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VM-Fahrbericht BMW CE02: Das ist kein Roller - sondern ein Verkehrswender!

Mit dem Leichtelektrobike CE02 stellen die Münchner der großen CE04 noch eine wendige, urbane Alternative zur Seite. Die ist mit 7.500 Euro nicht ganz billig. Ist es aber wert. Weil man ein richtiges Motorrad bekommt.

CE02 schlägt X2: Das Leichtelektrogefährt hängt den neuen SUV in der Stadt locker ab - und schlängelt sich fast überall durch. | Foto: J. Reichel
CE02 schlägt X2: Das Leichtelektrogefährt hängt den neuen SUV in der Stadt locker ab - und schlängelt sich fast überall durch. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Des is koa Roller! Mit dem diskreten Hinweis nimmt uns ein BMW-Verantwortlicher mit ZZ-Top-Biker-Bart in Empfang und rät zu standesgemäßer Motorradkluft aus der hauseigenen Kollektion. So profimäßig gewandet, schinden wir offenbar so viel Eindruck im urbanen Stadtbild, dass uns wenig später ein Superbike-Fahrer anerkennend grüßt. Dabei "rollern" wir nur mit einer "50er" daher. Aber was für einer. Die CE02 als Roller zu bezeichnen, wäre wirklich ein bisschen ehrenrührig. Schließlich steckt waschechte Motorradtechnik und Know-How in dem Leichtelektrogefährt. Und der 50er als CE02 AM bildet ab 7.500 Euro nur die Basis für Größeres: Schließlich gibt es auch eine 90-km/h-Version mit einem 11-kW-Mittelmotor (ab 8.500 Euro) statt der auf 4 kW gedrosselten Maschine in unserem Testexemplar.

Der luftgekühlte Synchronmotor in dem 48-Volt-System stemmt in beiden Fällen erwachsene 55 Nm an Drehmoment und stammt von Valeo und ist über letzlich zwei Carbonriemen an die Hinterachse angebunden. Was den Nachteil einer sirrenden Geräuschentwicklung hat, an die man sich allerdings schnell gewöhnt - und die gut und gerne als "Verbrennerersatz" durchgeht. Aber neben einem langen Wartungsintervall von 10.000 Kilometern den Vorteil bringt, dass der Mittelmotor für einen wunderbar tiefen Schwerpunkt und eine tolle "Mittellage" sorgt, ohne dass ein Radnabenmotor hinten ungefederte Massen produziert.

Das stimmige und ausgewogene, aus dem Stand intuitive Handling ist zweifellose eine der vielen Sahneseiten des jüngsten Münchner Beitrags zur urbanen Mobilität und kontrastiert in seiner maximalen Reduziertheit ebenso maximal mit dem BMW iX2 oder dem Mini Countryman Electric, die zeitgleich vorgestellt werden - aber eher maximal auftischen und ordentlich Raum und Ressourcen greifen.

CE02 schlägt iX2 - zumindest in der Stadt

Dabei erweist sich der CE02 - wir sagen jetzt einfach mal cool Scooter dazu - sofort als im Vorteil. Wie üblich ist ab der Stadtgrenze Stau und wir schlängeln uns mit dem inklusive Spiegeln 87 Zentimeter schlanken E-Bike problemlos und mit leichtfüßigem Handling, das sich aus der Hüfte modulieren lässt, durchs dichte Verkehrsgeschehen. Mit den gut platzierten Spiegeln behält man den rückwärtigen Verkehr stets gut im Blick. Ein Dreh am Griff, und man zoomt sich zackig vorbei und in die nächste Lücke, formal liegen die 50 km/h in nur drei Sekunden an. Assistiert von ordentlicher Rekuperation im ersten der zwei Modi "Surf" und "Flow" - sowie von erwachsen verzögernden, hydraulischen Schwingsattel-Bremsen, vorne sogar mit Doppel-Kolben und ABS-Regelung. Da stehen der "Maxi-Mini" und sein noch größerer Bruder noch lange im Stau, als wir schon das Ortsschild hinter uns lassen.

