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VM-Fahrbericht Mini Cooper SE: Schwer spaßig - aber nicht lange

Auch der zweitürige "Mini-Mini" kommt im Standard elektrisch - und wieder als Cooper. Optisch glatter denn je bleibt er in einer Sache ganz der Alte: Eine Fahrmaschine. Die 400 Kilometer Reichweite sind aber wegen mäßiger Effizienz Utopie.

Mit 1,7 Tonnen Leergewicht stößt der Mini in Regionen vor, in denen einst der Siebener-BMW lag. | Foto: MIni
Mit 1,7 Tonnen Leergewicht stößt der Mini in Regionen vor, in denen einst der Siebener-BMW lag. | Foto: MIni
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Redaktion (allg.)

Man mag darüber streiten, ob in diesem Fahrzeugsegment jeder Kunde wirklich einen gesteigerten Wert auf die technischen Daten und das Fahrverhalten an sich geht. Gerade wer sich für einen Mini entscheidet, kauft erst einmal die Marke, das Modell und das spezielle Design. Knuffig, cool und trendig – das bietet auch der neueste Mini, bei dem der Kunde wie schon beim Vorgänger eine Auswahl hat, ob dieser von einem Elektromotor oder einem Verbrenner angetrieben wird.

Cooper elektrisch? Klappt! 

Eines vorweg: der Elektroantrieb passt exzellent zum neuen Mini Cooper. Sorgen bereiten an sich nur die Instrumente und eine gähnend langsame Ladegeschwindigkeit. Überzeugend präsentiert sich hingegen die Sitzposition, der nunmehr auch elektrisch verstellbaren Stühle, die guten Seitenhalt bieten. Im engen Fond kann und muss zum Glück kaum jemand sitzen. Besser die beiden Plätze werden genutzt, um den gerade einmal 200 Liter großen Laderaum für Gegenstände wie Jacken oder Taschen zu erweitern.

1,7 Tonnen Leergewicht sind viel für die Fahrzeuggröße

Ein Tritt aufs Gaspedal und es geht trotz der gigantischen 1,7 Tonnen Leergewicht munter los – und wie. Der Schub des chinesischen Briten aus dem Stand ist stattlich. Bei dem Regen und der nassen Fahrbahn sind die vorderen Pneus allzu schnell an ihrer Haftungsgrenze und doch strahlt der Pilot hinter dem Steuer nach den ersten Kurvenkombinationen. Weil eines stimmt: der Fahrspaß. In der City sieht es nicht anders aus. Der Elektromotor an der Vorderachse mit seinen 160 kW / 218 PS und allemal munteren 330 Nm ist schon wegen des hohen Gewichts keine Leistungsbestie – wirklich nicht. Doch muss mehr Leistung in einem solchen Kleinwagen sein? Eher nicht. Anbremsen, einlenken, einfach aus der Kurve herausbeschleunigen und mit dem Lenkrad justieren, wo es hingehen soll.

Als der Regen nachlässt und die Fahrbahn trocken wird, greifen nicht nur die Vorderräder deutlich besser, sondern auch das Heck zeigt sich im Grenzbereich weitaus stabiler als man es vom agilen Vorgänger kannte. Spürt das der Allerweltfahrer oder besser die entsprechende Fahrerin, denn der Mini dürfte auch in seiner neuesten Auflage insbesondere eines bleiben: ein Auto für die schicke Damenwelt. Nein, das bessere Handling im Grenzbereich, die präzise Lenkung und weitere von den Ingenieuren mühsam herausgearbeiteten Finessen beim Fahrwerk dürften den meisten Kunden verborgen bleiben.

Die Preise starten ab 36.900 Euro brutto

Doch das gilt nicht für alles. Denn der niedrige Schwerpunkt und das insgesamt sehr stimmige Fahrverhalten – damit punktet der mindestens 36.900 Euro teure Mini Cooper SE in jeder Kundenhand. Ob diese Insassen alle das feine und gestochen scharfe, aber allzu überfrachtete Rundinstrument in der Mitte der Armaturentafel lieben werden? Kann sein.

