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VM-Fahrbericht Tesla Model X Plaid: Einzigartig!

Mit 2,6 Sekunden auf 100 km/h ist der 1.020 PS starke Teilflügeltürer das aktuell am schnellsten beschleunigende SUV der Welt – und in mancher Hinsicht auch das Durchgeknallteste!

Optisch erkennt man das geliftete Model X vor allem am neuen Stoßfänger. | Foto: G. Soller
Optisch erkennt man das geliftete Model X vor allem am neuen Stoßfänger. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Offiziell lud Tesla nach Parsdorf bei München, um das neue Tesla-center vorzustellen, dass man jetzt eben auch bei der bayerischen Landeshauptstadt hat. Heißt: Verkaufsraum, Showroom, Werkstatt und die Möglichkeit, Probe zu fahren – alles unter einem Dach. Und ja, man hätte noch ein Model Y aus Grünheider Fertigung zur Verfügung – interessant genug für uns, sich mal wieder ein Update zu holen.

Soweit, so gut – die neuen Farben kleiden das Model Y gut, aaaaber es gibt noch eine Überraschung: Man hätte auch ein Model X Plaid für Probefahrten zur Verfügung. 1020 PS stark, in 2,6 Sekunden auf 100 km/h (allerdings nach US-Messung mit anrollen) - mit dem Yoke-Lenkrad samt dem neugestalteten Innenraum.

Den Plaid gibt es nur als Sechssitzer

Erster Eindruck: Einzig, aber nicht artig! Schon die Flügeltüren im Fond und das Yoke-Lenkrad heben das Model X weiterhin aus der Masse heraus. Und tatsächlich hat der im Stammwerk Freemont produzierte Teilflügeltürer in der Detailqualität dezent zugelegt: Den Plaid gibt es nur als Sechssitzer, wobei es in Reihe drei eng bleibt, während in Reihe zwei weiter viel Platz zwischen den elektrisch einstellbaren Einzelsitzen zur Verfügung steht.

Angeschaltet wird per App respektive Karte und dem Druck aufs Bremspedal. Dann wischt man jetzt am linken Rand des Zentralscreens nach oben oder unten, um vorwärts oder rückwärts zu fahren – optional leuchten unten an der Mittelkonsole Touchtaster auf, wo man das auch steuern kann. Was wir ergonomisch genauso unsinnig finden wie das eckige Yoke-Lenkrad, dem die Lenkstockhebel genommen wurden. Geblinkt wird mit zwei übereinander liegenden Tasten links, wo auch der Lautstärkerändel für die Soundanlage verblieb.

Rechts steuert man mit diesem den Tempomaten (einmal drücken) oder den Fahrassistenten (zweimal drücken) – Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennt das Model X dann trotzdem nicht. Außerdem kann man rechts hupen, die Scheibe wischwaschen und hupen – oder die Sprachsteuerung aktivieren, die einen leidlich gut versteht. Man kann sich an all das Gewöhnen, aber sorry, es ist ergonomisch einfach nur durchgeknallt.

Das Yoke-Lenkrad funktioniert allenfalls in den USA

Die Krönung ist aber das eckige Yoke-Lenkrad, das in den USA erdacht wurde, wo man meist geradeaus fährt oder in großen Radien abbiegt. Hier flucht man schon beim ersten Kreisverkehr und bei jedem rangieren, denn: Es ist so indirekt ausgelegt, dass man eben doch des öfteren Umgreifen muss, was mit einem eckigen Lenkrad extrem umständlich ist. Und dann noch blinken, um den Kreisverkehr zu verlassen? Wo war gleich wieder die Taste für den rechten Blinker? Ah – bei stark eingeschlagenem Yoke-Lenkrad nun eben gerade rechts unten statt links oben…

Wir suchen eine Fotolokation und biegen auf einen Hof ein, den wir anschließend wieder verlassen wollen. Vor uns eine Bundesstraße mit sehr viel Verkehr – nach links biegen wir schon gar nicht mehr ab, da wir den benötigten Lenkwinkel nur schlecht einschätzen können – die 1020 PS würden auch für kleine Lücken reichen, aber die wollen eben erlenkt sein! Rechts ist es kaum besser, weshalb wir geduldig warten…und den eckigen Lenkprügel einfach als durchgeknallte Musk-Idee abtun – wir sind gespannt, ob Lexus das besser kann…

Ansonsten bleibt es bei einem grundsätzlich übersichtlichen Bedienmenü auf dem Screen und viel Platz im Innenraum. Zumal Tesla die Querstrebe fürs Dach beim Model Y ganz weit nach hinten gelegt hat, was einem vorn ein unheimlich luftiges und tolles Raumgefühl gibt! Das man auch das Lenkrad über ein Menü im Screen einstellen kann – ist fast schon geschenkt, immerhin blieb es beim Sitz bei primitiven best bedienbaren Schiebern direkt am Gestühl. Danke, dass sie dort blieben!

