahnbetrieb sparsamer sein. Ein Basis-Fronttriebler folgt etwa ein halbes Jahr später, leider.

Kein Dach-Schaden: Der C40 übernimmt zwar die "Bodenlinie" des XC40, setzt aber auf eine abfallende Linie und erzielt eine elegantere Optik. | Foto: Volvo
Kein Dach-Schaden: Der C40 übernimmt zwar die "Bodenlinie" des XC40, setzt aber auf eine abfallende Linie und erzielt eine elegantere Optik. | Foto: Volvo
Johannes Reichel

Die unter den chinesischen Fittichen von Geely neu aufgeblühte schwedische Marke Volvo ist für kantige Autos berühmt. Aber auch für "bucklige". Und wenn man so will ist der Volvo C40 ein moderner Wiedergänger des PV444 & PV544, die den Spitznamen "Buckel-Volvo" trugen. Freilich, gegen so einen SUV mit flacherem Dach wirken die Oldies geradezu zierlich - oder der C40, als habe man einen PV444 anderthalb Etagen höher gelegt. Eben alles eine Frage der Perspektive. Oder des Geschmacks. Wer nämlich mit dem kantig-klotzigen SUV-Look des bisher einzigen Vollstromers von Volvo, dem XC40, nichts anfangen konnte, oder den "rasenden Ziegelstein" unelegant fand und den noch mal deutlich flacheren Polestar 2 mit identischer Elektro-Allrad-Antriebstechnik irgendwie zu "spacig", dem könnte der C40 zusagen.

Denn er platziert sich mit seiner Coupè-Dachlinie auf dem gleichen Unterbau nach dem erfolgreichen Vorbild etlicher SUV-Crossover der Premium-Klasse etwa von BMW, Audi oder Mercedes, genau zwischen die beiden Geschwister. Fünf Zentimeter weniger Höhe, die mit 1,59 Meter aber immer noch zehn Zentimeter stattlicher ist als der 1,47 Meter flache Polestar 2, der wirklich als "Crossover" durchgeht. Dazu eine abfallende Dachlinie und ein fescher Dach- und Heckspoiler, fertig ist der elegantere XC40.

Preis: 2.000 Euro mehr für mehr Eleganz

Das hat Vor- und Nachteile: Einer davon ist der Preis. Denn die Eleganz lässt sich Volvo mit gut 2.000 Euro Netto extra bezahlen. Dafür erhält der Kunde aber zur dynamischeren Optik eine bessere Aerodynamik, die sich im Autobahnbetrieb in einer vier Prozent besseren Effizienz niederschlagen soll. Tendenziell ist das aber erst jenseits der 110 oder 120 km/h der Fall, im ruhigen Fluss der belgischen Autobahn war kaum ein Verbrauchsunterschied auszumachen und der C40 kam auch nur mit Mühe unter die 23-kWh/100-km-Marke. Nur eine morgendliche Stop&Go-Zuckelfahrt im Beruftsverkehr über 70 Kilometer bescherte uns einen Wert von 20,7 kWh/100 km, bei einem 39er-Schnitt ... Offiziell sollen es 22 kWh/100 km sein, zu 24-25 kWh/100 km beim XC40 im WLTP. Wer viel Langstrecke fährt und sagen wir mal, den Strom auch mal gemäß der überschäumenden Performance fließen lässt, der mag den Unterschied spüren.

Empfohlen sei das aber nicht, denn dann ist die Maximalreichweite von 415 bis 444 Kilometer im C40, erzielt aus dem identischen Akkupack mit 78/75 kWh Kapazität Makulatur. Übrigens haben die Volvo-Ingenieure hart gearbeitet, um die Spanne zwischen "nutzbar" und "vorhanden" mittlerweile auf 3 kWh zu verringern, der beste "Reichweitenbooster" abseits von Softwareupdates. Gut, dass der neue Range-Assistent, die erste updatebare App im Volvo-Google-Infotainment, die Spanne zwischen Vollstrom und Schleichfahrt anzeigt - und die Reichweite ausgehend vom aktuellen Fahrstil hochrechnet.

Ansatzlose Beschleunigung, satte Traktion

Die motorischen Fähigkeiten würden gleichwohl zum flotten Fahren animieren, kein Wunder bei 2 x 330 Nm und 2 x 204 PS: Der C40 schießt ebenso ansatzlos und trocken, einer Flipperkugel nicht unähnlich, nach vorn wie der XC40, ist mit einer satten Traktion gesegnet und einer straffen Straßenlage nebst einem recht agilen Handling und recht präziser Lenkung, das man einem 2,2-Tonner so gar nicht zutraut. Eingefädelt auf die Autobahn hat man dann schnell. Doch dann sollte man den "Autopiloten" machen lassen, respektive das immer feinfühliger funktionierende Level-2-System mit Spur- und Abstandstempomat sowie Stauassistent.

Ebenso toll funktioniert auch das Einpedal-Fahren, wenn man es mal aus dem Android-Menü herausgefischt hat, das aber eigentlich vorbildlich reduziert auf's Wesentliche ist und vor allem auf die Fähigkeiten des Google Sprachassistenten setzt. Der hat dann doch mit Ghenter Adressen so seine Probleme, "Carmeliterstraße" zum Beispiel. Und mit Musik von Gary Moore kann er auch nichts anfangen. Sei's drum. Die Hardware ist uns noch wichtiger.

Rübe einziehen: Einstieg im Fond mühsamer

Und da gilt es zu konstatieren, dass der Einstieg im Fond durch die tiefere Dachlinie naturgemäß etwas schwerer fällt und über 1,85 Meter gewachsene Passagiere schon auf Tuchfühlung mit dem fein ausgeschlagenen und mit einem superdünnen Panoramaglas versehenen Dach gehen. Tolle Recyclingmaterialien und eine in der Topographie eines berühmten schwedischen Tales versehene Armaturen setzen den C40 vom XC40 ab. Ansonsten gilt: "Same same but different", was aber eben auch nicht schlecht sein muss. Ein top Harman-Kardon-Soundsystem gehört wahlweise zum guten Ton, ebenso die cleveren Ablagen und die riesigen Türfächer für großformatige Botteln. Weniger, aber allemal genug Platz ist dann im Heckabteil, der Kofferraum verliert minimal von 419 Liter beim XC40 auf 413 beim C40, maximal aber dann von 1.295 auf 1.205 Liter. Der kleine Frunk fasst nochmal ein 31-Liter-Täschchen.

Was bedeutet das?

Was also wählen im Volvo-Sortiment? Eigentlich würde die Empfehlung ja zum C40 gehen, aber mit Frontantrieb, doch den gibt es noch nicht. Er soll aber kommen, beim XC40 war es ein halbes Jahr später ... Dann rückt auch die 20 kWh-Verbrauchsmarke in greif- und fahrbare Nähe - und die 40.000-Euro-Marke. Genug Performance hätte der FWD allemal: Die dann nur einfach 330 Nm genügen im XC40 auch, um den 2-Tonner binnen 7,4 Sekunden auf 100 km/h zu befördern. Und mit kleinerem Akku von 69/67 kWh Kapazität genauso weit. Dass aber auch immer die Top-Modelle zuerst kommen - und nicht die "Volksstromer". Bei Volvo wie Polestar hat das jedenfalls Tradition. Wir würden vornehm sagen: Leistung? Genug. Und den Gaul von hinten respektive unten her aufzäumen.

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