Werbung
Werbung

VM-Fahrbericht Hopper: Meister Hopper fährt so sauber ...

Schon das Vorserienmodell macht einen robusten und stimmigen Eindruck. Jetzt streben die Augsburger Richtung Serienfertigung, die auch in Hamburg aufgebaut werden soll. Ein kluger Beitrag zu besserer Stadtmobilität.

Mobile Freiheit am Fuße der Bavaria: Der Hopper nimmt Kurs Richtung Serie. | Foto: J. Reichel
Mobile Freiheit am Fuße der Bavaria: Der Hopper nimmt Kurs Richtung Serie. | Foto: J. Reichel
Werbung
Werbung
Johannes Reichel

Preisfrage: Wie viele Hopper passen auf einen Normparkplatz? Genau vier der kompakten und cleveren Stadtmobile lassen sich auf einer Normfläche unterbringen. Und damit lassen sich bequem zwei Personen und Gepäck befördern. Wo einst der Schaeffler Bio-Hybrid die Segel gestrichen hat, macht Hopper Mobility aus Augsburg weiter: Personentransport per Rad. Nur ganz anders. Denn das Konzept eines hinterradgelenkten und dreirädrigen Pedelecs weicht doch stark von der Norm und dem allgemeinen Trend ab. Der geht bei den schweren E-Cargobikes aktuell klar in Richtung vierrädrig, wenn man mal von den Pionieren und klassischen Trikes wie tricargo Lademeister oder Radkutsche Musketier absieht.

Doch die Hopper-Macher aus Augsburg peilen ohnehin weniger auf professionelle gewerbliche Einsätze in der Logistik, sondern mehr auf Privatkunden, Kleingewerbetreibende oder Services wie Pflegedienste, wie uns PR- und Marketing-Leiter Sebastian Weber beim Treffen mit dem Vorserienmodell unterhalb der Baviaria in München erklärt. Er ist übrigens aus Augsburg hergeradelt, was von der (nur partiell vorhandenen) Radinfrastruktur weniger schön war, als er gehofft hätte ...

Der Digital-Antrieb macht bei 25 km/h radikal Schluss

Womit man schon mitten im Thema ist: Zwar darf der Hopper als Fahrrad, wie auch in fetter Schrift auf der Windschutzscheibe betont wird, mit seinen noch recht schlanken 1,05 Meter Breite (inkl. Spiegeln) auf den Radweg. Bei Pollern wird es bei der Breite allerdings eng und man sollte vorsichtig durchzirkeln. Doch weil bei 25 km/h laut knackscharfem Infodisplay Schluss ist, dürfte man sich öfter mal als Hindernis für die flotteren Gravel- oder Pendel-Biker mit Muskelantrieb fühlen.

Der "digitale Antrieb" mit Mando-Generator vorn und einem charakteristisch leise heulenden Heinzmann-Motor im gelenkten Hinterrad, lässt nicht mehr Tempo zu, als der Gesetzgeber aktuell erlaubt. Damit ist man auf der Straße natürlich ohnehin Fehl am Platz. Es sei denn, der Verkehrsminister würde sich endlich zu Tempo 30 durchringen und dann sogar noch die Pedelec-Regularien anpassen. Ok, dream on ...

Wetterfest: Auch einen Hagel hat der Hopper überstanden

Kein Traum, sondern Realität soll der Hopper bald sein. Und zwar für alle Biker, denen ein gewisser Wetterschutz wichtig ist. Die beschichtete Plexiglasfrontscheibe lässt bei dem aufkommenden Regen am Testtag gut abtropfen, clean bekommt man die Front mit dem Handwischer, den man flugs am Dach entriegelt und dann per Dreh am Hebel betätigt. Originelle Lösung. Und sogar eine Frontscheibenheizung mit Luftausströmern gibt es. Wobei die bei eifriger Nutzung auf den Energievorrat in dem AES-Kofferakku unterm Sitz durchschlagen dürfte, der für 60 Kilometer Tretunterstützung genügen soll. Ist der 1,44-kWh-Speicher leer, bleibt der Hopper auch stehen, der Nachteil des kettenlosen, dafür wartungsarmen Antriebs. Immerhin lässt das 11-Kilo-Köfferchen sich leicht tauschen.