Beindruckend ist, wie das Model X ab 100 km/h einfach weiterpowert

Die Beschleunigung selbst ist jetzt nicht mehr so beeindruckend, wenn man einmal die 2,9 Sekunden des Porsche Taycan Turbo S erlebt hat, aber wie die 1.020 PS ab 100 km/h (ab da sind sie voll verfügbar) den Riesen weiterschieben, das ist in der Tat beeindruckend. Klar, das Model X Plaid ist in den USA auch das erste Serien-SUV, das die Viertelmeile binnen 9,9 Sekunden schafft und tatsächlich fliegt das Model X der 150-,200-, 250-km/h-Marke nur so entgegen…erst bei 262 km/h ist Schluss. Da zieht sowieso ein Transporter mit Anhänger auf die linke Spur mit knapp 100 km/h... Haben wir zwar rechtzeitig gesehen, aber müssen dann doch massivst bremsen – bis in den ABS-Regelbereich. Rekuperation und Betriebsbremsen entsprechen in ihrer Leistung nicht so ganz den drei Fahrmotoren und dürften noch bissiger sein.

Das Fahrwerk kommt bei der Leistung an seine Grenzen

Und die Lenkung etwas straffer, denn bei hohen Tempi wirkt sie eher leicht. Und weil wir die Vorderachse schon auf dem Kieker haben, fällt auch auf, dass die Vorderräder bei massivem Beschleunigen - dezent und nur für Sekundenbruchteile - nach Grip suchen. Unser Tipp, da wir beide gefahren sind: das Model S wirkt hier viel straffer und prinzipbedingt bodennäher.

Nach wie vor sind die Tesla-Modelle vergleichsweise sparsam

Kurzer Blick auf den Verbrauch: Die Tempobolzerei lässt uns bei Werten jenseits der 40 kWh/100 km enden, weshalb wir am Rückweg bewusst im Verkehr „mittrödeln“ – bei 100 bis 120 km/h kommt das Model X schnell wieder unter die 30er-Marke kommt. Bis zu 543 km Reichweite gibt Tesla an, den Verbrauch beziffert man mit günstigen 20,8 kWh/100 km, was für einen solchen Brocken extrem sparsam wäre. Das Ganze lässt auf einen Akku mit 113 kWh Nettokapazität schließen. Uns werden zum Start 457 km angeboten, was laut Anzeige 24,7 kWh/100 km netto entspricht – mit Ladeverlusten würde man so bei gut 27 kWh/100 km landen. Was für das Gebotene im Winter absolut in Ordnung geht! Zumal man mit bis zu 250 kW wieder laden kann, oder anders ausgedrückt: Binnen 15 Minuten kann man am Supercharger bis zu 282 Kilometer laden. Auch das haben wir stellvertretend mit dem Model S probiert: Binnen 13 Minuten war der Akku von niedrigen sieben auf 34 Prozent geladen – könnte also halbwegs hinkommen. Auch das Gewicht hält sich mit 2.455 kg noch in Grenzen, während man mit 2.250 kg Anhängelast ordentlich was ziehen darf.

Jetzt muss das Model X nur noch Kunden ziehen, was ihm gelingen könnte: Denn es punktet nach wie vor mit einer irrwitzigen Mischung aus relativer Effizienz und absoluter Kraft, machte in der Detailqualität einen merklichen Sprung, wenngleich man ECHTES haptisches Premium anderen überlässt. Das ganze kombiniert mit den Flügeltüren im Fond und dem Yoke-Lenkrad machen das Model X Plaid einzigartig. Wobei man ergänzen müsste – einzig, aber nicht unbedingt artig!

Bestellt werden kann ab 140.990 Euro brutto (gut 125.966 Euro netto) oder 1082 Euro netto im Leasing, sofern man 23.861 Euro anzahlt und über die 60 Monate Laufzeit nicht mehr als 10.000 km im Jahr fährt.

Was bedeutet das?

Tesla hat das Model X gezielt weiterentwickelt. Die Detailqualität wurde merklich verbessert und es bietet an Auftritt und Leistung mehr als nötig und das Yoke-Lenkrad samt der neuen Bedienung ist leider eher mehr durchgeknallte Musk-Idee als ergonomisches Muss. Aber es hilft, das Model X weiter deutlich vom Mercedes-Benz EQS SUV oder BMW iX M60 zu differenzieren.

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