Mini-Fahrer sind keine Veganer: Der Wegfall des Leders stört viele  

Sie werden sich aber daran stören, dass Instrumente hinter dem Lenkrad fehlen, das ausfahrbare Head-Up-Display billig wirkt und Ledersitze selbst in der Liste der Sonderausstattungen außen vor bleiben. Mini, bisher gerade bei den teuren Versionen besonders erfolgreich mit seinen Sportsitzen aus strapazierfähigem Leder, das mit zunehmendem Alter eher noch edler wurde, bevormundet seinen Kunden und schreibt ihm vor, dass Leder plötzlich nicht mehr en vogue sei.

Dabei ist das Gegenteil der Fall und die Entscheidung zur Individualisierung sollte man auch in den vier Trimleveln doch besser dem Kunden überlassen. Nicht nur in vielen Foren gibt es hängende Mundwinkel ob der neuen Ausstattungen und auch erste Händler berichten, dass die Kunden den Wegfall der edlen Tierhäute nicht nachvollziehen können.

Neben den umfangreichen Touchfunktionen und den verschiedenen Fahrprogrammen mit hinterlegten Bildschirminszenierungen lassen sich zentrale Bedienfunktionen über das Lenkrad, eine Schalterleiste unter dem kreisrunden Touchdisplay oder per Sprache steuern. gesteuert werden. Zahlreiche Funktionen wie Navigation, Telefonie und Entertainment können mit einem Sprachassistenten bedient werden.

Nix Cooper: Höchst- und Ladegeschwindigkeit sind eher lahm

So gut der 3,86 Meter lange Mini Cooper SE abgesehen von der schwachen Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h auf der Straße überzeugt, so enttäuschend sieht es an der Ladesäule aus. Die Basisversion des Mini Cooper E lädt mit müden 75 kW und auch der Cooper SE ist mit einem maximalem Ladetempo von 95 Kilowatt langsamer als nahezu alle Wettbewerber; auch wenn diese schon Jahre auf dem Markt sind. Dass das Akkupaket im Unterboden trotzdem von 10 bis 80 Prozent in einer halben Stunde erstarkt, dafür ist allein der nur 54 kWh kleine Akku verantwortlich, zu dem es keine größere Alternative gibt.

Von den 400 Kilometern Reichweite bleiben gerade mal 228 übrig

Von den in Aussicht gestellten 400 Kilometern Reichweite war bei den Testfahrten nichts zu spüren, denn mit vollem Akku zeigte der Bordcomputer hier gerade einmal 228 km an. Trotz Regen und 15 Grad Außentemperatur ein allzu kleiner Wert. Das ist selbst für einen coolen Flitzer zu wenig. Was bedeutet, dass statt der angegebenen 14,1 kWh/100 km eher um die 20 durch die Drahtadern des Mini fließen. Wer also 300 km plus x schaffen will, sollte vom Spaßpotenzial des Cooper die Finger respektive den Fahrpedalfuß lassen. 

Noch weniger weit wird das Einstiegsmodell mit seinem 135 kW / 184 PS starken Elektromotor kommen: Da gibt es einen winzige 40-kWh-Akku, der schon auf dem Papier nur 305 km Reichweite verspricht, von denen real keine 200 bleiben werden. Der Preis der Basisversion: 32.900 Euro. Womit die Fortschritte in Sachen Effizienz gegenüber dem Vorgänger dann eher dezent ausfallen ...

Stefan Grundhoff; press-inform

Technische Daten: Mini Cooper SE

Motor: Elektro, vorn

Leistung: 160 kW / 218 PS

Max. Drehmoment: 330 Nm

Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h

Beschleunigung 0 – 100 km/h: 6,7 Sekunden

Normverbrauch WLTP: 14,1 kWh / 100 km

Reichweite WLTP: 400 km

Antrieb: Front

Akku: 54 kWh

Laderaum: 210 – 800 Liter

Preis: 36.900 Euro brutto

Was bedeutet das?

Der neue Mini ist viel erwachsener geworden und bleibt sich treu: Denn auch der Ur-Mini war immer ganz großer Fahrspaß und ganz tolle Optik. Und nie nur effizient oder raumnutzend. Nur in Sachen Reichweite wäre ein bisschen mehr halt einfach auch mehr gewesen ...

 

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