Ein weiterer Nachteil ist das synthetische Tretgefühl des in zwei noch etwas wenig ausdifferenzierten Stufen (schwer, etwas leichter) modulierbaren Antriebs. Man kommt zwar ganz gut in Fahrt, aber vom Feeling her ist es doch ein anderes Gefühl, um es im Fußballerdeutsch zu sagen, als wenn man eine Kette träte. Doch klar, der Aufwand, eine Kette zum gelenkten Hinterrad zu leiten, das übrigens mit einem fetten Conti-Roller-Pneu bestückt ist, wäre immens, der Ertrag bis auf den "Notfall-Modus" minimal. Vorne versehen dann Schwalbe-Pick-up-Bike-Pneus einen angeblich "unplattbaren" Dienst.

Schon in Vorserie solide verarbeitet

Überhaupt wirkt die Verarbeitung schon im Vorserienstand robust, über die holprige Theresienwiese dringt kaum ein Knistern aus dem Kunststoffaufbau. Der Federungskomfort ist manierlich, übrigens auch für den "zweiten Mann" im Heck, der selbst mit 1,90 Meter Größe gut Platz hat. Und auch gut hinkommt: Schließlich lässt sich der Fahrersitz wie bei einem "echten" Auto komplett vorklappen. Man fädelt aber auch ohne Klapptrick passabel auf die Rückbank.

Etwas synthetisch ist dann auch das Lenkgefühl, diesmal per Kette wird das Hinterrad bis zu 90 Grad eingeschlagen, was man in Fahrt tunlichst unterlassen sollte, um den 135 Kilo schweren Hopper nicht wirklich "hoppen" zu lassen. Wer normal mit dem Steuerrad umgeht, erfreut sich einer erstaunlich stabilen Straßenlage. Und bei Langsamfahrt eines sensationellen Wendekreises von zwei Metern. Wie ein Zirkel dreht der Hopper auf der Stelle, als hätte das just im Abbau befindliche Oktoberfest den Autoscooter-Betrieb verlängert.

Kofferraum: Platz im Heck

So parkt man spielend ein. Und holt dann sein Gepäck aus dem mit 126 Litern gar nicht mal so kleinen Kofferraum. Eine Cargovariante bietet dann bis 216 Liter, aber keine so schöne Mitfahrgelegenheit. Schon bei der Zweipersonen-Version fasst er, wie Weber dem ungläubig dreinguckenden Redakteur verkündet auch mehrere Getränkekisten, das war das "Ur-Maß" der Entwickler und stets wichtiges Kriterium aller Autofahrer. Auch über eine Anhängeroption denkt man bei Hopper übrigens nach.

Ungewöhnlich: Lenkradbremse

Kaum kommt man zum stehen, was mit der "Lenkradkranzbremse" und der mechanischen Scheibenbremse erstaunlich schnell intuitiv klappt, und rangiert probeweise mit dem Rückwärtsgang (bis 6 km/h) und zieht den separaten Handbremshebel an, ist man auch schon umringt von Radlern. Die neugierig fragen, um was es sich bei diesem Vehikel denn handelt. Natürlich bleibt auch die Frage nach dem Preis nicht aus, deren Antwort dann doch das ein oder andere Schlucken auslöst: Ab 12.900 Euro kann man vorbestellen.

Ganz schön viel für ein Fahrrad, wobei teure, einspurige E-Cargobikes der Premium-Marken auch Richtung 10.000 Euro tendieren, ganz zu schweigen von den Profi-Bikes im Gewerbesegment, da geht's ab 12.000 Euro gerade mal los. Dafür ist die Ausstattung beim Hopper recht komplett. Und serienmäßig ist der quietschblaue City-Floh vor allem auch: Eine prima Kontaktbörse. Und das ist ja dann fast unbezahlbar. Apropos: Abschließende Preisfrage - wie viel Prozent der Kosten eines Autos verursacht ein Hopper? Genau zehn dieser cleveren Gefährte ließen sich damit betreiben. Braucht wenig Platz und noch weniger Geld (im Betrieb).

Werbung
Werbung