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VM-Fahrbericht Citroën ëC3 & C3: Als Stromer ist der Volks-Wagen in Bestform

Ein Budget-Stromer aus Europa, bisher unmöglich. Doch mit dem ëC3 tritt die Stellantis-Tochter den Gegenbeweis an. Und bringt einen erwachsenen Kleinwagen, dessen Mini-Akku weit reicht. Da guckt der Verbrenner alt aus, obwohl er für sich nicht schlecht ist. Vergleiche mit dem Dacia Spring sieht Citroen nicht gern.

Geht doch! Der eC3 beweist, dass Budget-E-Autos auch aus Europa kommen können - und sich dabei nicht billig anfühlen. | Foto: J. Reichel
Geht doch! Der eC3 beweist, dass Budget-E-Autos auch aus Europa kommen können - und sich dabei nicht billig anfühlen. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Es bewegt sich doch was, in Sachen günstiger E-Autos aus heimischen Landen. Der Stellantis-Tochter Citroën war es jetzt vorbehalten, auf einer komplett neuen Multiantriebsplattform namens "Smart Car" den Beweis anzutreten. Klar, macht doch der C3 bei der volksverbundenen und kleinwagenaffinen Doppelkeilmarke knapp ein Drittel der Verkäufe aus. Und man kann nach den ersten Proberunden sagen: Der Budget-Stromer bedeutet in keinem Fall verzicht. Anders als dem Dacia Spring haftet dem ëC3 und seinem Verbrenner-Pendant, das zeitgleich auf den Markt kommt, nichts "billiges" an. Die Karosserie- und Materialanmutung bewegt sich auf dem gewohnten Stellantis-Niveau, die Türen fallen satt ins Schloss und die Verarbeitung ist knarz- und knisterfrei: Nicht edel sei das Auto, aber praktisch und gut. Und allemal in der Max-Version zu 27.800 Euro ansehnlich und markentypisch lebensfroh.

Losgehen die Preise für die 44-kWh-Variante, der eine kleinere Version mit 200 km Reichweite für 19.900 Euro folgen soll, bei 23.300 Euro. Auch ein 48-Volt-Hybrid mit elektrischer Fahrfähigkeit dank 21-kW-E-Motor (55 Nm), kleinem Lithium-Ionen-Akku und DSG-Getriebe soll noch folgen, der zwischen Benziner und Stromer preislich einparkt, sprich weniger als 2.000 Euro teurer sein dürfte. Eine starke Ansage in Summe, nicht nur für "made in Europe". Und vor allem: Bis auf 8.000 Euro hat man die Lücke zum Benziner damit geschlossen, der bei 14.990 Euro startet. Beim Vergleich mit dem Dacia Spring verziehen die Verantwortlichen bei Citroen übrigens das Gesicht, als hätten sie auf eine Zitrone gebissen: Der eC3 spiele von Wertigkeit und Anspruch in einer anderen Liga - preislich freilich auch, denn der Spring startet bei etwa 16.900 Euro und reicht bis 24.500 Euro. Bei Reichweite (max. 230 km), Raumangebot und Qualität kann der "französische Chinese", das wird nach der ersten Tour rasch klar, in der Tat nicht mit dem Landsmann mit Doppelkeil mithalten. Ist der Dacia eher Stadtauto, erfüllt der eC3 den Anspruch eines Vollwertwagens. 

Gut Platz auf wenig Raum

Gepaart wird das mit einem für 4,01 Meter Länge üppigen Raumangebot: Wenn vorne ein 1,80-Meter-Mensch platziert ist, hat hinten ein gleich großer Erwachsener auch noch passabel Platz an den Beinen - und am Scheitel sowieso. Dafür sorgt die stattliche Höhe von 1,57 Meter, ein Plus von zehn Zentimeter sowie vor allem ein sekundäres Breitenwachstum von 1,75 auf 1,81 Meter. Trotzdem: Man kann kaum glauben, dass der neue C3 nur 19 Millimeter länger ist als der Vorgänger und damit kaum mehr Verkehrsfläche beansprucht. Ist aber so. Vorteil der SUVisierung des Kleinwagens, begleitet vom Nachteil, dass die frühere schnuckelige Filigranität verloren ging und stattdessen trendige Kantigkeit Einzug hält.

Vorteil Hochbau: Der Akku findet unterflur Platz

Wenn dafür im Hochbau ein Akku unterflur Platz findet, soll es einem Recht sein. Zumal sich dazu sich ein mit 310 Liter anständiger und brauchbarer Kofferraum gesellt, die Ladehöhe insgesamt adelt den Kleinwagen zum Kleintransporter, wenn es denn sein muss, selbst wenn nach Umklappen der Sitze eine dicke Stufe bleibt. Dazu gibt es jede Menge gut nutzbarer Ablagen und erwachsene, freilich etwas weiche und schweißtreibend bezogene Sitze. Ob das den Tatbestand einer im Marketingsprech "C-Zen Lounge" erfüllt, muss jeder für sich entscheiden. Ein praktisches und raumeffizientes Package also.

