VM-Fahrbericht: City-Hopper - Dreirad für Stau-Neurotiker

In der Stadt wirklich mobil sein, vorbei an Staus, radwegtauglich und doch wettergeschützt. Das Dreirad-Konzept City Hopper macht's möglich. Mit dem Hybrid aus Pedelec und Auto einer Kreativschmiede aus Augsburg steht ein komplett neuer Fahrzeugtyp am Start.

Der Hopper bei der Probefahrt am Lech: Auch als 1,90-Mensch hat man genug Platz in der Kabine. | Foto: Georg Schieren, Hopper Mobility
Der Hopper bei der Probefahrt am Lech: Auch als 1,90-Mensch hat man genug Platz in der Kabine. | Foto: Georg Schieren, Hopper Mobility
Thomas Kanzler

„Wir gehen von einem erheblich wachsenden Bedarf an umweltfreundlichen und praktischen Konzepten zur Individual-Mobilität in der Stadt aus. Obwohl es bisher nur ein Testmodell gibt, haben wir schon Anfragen für mehr als 200 Fahrzeuge“, skizziert Martin Halama, Mitgründer und Projektleiter der Hopper Mobility GmbH gleich eingangs. Kompakt und futuristisch steht der Prototyp in der Garage des Augsburger Tech-Startups. Viele Konzepte von E-Bikes mit Karosserie ähneln entweder behindertengerechten E-Mobilen oder sind windschnittige, flache Kabinenroller, wie etwa das Podbike aus Norwegen. Das Design des City-Hoppers ist schon mal ziemlich einzigartig –  zwei Räder an der Front gehen direkt in die überdachte, aber zur Seite offene Kabine über – am Heck wird die Kabine von einem einzelnen Rad gestützt.

Erste spannende Ausfahrt in Augsburg

Bei unserer Probefahrt im Prototypen funktionierte die Unterstützung schon sehr gut, man ist mühelos und flott unterwegs. Natürlich zeigte sich am Prototypen so manches noch nicht perfekt. Das Lenkrad stellt ein Teil aus dem 3-D Drucker dar, die Abdeckung innen für den Akku fehlte noch und - es gab noch keine Bremse. Auf unserer Teststrecke am Ufer des Lech vermissten wir die fehlenden Stopper nicht, der Hopper rekuperiert sofort, sobald man die Pedale nicht mehr tritt.

Der ungewöhnliche Aufbau des Hopper mit zwei „feststehenden“ Rädern vorne und einer Hinterradlenkung macht eine sehr kompakte Bauform möglich und sorgt für großzügige Platzverhältnisse im Fußraum vorne. Ungewöhnlich ist allerdings dann auch mitunter das Fahrverhalten des City-Flitzers. Bei Geradeausfahrt oder leichten Kurven noch unauffällig, gibt das Konstrukt bei stärkeren abrupten Richtungswechseln das Gefühl, es würde einem „der Hintern weggezogen“. An das etwas spezielle Handling gewöhnt man sich aber schnell. Zumal die Hinterradlenkung den Vorteil eines extrem kleinen Wendekreises von gerade einmal zwei Metern bietet.

City-Hopper kann seinen Energiebedarf auch selbst decken

Sehr überzeugend stellt sich die Verarbeitung des Fahrzeugs schon im frühen Stadium dar. Die Fahrerkabine aus GFK macht einen soliden Eindruck und die große Frontscheibe wird in der Serie mit einem „perlenden“ Lotus-Effekt versehen. Die Reichweite des Akkus geben die Macher mit 60 Kilometern an, ein zweiter Akku soll die Reichweite optional verdoppeln. Zum Aufladen an einer herkömmlichen Steckdose lassen sich die etwa acht Kilogramm schweren Batteriepacks herausnehmen und in drei bis vier Stunden wieder aufladen. Auf dem Dach sollen Solarzellen Strom für bis zu 25 Kilometer am Tag extra generieren. So könnte es sein, dass der Hopper als Selbstversorger so gut wie nie an die (Strom-) Leine genommen werden muss.

