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VM-Fahrbericht Cadillac Lyriq: Ein lyrisches Erlebnis

Mit dem Lyriq bietet Cadillac eine individuelle Premium-Alternative an – wir ließen uns in Paris schon mal ein paar Stunden im Fond chauffieren.

Optisch hebt sich der Lyriq von den üblichen Fließ- und Stufenheckpremiums der oberen Mittelklasse ab. | Foto: Cadillac
Optisch hebt sich der Lyriq von den üblichen Fließ- und Stufenheckpremiums der oberen Mittelklasse ab. | Foto: Cadillac
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Gregor Soller

Schon der erste Eindruck ist positiv: Die Portale fassen sich satt und schwer an und fallen auch so ins Schloss und der Lyriq riecht innen edel nach Premium – fast wie „Zahnarztpraxen“ von Audi. Die Armaturenlandschaft vor unserem Chauffeur mit dem curved Screen erinnert an BMW und Co – das Ambiente könnte aber in jedem Premiummodell so gestaltet sein – übertrieben US-amerikanisches Blingbling verkneift sich der Lyriq. Wie Lyrisch wäre also ein Umstieg von den bekannten Premiums?

Unseren Fahrer, normal im i7 unterwegs, stört das einfache Blinkergeräusch und der etwas harte Kunststoff in den unteren Bereichen der Mittelkonsole. Tatsächlich hat Cadillac hier dezent gespart aber wir sind ja auch „nur“ auf i5-Niveau und auch der fällt im Detail dezent gegenüber dem i7 ab…irgendwo muss es ja einen Unterschied zwischen „Executive“ und „Luxus“ geben. Wobei die 3,09 Meter Radstand in der Klasse schon luxuriös sind und im Fond auch hinter großen Fahrern entsprechend viel Beinfreiheit herrscht.

Der Lyriq ist leise - und erhebt bei Fahrpedaleinsatz einen gut gemachten V8-Sound

Einigkeit herrscht dagegen beim Sound: Grundsätzlich fast unhörbar leise, beim kräftigeren Tritt auf das Fahrpedal aber hat Cadillac das dezente Summen der altehrwürdigen V8 aufs Feinste hinterlegt – kraftvoll und doch feinsinnig. Da stört es im Fond dann umso mehr, dass die kleinen Kopfstützen viel zu weit hinten angebracht sind und das erholsame Gesamtpackage empfindlich stören. Denn man muss den Kopf soweit zurücklehnen, das man schon aus dem dritten Seitenfenster blicken kann, das in seiner Kantigkeit klar das „cadillacste“ Element des Interieurs ist.

Kraft ist immer genug vorhanden: Die zwei E-Maschinen stellen bis zu 388 kW (528 PS) und 610 Nm Drehmoment bereit, genug, um die Fünf-Meter-Limo im Pariser Stadtverkehr auch mal in eine Lücke zu schießen. Das Fahrwerk fühlt sich für uns im Fond straff, aber nicht unkomfortabel an, die Lenkung könnte für unseren Fahrer noch eine Idee präziser sein. Hier geht für ihn halt nix über BMW. Trotzdem macht das Ganze einen gelungen-europäischen Eindruck.

Großer Kofferraum, mit gut 2,7 Tonnen aber auch großes Leergewicht

Und praktisch kann der Lyriq auch noch, denn das ungewöhnliche Heck trägt eine große Heckklappe, hinter der sich üppige 793 bis 1.722 Liter Ladevolumen anbieten, dazu kommen bis zu 1.587 kg Anhängelast, für einen Stromer ebenfalls stark.

Womit wir beim Verbrauch wären: Cadillac gibt nicht ganz günstige 22,5 kWh/100 km an, was wir im gut klimatisierten Pendel- und Stadtverkehr locker unterbieten. Bis zu 530 km Reichweite nach WLTP nennt Cadillac als Reichweite, unser Lyriq zeigt fast voll realistische 473 km an, auch im Winter sollten der 102-kWh-Akku also noch echte 350 bis 400 km bringen. Geladen werden kann DC mit bis zu 190 kW, auch hier lässt sich Cadillac nicht lumpen.

Und da man auch auf Fleet-Kunden zielt, gibt man ihm bis zu vier Jahre oder 100.000 km Garantie mit, außerdem spezielle Finanzierungs- und Ladeangebote, wobei Cadillacs Ladenetz hier „nur“ 500.000 Stationen umfasst, während Kia schon bei weit über 700.000 ist, aber immerhin. Trotzdem würde man sich für das an sich nicht dünne Package – denn der Lyriq performt überall gut – ein dichteres Servicenetz wünschen. Die Preise für Luxury und Sport beginnen bei 80.500 Euro brutto. Optional gibt es spezielle Farben, eine abnehmbare Anhängekupplung für 1.520 Euro und einen Dachträger für 380 Euro. Ein sehr amerikanisch-pragmatisches Angebot, das sich übertriebene lyrische Abschweifungen verkneift.

Was bedeutet das?

Wer eine außen optisch individuelle Alternative zu den üblichen Elektro-Premiums sucht, ist hier richtig! Der Lyriq ist ernsthaft und ehrlich gemacht und leistet sich im Vergleich zu den deutschen und europäischen Premiums keine Patzer und punktet zudem mit praktischer Heckklappe. Am wichtigsten wäre uns ein dichteres und greifbareres Servicenetz, denn hier immer alles individuell auf der Webseite oder in den kaum vorhandenen Stores anzufragen, ist in dieser Klasse zu umständlich.

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