Den kleinen Akku kriegt man kaum klein

Noch wichtiger ist allerdings, dass es auch ein energieeffizientes Package ist: Die erste, sparsam gefahrene Testrunde über knapp 100 Kilometer im Stadt, Überland, Autobahn-Mix ergab einen Bordcomputerwert von 11,8 kWh/100 km, offiziell wären es kalkulatorisch um die 13,7 kWh/100 km. Der LFP-Akku, der anfangs bei 97 Prozent startend 312 Kilometer Reichweite anzeigt, ist fast nicht "klein" zu kriegen und weist noch 64 Prozent Restreichweite aus, sprich, noch immer etwa 200 Kilometer in den Speichern. Die 300 Kilometer sollten also durchaus machbar sein. Mit dem 100 kW-DC-Lader bei kleinem Akku rücken sogar mittlere Reisestrecken in den Horizont: Von 20 auf 80 Prozent zieht man in 26 Minuten, in AC mit 7 kW sind es vier Stunden, bei 11 kW dann nur 2:50 Minuten. Ein Vorteil des Downsizing-Konzepts.

Verbrenner: 5,5 l/100 km gehen in Ordnung

Und natürlich kann der Verbrenner in Sachen Effizienz nicht mithalten: Mit 5,5 l/100 km über eine erste Proberunde mit 66 Kilometer Länge ist der 100-PS-Dreizylinder aber ausreichend sparsam, dank 205 Nm Drehmoment recht elastisch und zudem über ein knackiges Sechsganggetriebe gut angesteuert. Tolle Werte für einen knapp 1,5 Tonnen schweren Stromkleinwagen. Der sich zudem nicht überschäumend agil, aber doch recht flott und ausreichend präzise über ein "bobbycar-mäßiges" Lenkrad bewegen lässt. Der 84 kW-Synchronmotor unter der Motorhaube wird über das etwas indifferente Fahrpedal angesteuert und surrt bei Kickdown mit typischem Stellantis-E-Sound und leichtem Vibrato zackig aus den Blöcken, obwohl er "nur" 125 Nm aufbietet. Für die Statistiker: 11 Sekunden sind es formal auf 100 km/h, früher mal GTI-Werte. Bei 135 km/h ist dann vernünftigerweise Schluss.

Fittes Fahrwerk, guter Komfort

Wobei das Fahrwerk fit wäre für mehr wäre: Der eC3 wie der Benziner-C3 liegen gut auf der Straße, legt den Fokus aber markentypisch klar auf Komfort statt auf Agiliät. Genauso agiert auch die sanfte Lenkung, man gewöhnt sich einen legeren Fahrstil an und ist trotzdem flott unterwegs. Lobend erwähnen muss man auch die gute Geräuschdämmung: Der Wind hat auch bei Autobahntempo keinen leichten Stand und die Abrollgeräusche sind selbst bei Kopfsteinpflaster gut weggefiltert. Zudem ist die Karosserie steif und trägt zum seriösen Fahrgefühl bei. Auch hier wirkt das Auto keinesfalls "billig".

Ein Display muss reichen

Klar muss man sparen: So gibt es zwei plausibel gebündelte Ausstattungsniveaus und kaum Extras. Und nur das etwas funzelig ablesbare "Head-up-Display" am unteren Rand der Windschutzscheibe, aber dank des traditionell und intuitiv per Lenkstock dirigierbaren Bordcomputer-Menüs hat man doch alle Infos parat, die man zum Fahren wirklich braucht. Schnickschnackfrei ist dann auch das 10"-Zoll-Display, das auf größere App- oder Gadget-Exzesse verzichtet und sich auf Wesentliches beschränkt: Radio, Navi, Telefon, wichtige Apps. Aber man kann ja eh auch sein eigenes Handy anbinden, drahtlos, versteht sich.

Das beste Mittel gegen die Elektro-Skepsis

In Sachen Fahrerassistenz ließ sich anhand der Vorserienfahrzeuge, bei denen die Funktionen deaktiviert waren, noch nicht viel sagen, außer dass der Hersteller das wichtigste aus dem Arsenal auffahren will. Sprich, die gesetzeskonformen Features Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, aktive Spurassistenz, Aufmerksamkeitswarner, intelligenter Tempomat, eine elektrische Feststellbremse oder Parksensoren vorn und hinten. Teure, mehr langstreckenorientierte Goodies wie Abstandstempomat spart man sich dann aber.

Insgesamt also ein sehr vielversprechendes Package, das Stellantis da schnürt - und auf dessen Markenableger man schon jetzt gespannt sein darf. Der C3 hat schon mal gut vorgelegt. Und könnte dem Plot des neuen Spots gerecht werden: "Elektrisch ist nicht länger nur für die Elite", in Anlehnung an die Französische Revolution. Die kann der schwächelnde E-Auto-Markt speziell in Deutschland gut gebrauchen, die ewige Ausrede der schlicht elektrounwilligen, verbrennerverliebten Teutonen mit "zu teuer" zieht jedenfalls nicht mehr. Insofern ist der eC3 auch ein großer "kleiner" Hoffnungsträger.

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