Wie ein kleines Motorrad

In der Vorstadt kommt man mit den 50 km/h noch bestens zurande und lernt an den zahlreichen Verkehrsberuhigungswellen die Qualitäten des Doppelschleifen-Stahlrahmens, der Upside-Down-Teleskopgabel und der Einarmschwinge hinten kennen. Gepaart mit der echten Motorradbereifung - vorne 120/80 R14, hinten 150/70 R15 - lässt sich das Bike weder von Wellen noch von Schlaglöchern aus der Ruhe bringen, federt allen Unbill von Kopfsteinpflaster lässig wie knarz-, knister- und verwindungsfrei weg und dank der niedrigen Sitzhöhe von nur 75 Zentimetern geht man auch wie bei einer Enduro schnell mal aus dem Sattel, sollte es doch zu arg werden.

Agiles Handling, direktes Fahrgefühl

Oder besser gesagt: Von der bequem gepolsterten und stimmig in das gesamte lässige "Form-follows-Function"-Industriedesign eingefügte Sitzbank. Die erweist sich als superleicht zu entern, verfügt für den Sozius über hochwertige und stabile Griffe, ist recht bequem, aber nicht zu weich gepolstert, auch hier setzt der CE02 eine agile Note und will keine Sänfte sein. Dafür hat man guten Fahrbahnkontakt und ein tolles Fahrgefühl, das Lust auf die 11-kW-Version aufkeimen lässt, damit man nicht zum Jagdobjekt der motorisierten Vierrad-Fraktion wird. Wahlweise stellt man die Füße eher vorne auf die Rasten oder hinten, wo sonst der Beifahrer Abstellplätze findet. Das Fahrwerk gibt den Zweierbetrieb locker her: Satte 312 Kilogramm Gesamtgewicht fährt der "Non-Scooter" auf, bei einem Leergewicht von 119 Kilo in der Basis und 132 Kilo bei der 11-kW-Variante.

Der Akku ist eher nicht zum Rausnehmen

17 Kilo wiegt ein 1,96 kWh-Akku, den zu entnehmen dann entsprechend nicht ganz so "leicht" fällt - und eigentlich auch nicht unbedingt empfohlen wird. Es ist aber möglich. Falls man keinen zweiten Akku ordert, der die Reichweite von 40 auf 80 Kilometer boostet - einem Verbauch von 6,0 kWh/100 km entsprechend - bleibt unter der Bank Stauraum. Auch maßgeschneiderte Taschen für die Seite (16 l) oder eine Hecktasche oder Topcase sind verfügbar und verwandeln den CE02 in einen prima elektrischen Einkaufswagen.

Ebenso wie ein Smartphone-Halter mit USB-Konnektion im Cockpit. Das besteht aus einem robusten und cool gemachten schmalen 3,5"-Displayriegel, der die wichtigsten Infos zu Reichweite, Tempo, Performance und Rekuperation liefert. Mehr braucht es eigentlich nicht. Und das passt zu dem "reduce to the max"-Ansatz, den die BMW-Motorrad-Ingenieure hier propagieren. "Keyless Ride" ist da fast schon selbstverständlich. Basis-Konnektivität via App auch.

Wer den Akku also nicht entnehmen will, lädt an dem Slot auf der linken Seite mit dem Ladegerät die 4-kW-Version in 90 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Die 11-kW-Variante ist neben dem noch flotteren Fahrmodus "Flash" optional mit 1,5-kW-"Schnelllader" zu haben, womit es dann 1:40 Stunde von 20 auf 80 Prozent geht. Zugegeben, das dauert länger als von 0 auf 50 km/h. Aber die Wartezeit ist es wert.

VM-Fazit: Elektrischer Eisbrecher für LEVs

Mit dem CE02 kommt ein zwar nicht ganz billiger, aber in jedem Fall hochwertiger Beitrag zum Thema "leichte Elektromobilität" aus München, der als Eisbrecher für eine ganze Gattung taugen könnte. Denn die Optik besticht ebenso wie Haptik, Handling und Qualität. Hoffentlich kommen die leichten E-Bikes damit endlich zu ihrem Recht, in der Stadt (AM-Version 4 kW) und/oder im Umland (11 kW). Denn sie bieten unglaublich viel Potenzial als leichte, platzsparende und spaßige Verkehrswender vom Dienst.

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