„Unsere Zielgruppe wird im Sommer bei gutem Wetter sicher auch mal mit dem Fahrrad unterwegs sein. Unser Hopper steht aber als umweltfreundliche und wettergeschützte Alternative zum Auto bereit“, argumentiert Georg Schienen, einer der Gründer von Hopper Mobility, für das Konzept.

Der City-Hopper kann einen zweiten Erwachsenen oder zwei Kinder auf der Rückbank mitnehmen – und hat zudem noch einen abschließbaren Kofferraum mit immerhin etwa 70 Litern Fassungsvermögen. Der Prototyp verfügte noch nicht über die angekündigte verschiebbare Rückwand, durch die sich der Stauraum auf bis zu 220 Liter erweitern lässt, dann allerdings ohne Beifahrer. Eine Cargo-Variante ohne Rücksitzbank ist in Planung und dürfte sicher auf Interesse von City-Zulieferern und Ausfahrern treffen. Der Hopper soll mit einer Sitz- und sogar einer Lenkradheizung für Komfort an kälteren Tagen sorgen. Sicherheit bietet das Beleuchtungskonzept mit Front- und Heck-LEDs, Blinkern und Bremslichtern.

Kosteneffizienter und kompakter als jedes E-Auto

Durch die kompakte Bauform des City-Hopper - er ist zwei Meter lang und gerade einmal 88 Zentimeter breit - würden vier Hopper auf einen Pkw-Stellplatz unterkommen, wirbt der Hersteller. Er wird als Pedelec eingestuft, die Tretunterstützung des Motors wirkt deshalb bloß bis 25 km/h. Dafür braucht man für das Gefährt keinen Führerschein und zahlt keine Steuern.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass eine zukunftsfähige Mobilität CO2-neutral und nachhaltig sein kann. Mit dem Hopper wollen wir das unter Beweis stellen“, schwärmt Torben Müller-Hansen, ein weiterer Gründer der jungen Firma, die erstmals im August 2020 mit der Ankündigung ihres City-Mobils an den Start gegangen war.

City Hopper bald bestellbar

Das Augsburger Tech-Startup hat eine erste Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Mit einer hohen sechsstelligen Summe beteiligt sich eine Gruppe von Investoren an der Finanzierung des Unternehmens.

„Mit dem Geld der ersten Finanzierungsrunde werden wir die Prototypenentwicklung abschließen und die ersten Testfahrten ermöglichen. Außerdem werden wir unser Team weiter ausbauen, um den Entwicklungskurs zu beschleunigen“, erklärt Philipp Herrmann, auch er Mitglied im vierköpfigen Gründerteam.

Als Partner haben sich die Augsburger zudem einen erfahrenen Hersteller elektrischer Antriebe mit ins Boot geholt. Heinzmann, ein weltweit tätiger Spezialist für elektrische Motoren, auf den auch viele Cargobikehersteller schwören, sorgt für den Vortrieb des neuartigen Stadtmobils. Im Juli 2022 soll der finale Prototyp des City-Hoppers fertiggestellt werden, bereits im März 2022 erste Bestellungen möglich sein. Die Fertigung ist in Deutschland geplant. Als Preis sind 7.000 Euro angepeilt.

Was bedeutet das?

Der Hopper ist ein innovatives Konzept für die Stadt, durchdacht und mit Sachverstand entwickelt. Die vier Gründer kommen aus dem Automobil- und Zulieferbereich, bringen Erfahrungen im Marketing und Unternehmensberatung mit und kennen sich bereits aus Schul- und Studienzeiten. Positioniert zwischen E-Bike und Auto, überzeugt das Konzept mit minimalen Betriebskosten und CO2 Emissionen. Beste Start(up)-Bedingungen, würden wir nach dem ersten Eindruck sagen.

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