VM-Fahrbericht Sevic V500e: Leicht kann ganz schön schwer

Der nach dem Tropos-Split-Off weiterentwickelte Micro-E-Van glänzt mit gutem Handling, solider Qualität und top Transporteffizienz, sprich Nutzlast und Volumen auf wenig Fläche. So läuft "urbane Logistik" heute.

Hohe Transporteffizienz fährt der Sevic 500V auf, der nach der Weiterentwicklung deutlich an Qualität gewann. | Foto: Reichel
Hohe Transporteffizienz fährt der Sevic 500V auf, der nach der Weiterentwicklung deutlich an Qualität gewann. | Foto: Reichel
Johannes Reichel

Nach der gründlichen Überarbeitung hat der Leichtelektro-Transporter des Bochumer Spezialisten gegenüber dem früheren Tropos Able deutlich an Qualität gewonnen. Das zumindest ist unser Eindruck nach einer ersten Testfahrt des LEV (Light Electric Vehicle) im Rahmen der IAA TRANSPORTATION in Hannover (20.-25.9.). Der technisch gemeinsam mit Magna weiterentwickelte L7e-Van gefiel dabei mit stark verbessertem Fahrkomfort, der vor allem auf einen auf 2,12 Meter verlängerten Radstand und ein komplett überarbeitetes Fahrwerk zurückzuführen ist. Das Chassis verarbeitet Kanaldeckel oder Querfugen manierlich und ohne dass sich die Karosserie oder der sauber verarbeitete Kofferaufbau größer verwindet. Auch die 14-Zoll-Goodyear-Eco-Reifen tragen hier ihren Teil bei.

Verbessertes Fahrwerk: Er hoppelt deutlich "sanfter"

Durch die Frontlenkerbauweise bedingt sind aber die Kräfte, die über das Fahrwerk zum direkt über der Vorderachse positionierten Fahrer durchdringen größer als bei konventionellen Transportern der City-Van-Klasse, ein leichte Tendenz zum Hoppeln und ein insgesamt eher "ehrlicher" Federungskomfort ist nicht zu unterdrücken. Immerhin sorgen auch die erwachsenen und gut gepolsterten Sitze für eine Verbesserung. Zudem hat sich die Agilität verbessert, der Leichtstromer liegt satt und sicher auf der Straße und lässt sich enorm locker und dennoch präzise bewegen. Die Übersicht in dem nur 3,70 Meter langen, 1,37 Meter schmalen und 1,96 Meter hohen Kleintransporter ist exzellent, auch mit den Spiegeln kann man arbeiten. Zudem gelingt der Einstieg in das tief auf der Straße kauernde Fahrzeug bestens.

Kräftigerer E-Motor von ABM Greifenberger

Antriebsseitig gefällt der komplett mit Teilen aus Europa bei Milara in Plovdiv/Bulgarien gefertigte E-Van mit einem in Drehmoment und Leistung erstarkten 15-kW-Hinterachs-Asynchronmotor, jetzt von ABM Greifenberger aus Marktredwitz, kombiniert mit einem Getriebe aus italienischer Produktion. Der Motor läuft nicht nur leiser, sondern zieht im Normalmodus sehr kräftig aus dem Stand und beschleunigt die Fuhre bis auf 85 km/h. Im für urbane Zonen gedachten Ecomodus geht es dann milder zu und bei 50 km/h ist Schluss. Die Rekuperation könnte allerdings etwas kräftiger ausfallen, um dem Fahrer den Tritt auf die gut verzögernden Betriebsstopper noch häufiger zu ersparen.

Praxisfest: Bis 300 km Reichweite, 9,9 kW-Lader

Die Rekuperationsenergie fließt zurück in einen wahlweise 16,5 oder 33 kWh großen Lithium-Ionen-Akku, der laut Herstellervertreter von einem großen und etablierten chinesischen Hersteller stammt. Die Reichweite damit beträgt dem Vernehmen nach auch in der Praxis problemlos erreichbare 150 oder 300 Kilometer, was einem Verbrauch von nur 11 kWh/100 km entspreche. Aufgeladen wird standardmäßig und in Typ 2-System mit 3,3 kW, optional sogar mit 9 kW, womit der kleine Speicher in zwei Stunden wieder befüllt wäre. Dank eines niedrigen Leergewichts von nur 757 bis 894 Kilogramm sollte die gebotene Leistung genügen, um zwischen 576 und 676 Fracht zu befördern. Hinzu kommt eine Anhängelast von immerhin 375 Kilogramm. Auch die 12 Grad Steigfähigkeit stellen gute Einsatzbreite sicher.

Ansprechende Kabine ohne Schnickschnack

Das Interieur ist ausreichend geräumig und bietet für die Fahrzeugmaße ordentlich Platz, wie auch generell anständige, knisterfreie Verarbeitung und für die Gattung ansprechende Materialauswahl. Die Türen fallen satt ins Schloss, könnten allerdings im unteren Bereich noch dichter abschließen. Hier entsteht ein kalter Luftzug. Es gibt ein gut ablesbares, klares Farb-Zentralinstrument sowie ein mittig platziertes Farb-Infotainment mit GPS-Navi und automatisch aktivierender Rückfahrkamera, das ebenfalls alles andere als "billig" wirkt. Eine Heizung ist Serie, eine Klimaanlage optional erhältlich. Auch die Konnektivität hat sich verbessert, die Anbindung an Flottentelematik soll möglich sein. Den hochwertigeren Eindruck unterstreichen außen auch die eleganteren Stoßfänger sowie die LED-Leuchten an Front und Heck.

Kein Billigheimer, aber den Preis wert - und günstig im Betrieb

Mit Preisen ab 24.900 Euro ist der V500e für einen vollelektrisch angetriebenen Transporter mit diesen Frachtmöglichkeiten zudem fair gepreist, wenn man den Angaben des Herstellers glauben darf, dass die Betriebskosten des Microstromers bei weitem niedriger liegen als etwa bei einem dieselbetriebenen City-Van in der "Caddy-Klasse". Darüber hinaust stehen zahlreiche, auch kundenindividuelle Aufbauvarianten zur Verfügung, die sich auch während des Einsatzes dank des patentierten "Cargo Swap"-Systems mit Schnellwechselmechanismus verändern lassen. Damit peilen die Bochumer etwa auf die Anwendung in urbanen Microhubs. Ausgestellt auf dem Stand war neben der Cargobox mit Türen oder Rollo auch ein Aufbau mit Verkaufsautomat oder ein kleiner Elektro-Kipper.

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